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Aktivismus in Zeiten von Corona: Chiara Seidl

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Bleibt kritisch, auch gegenüber Menschen, die ihr glaubt zu kennen. Zeigt Solidarität, wann immer es geht.

Wer bist du und wofür engagierst du dich?

Mein Name ist Chiara und ich bin Studentin. Ich bin seit 2016 aufgrund chronischer Schmerzen behindert. Ich engagiere mich deswegen vor allem für behinderte Menschen. Als genderfluide, bisexuelle aber weiblich gelesene Person setze ich mich auch gegen Queerfeindlichkeit und Sexismus ein.

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Aktivismus in Zeiten von Corona: Jüdisch und Intersektional

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Wir glauben, dass es sehr viele verschiedene aktivistische Communities und Bewegungen gibt – deshalb ist es wichtig hier immer im Plural zu denken. Einander zuhören, voneinander lernen und Bündnisse bilden ist hier wichtig.

Wer bist du und wofür engagierst du dich?

Wir (Ina Holev und Miriam Yosef) sind “Jüdisch und Intersektional”, eine Bildungsinitiative aus NRW mit Fokus auf Antisemitismuskritik und Empowerment für Jüdinnen*Juden. Wir arbeiten zu zweit und haben uns im Februar 2020 zu einer Initiative zusammengefunden. Wir waren bereits auf unterschiedliche Weise in queer-feministischen und antirassistischen Kontexten aktiv, doch haben hier oft Perspektiven von jüdischen Menschen vermisst. Deshalb haben wir ein Angebot aus Workshops und Vorträgen entwickelt, welche einerseits über Antisemitismus aufklären, aber auch Jüdinnen*Juden einen Platz zum Austausch geben. Dabei arbeiten wir mit einem intersektionalen Ansatz. Außerdem beraten wir auch Institutionen, etwa zum Thema antisemitsmuskritisches Veranstalten und Arbeiten. Weiterhin kuratieren wir demnächst eine Ausstellung zu jüdisch-migrantischen Perspektiven. Wir wünschen uns, dass Jüdinnen*Juden auch in intersektionalen Kontexten mehr Sichtbarkeit erfahren.

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Aktivismus in Zeiten von Corona: Lowerclassjane

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bildet Banden, kämpft!

Wer bist du und wofür engagierst du dich?

Ich bin Jane , lowerclassjane, ich engagiere mich für Antifaschismus, antikapitalistische Aufklärung, Antirassismus und Feminismus.

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Aktivismus in Zeiten von Corona: 4-Stunden-Liga

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Unsere Arbeit kann nur Fortschritte erzielen, wenn wir konsequent und ohne Unterlass kämpfen und präsent bleiben. Da muss es dann eben auch mal die 4-stündige Online-Konferenz am Wochenende sein. Klar, das ist für jede*n von uns anstrengend, aber wie sagt man so schön im Pott? – Von nix kommt nix! 

Wer bist du und wofür engagierst du dich?
Mein Name ist Jessica, ich bin 27 Jahre alt und seit 2 Jahren in der

Politgruppe „Vier-Stunden-Liga Berlin“. Wir kämpfen gemeinsam mit Genoss*innen in ganz Deutschland für eine radikale Arbeitszeitverkürzung auf 4 Stunden pro Arbeitstag bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Wir stellen uns gegen die Vergeudung des Lebens durch Lohnarbeit. Unsere Zielesind: mehr Zeit für Care-Arbeit, für politisches und gesellschaftliches Engagement, für die freie Gestaltung des eigenen Lebens. Wir wollen ein gutes Leben – jetzt und für alle! 
Inwiefern hatte Corona Einfluss auf deine aktivistische Tätigkeit? Man könnte erwarten, dass uns die Pandemie vollkommen aus der Bahn geworfen hat. Tatsächlich hatte sie aber einige ziemlich positive Effekte auf uns.
Zu Anfang wurdedie 4-Stunden-Liga Berlin genauso wie alle anderen erst mal von den Maßnahmen und der sehr realen Gefahr überrollt. Kurzfristig herrschte eine Art Schockstarre, darauf folgte Ernüchterung. Wir mussten sämtliche für das Jahr geplante Aktionen absagen, die Erfolge aus 2019 drohten ins Nichts zu laufen. Das war wirklich frustrierend.
Dann aber ist etwas wirklich Wunderbares passiert, auf das ich bis heute sehr stolz bin: Die Liga wuchs zusammen. Vor der Pandemie waren die Sektionen der 4-Stunden-Liga (Kassel, Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg) relativ autonom aktiv. Es gab hin und wieder Absprachen und gemeinsame Aktionen.So richtig zur „Intersektionalen“ wurden wir jedoch erst durch die Pandemie.
Da unsere in Persona stattfindenden Treffen in den einzelnen Städten nicht mehr möglich waren, fanden sie nun online statt. Das hatte den großen Vorteil, dass sich plötzlich die gesamte Liga gemeinsam online treffen und vor allem auch endlich richtig kennenlernen konnte (dafür sollte ursprünglich mal eine gemeinsame Fahrt in 2020 stattfinden. Was daraus geworden ist kann man sich denken ;)). Rückblickend betrachtet frage ich mich oft, warum wir da nicht schon viel früher drauf gekommen sind – aber gut, manchmal braucht es wohl erst eine Krise, um sich weiterzuentwickeln. 
Da wir uns durch die Pandemie nicht kleinkriegen lassen wollten, verlagerten wir alle geplanten Aktionen in die virtuelle Welt. Wo wir bislang immer wieder an Kapazitätsgrenzen innerhalb der Sektionen gestoßen waren, war jetzt plötzlich intersektional so viel mehr möglich. Gemeinsam haben wir eine riesige Online-Aktion zum 1. Mai 2020 auf die Beine gestellt. Durch die gemeinsame Arbeit sind wir als deutschlandweite Bewegung viel enger zusammengewachsen. 
Im Sommer haben wir dann das gute Wetter genutzt, um unsere Treffen wieder im Real Life, jedoch draußen stattfinden zu lassen. So konnten wir uns auch inhaltlich weiterentwickeln. Im September waren wir Berliner*innen auf zwei Demos zum Flyer verteilen und vernetzen. Mit den dort geknüpften Kontakten zu anderen Gruppen stehen wir auch jetzt noch in Verbindung und planen die nächsten Aktionen. Derzeit haben wir so viele Anfragen, dass wir sie trotz des Gruppenzuwachses der letzten Monate gar nicht alle bedienen können. 
Unsere Arbeit hat sich also eigentlich gar nicht so sehr verändert. 
Wir sind durch die Pandemie also deutlich flexibler und stabiler geworden (Online-Treffen sind ja SO praktisch! Egal, ob von Zuhause, von der Oma aus, aus dem Urlaub, vom Büro, in der Bahn – geht überall!), unsere Zusammenarbeit mit anderen Gruppen ist aufgrund der technischen Möglichkeiten stark gewachsen. Natürlich fehlen mir (und wie ich weiß auch vielen meiner Genoss*innen) die öffentlichen Aktionen auf der Straße, die Demos, die Kundgebungen, die Treffen. Politische Arbeit findet nun mal zwischenmenschlich und ganz wesentlich imReal Life statt. Ich bin jedoch ziemlich guter Dinge, dass sich viele Gruppen für die sich nähernde warme Jahreszeit tolle Konzepte einfallen lassen werden, dank derer wir geschützt auch diesen Tätigkeiten jenseits der virtuellenWelt wieder nachgehen können. Manches braucht einfach seine Zeit.

Was können wir als Aktivist*innen tun, damit die Bewegung nicht stillsteht? Was brauchen wir als aktivistische Community, um handlungsfähig zu bleiben?
Nicht aufhören. Uns nicht von den Widrigkeiten abschrecken lassen, sondern pfiffige und überraschende Lösungen finden. Uns vernetzen und gemeinsam viel stärker sein als im Kleinen. Wir – und damit meine ich vor allem die linken Bewegungen – haben die Aufgabe oder vielmehr die Pflicht, denjenigen nicht das Feld zu überlassen, die sich gegen unsere Rechte als Arbeitnehmer*innen, Frauen*, freie Menschen stellen. Unsere Arbeit kann nur Fortschritte erzielen, wenn wir konsequent und ohne Unterlass kämpfen und präsent bleiben. Da muss es dann eben auch mal die 4-stündige Online-Konferenz am Wochenende sein. Klar, das ist für jede*n von uns anstrengend, aber wie sagt man so schön im Pott? – Von nix kommt nix! 

Welche message möchtest du den Menschen noch mitgeben? 
Ich bin Optimistin. Vermutlich muss man das auch sein, wenn man politisch aktiv ist. Diese seltsame Zeit der Pandemie hat vieles deutlich vor Augen geführt, was vorher schwer zu erkennen war: z. B. die eindeutige Priorisierung wirtschaftlicher und „profitabler“ Interessen vor allem anderen. Viel deutlicher kann es nun nicht mehr werden. Manchmal kommen mir Zweifel, ob unsere Bemühungen genug sind, ob der gesellschaftliche (und ökologische) Schaden nicht vielleicht einfach zu groß ist. Aber dann treffe ich durch unsere politische Arbeit auf andere Menschen, andere Gruppen, die ebenfalls kämpfen, um nicht zu sagen sich abrackern, und sich für ihre Vorstellung einer sozialen, freienund gerechten Gesellschaft einsetzen. Das gibt mir Hoffnung und auch immer wieder neue Kraft. Ich erkenne dadurch, dass auch kleine Fortschritte eben schon Fortschritte sind und man gemeinsam im Kollektiv wirklich etwas verändern kann. Wenn ich also ganz pathetisch eine message an andere Mitstreiter*innen habe, dann diese:  Haltet die Augen offen, es gibt viele tolle Menschen, die die gleichen Ziele haben. Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

Aktivismus in Zeiten von Corona: Salon der Perspektiven

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Wir sehen es als Stärke an, sich der Unterschiede in den verschiedenen Communities undStrukturen bewusst zu sein. Gleichzeitig ist und bleibt es wichtig, komplizenhaft zu agieren, solidarisch zu sein und voneinander zu lernen.

Wer seid ihr und wofür engagiert ihr euch? 

Der Salon der Perspektiven ist ein mobiler Ort des Denkens für neue Formen der Zusammenarbeit, der Solidarität und des Austauschs in Kunst und Wissenschaft. 2018 wurde der Salon als Zusammenschluss für mehr Empowerment und Repräsentanz marginalisierter Perspektiven gegründetHeute verstehen wir uns als Initiative zur künstlerischen Erforschung und Sichtbarmachung von Machtdynamiken in künstlerischen und wissenschaftlichen Berufen innerhalb der Dominanzgesellschaft. Dabei verfolgen wir einen queerfeministischen und intersektionalen Ansatz. Im Dezember 2020 haben wir das Magazin “YallahSalon” zum Thema Kompliz:innenschaft herausgegeben. Die Beiträge wurden ebenfalls in einer Schaufensterausstellung in Bochum und Oberhausen gezeigt. 

 Inwiefern hatte Corona Einfluss auf eure aktivistische Tätigkeit?

Die Auswirkungen der Pandemie haben 2020 die Konzeption und Durchführung unseres Projektes Yallah KunstbetReiben stark beeinflusst. In einem ursprünglichen Konzept war der Austausch vor Ort, beispielsweise bei Workshops oder Lesungen, von großer Bedeutung. Durch die Überarbeitung des Projektes hat sich der Schwerpunkt auf das Magazin YallahSalon und den digitale Austausch über Social Media verlagert. Auch die Arbeit im Salon Team fand nur digital statt, was uns einerseits vor neuen Herausforderungen gestellt hat (Wie können wir im digitalen Raum inklusiver sein? Wie tauschen wir uns aus und vernetzen uns?) und andererseits gezeigt hat, dass Kompliz:innenschaft auch im digitalen Raum entstehen kann. 

 Was können wir als Aktivist*innen tun, damit die Bewegung nicht stillsteht? Was brauchen wir als aktivistische Community, um handlungsfähig zu bleiben?

Wir sehen es als Stärke an, sich der Unterschiede in den verschiedenen Communities und Strukturen bewusst zu sein. Gleichzeitig ist und bleibt es wichtig, komplizenhaft zu agieren, solidarisch zu sein und voneinander zu lernen. 

 Welche message möchtest ihr den Menschen noch mitgeben? 

Unser Wunsch ist es, mit dem Salon einen Ort zu schaffen, in dem Menschen ihrer Profession nachgehen können ohne sich an diskriminierenden Strukturen aufzuhalten. Und generell: Erstmal einfach reinspringen, machen, sich zusammenschließen! Kompliz:in sein! 

Mehr zum Salon der Perspektiven findet ihr auf der Homepage, auf Facebook sowie auf Instagram

Schaut dort mal vorbei! 

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