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Warum es keine Schlampen gibt

Warum es keine Schlampen gibt published on Keine Kommentare zu Warum es keine Schlampen gibt

von Mimmi

„Du bist eine Schlampe!“ – sagte meine Mutter mal zu mir, da war ich 14 Jahre alt und das Ganze bezog sich auf die Ordnung meines Zimmers. In meinem Elternhaus wurde eigentlich nie vulgär gesprochen, umso mehr schockierte mich das.

Längst war mir die Bedeutung einer sogenannten Schlampe bekannt. Das Outfit ist schlampig. Die ist geschminkt wie eine Schlampe. Sie ist eine Schlampe, sie hat es verdient, gebraucht oder einfach nur SCHLAMPE. Inflationär benutzt und doch mehr als bezeichnend.

Zunächst war das Wort Schlampe laut Wikipedia auf eine unordentliche Haushaltsführung oder die moralischen Lebensumstände einer Frau bezogen. Das heißt Unreinheit wird mit Gestaltung der persönlichen Sexualität, sofern sie nicht der Gesellschaftsnorm entspricht, gleichgesetzt. Beides verschwimmt ineinander und es bleibt ein Begriff zurück, der die Würde einer Frau erheblich kränken soll. Es gibt auch das Wort Schlamper – aber ganz ehrlich, das habe ich noch nie gehört.

Die Würde des Menschen, sie ist unantastbar und Sexualität ist menschlich. Jungfrauen sind nicht reiner oder würdiger als Menschen, die regelmäßig Sex haben. Und wenn eine Frau durch Sex dreckig, schmutzig oder was auch immer wird, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass ein Mann von vorne herein dreckig, schmutzig oder was auch immer sei.

Beides ist Bullshit.

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Rosea Lake from “Judgments”

Eine Frau, die als Schlampe geboren wurde, um nach Sex zu lechzen, jede Grenze zu diesem Zweck überschreitet, für „jeden zu haben“ ist, verachtet und dennoch ausgenutzt wird – es gibt sie nicht.

Es gibt promiskuitive Frauen, Frauen zu deren Krankheitsbild es gehören kann, promiskuitiv zu sein.

Es gibt Frauen, die mit Sex Geld verdienen, weil sie es wollen und es gibt Frauen, die dazu gezwungen werden.

Es gibt Frauen, die haben einfach verdammt viel Bock auf Sex und wechselnde Partner.

Es gibt Frauen, die aus traumatischen Ereignissen heraus ähnliche Szenarien re-inszenieren.

Es gibt Frauen, die ihren Selbstwert durch Sex aufbessern.

Es gibt Frauen, die betrügen. Es gibt Frauen, die sich den Freund der besten Freundin nehmen.

So ist das bei Menschen. Mit Sauberkeit hat das so viel zu tun wie ein Kühlschrank mit einem Haargummi. Bedürfnisse, komplexe Beziehungen, Trauma, Lust, Bestätigung, Egoismus. Das alles bedarf einer differenzierten, manchmal auch biographischen Betrachtung, sofern man die sexuellen Gewohnheiten von Frauen bewerten oder deuten möchte. Das Wort Schlampe trifft es jedenfalls nicht.

Es führt nur dazu, eine 2. Klasse von Frauen einzuführen. Eine, von denen sich die „guten“ Frauen und Mädchen, distanzieren sollen. Es führt zu einer Zeigefinger-Mentalität. Und zu Slut Shaming. Zu Victim Blaming. Zur Legitimierung von Belästigung und Missbrauch. Zu Ehrenmorden. Dazu, dass Opfer von Vergewaltigungen stigmatisiert oder gar getötet werden.

Sex macht also nicht dreckig. Jedenfalls nicht, wenn man eine Dusche hat.

PS: Sex macht eine Frau nicht unrein, ungewollter Sex und andere Übergriffe können in den Betroffenen durchaus ein dreckiges Gefühl hinterlassen. Das sind zwei Paar Schuhe. Wichtig ist, dass dieses Gefühl nicht von außen suggeriert wird.

Also watch your mouth.


 

Anmerkung der Redaktion: Reclaim the word!

Slut (noun): „a person of any gender who has the courage to lead life according to the radical proposition that sex is nice and pleasure is good for you.“ Dossie Easton

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