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IFFF 2017: Sonita

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von Laura Chlebos

Eine junge Frau, Sonita, klebt Zeitungsausschnitte in eine Art Tagebuch. Bilder, auf denen eine ekstatische Menschenmenge zu sehen ist, wo die eine Person in die andere übergeht, Grenzen sich für den Moment unweigerlich auflösen. Mädchen, die ihr Idol anhimmeln. Das Idol ist sie. Nein, eigentlich ist es Rihanna, aber Sonita hat ihr Gesicht auf den Körper des Popstars geklebt. Wohin sie will, das scheint klar. Für dieses Ziel wird sie mit gesellschaftlichen Konventionen, Geschlechterklischees und mit ihrer Familie brechen.

Sonita ist 18 und vor 7 Jahren aus Afghanistan in den Iran geflüchtet. Undokumentiert lebt sie mit ihrer Schwester und deren Tochter in Wohnungen, in denen sie eigentlich niemand haben will. Ihre Tage verbringt sie in den Räumen einer NGO, die sich für die Rechte der Kinder einsetzt, die kein zu Hause habe und keinen selbstverständlichen Zugang zu Bildung. Dort, so scheint es, ist sie die Stimme der Mädchen. Sonita ist Rapperin.

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Das Festival und ich.

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von Laura Chlebos

Unkontrollierte Eindrücke vom Internationalen Frauenfilmfestival 2017

Das Internationale Frauenfilmfestival 2017 hat in Dortmund begonnen und mich bereits verschlungen. „IN CONTROL… of the situation / Alles unter Kontrolle“, so lautet das diesjährige Motto. Nichts dergleichen fühle ich im Moment. Die geballte Frauenpower, die mir in Form von Film, Vorträgen und Performances entgegenschlägt, reißt mich in einen Strudel. Als dilettierende Journalistin und Filmredakteurin verliere ich hier schnell die Distanz zum gezeigten Gegenstand. Ich erkenne den revolutionären Moment eines Festivals, auf dem ausschließlich Filme von Frauen gezeigt werden – in einer männerdominierten Branche. Mich als Aktivistin interessiert mehr der transportierte Inhalt als die aufbereitete Form und doch lerne ich auch in diesem Bereich dazu und merke, meine Intuition und mein fachfremdes Wissen sind hier nicht fehl am Platz.

Das jährlich stattfindende Festival (abwechselnd in Dortmund und Köln) ist für mich Empowerment in seiner radikalsten Form. In kürzester Zeit lerne ich die Arbeiten verschiedener, mir vielleicht noch unbekannter Filmemacherinnen kennen, bekomme Einblicke in sonst unbeachtete Lebensrealitäten und einen Intensivkurs in Selbstreflexion.
Auch in diesem Jahr eile ich wieder vom Dortmunder U rüber zur Schauburg, wälze im Kartoffel-Lord das Programm oder nehme die U-Bahn Richtung Nordstadt zum sweetSixteen Kino und verpasse doch so viel. Ich fühle mich, wie in einer Blase: höchstkonzentriert, offen für Neues und ständig im Dialog mit Gegenstand und Innenwelt.

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#body*talk – Bericht zur Tagung

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von Silvana Schmidt

Anlässlich des Weltfrauentages fand am 4. März 2017 im Kölner Komed eine Konferenz zum Thema „#body*talk – Rollenbilder, Schönheitsdiktate und Empowerment im Netz“ statt, die durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wurde. Inhaltlich wie konzeptionell wurde an die Veranstaltung des Vorjahres, die Online-, wie Offlineaktivist*innen zusammenführen sollte, angeknüpft. Als sogenannte Netzfeminist*innen waren wir selbstverständlich mit dabei!

Schon das Hashtag im Veranstaltungstitel zeigt, welches Thema heute im Zentrum steht. Daher darf das WLAN Passwort nicht fehlen und so kommt es, dass die Moderatorin Stefanie Lohaus, Herausgeberin und Redakteurin des Missy Magazins auch als erstes diese wichtigen Information preisgibt, bevor sie thematisch einsteigt.

FemInputs: Über Gender im Netz, Hautfarben und Körperformen

Die Veranstaltung beginnt mit kurzen Inputs, die sich alle mit Körperlichkeit, Schönheitsbildern und Gender im Netz auseinandersetzen.
Den Anfang macht Valentina Kerst mit der Fragestellung „Ist das Netz postgender?“. Dabei stellt sie die quantitative und die qualitative Netznutzung einander gegenüber und stellt fest: Quantitativ gibt es keine großen Probleme mehr, qualitativ hingegen Nachholbedarf. Das bezieht sich beispielsweise auf Moderator*innen und Administator*innen -funktionen, die überwiegend männlich besetzt sind. Doch nicht nur die männerdominierten Multiplikator*innenposten, sondern auch transportierte Inhalte (wie beispielsweise die Reproduktion typischer Geschlechterstereotype) oder der Gaming-Bereich sind noch Problemzonen. Kerst thematisiert zudem, dass die Offlinesensibilität in der Online-Welt noch nicht angekommen zu sein schein: Wo wir bei einer Face-to-Face Unterhaltung eine Hemmschwelle erreichen würden, wird im Netz weiter geschimpft und gewütet – häufig anonym. Schlüsselbegriffe für die Zukunft sind digitaler Feminismus und Aufklärungsarbeit. Dabei kommt heraus: Das Internet kann zu einem besseren Miteinander beitragen – es ist nicht nur Problem, sondern zugleich auch Lösung!

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#konsenskarneval – ein kurzes Gespräch mit der Initiatorin Melanie Trommer

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von Feminismus im Pott

Bild: Melanie Trommer

Melanie Trommer ist Feministin, Mutter, Aktivistin, Genderreferentin und Bloggerin. Sie wohnt in Köln und im Internet, dort findet man sie unter dem Namen glücklich scheitern.

Wie kam es zum Projekt #konsenskarneval und welche Grundgedanken stecken dahinter?

Die Idee kam zuerst, als ich bei einem Stammtisch mit anderen Feministinnen zusammen saß. Ja, viele dieser Feministinnen waren und sind leidenschaftliche Karnevalsfans. So ist das hier in Köln. Karneval ist einfach toll! Aber ja, Sexismus und sexualisierte Gewalt ist auch an Karneval nichts Neues. Präventionskampagnen setzen – wie so oft bei dem Thema – bei den Betroffenen an: Mädchen und Frauen wird geraten nicht alleine auszugehen, keine Getränke von Fremden anzunehmen, keinen Alkohol zu trinken, keine allzu sexy Kostüme anzuziehen und so weiter. Wir fanden, dass das nur gut gemeintes Victim Blaming ist. Denn der Umkehrschluss wäre ja: Wirst Du tatsächlich begrapscht oder vergewaltigt lag es an Dir – das Dekolletee zu freizügig, der Alkoholpegel zu hoch – und drängt damit Betroffene in eine unschöne Situation – ihnen wird ein aktiver Anteil am Geschehen unterstellt. Die Scham ist grade dann groß, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen.

Wir wollten, dass der Fokus endlich auf die Typen gelegt wird: Sie sind es, die mit dem Alkohol vorsichtiger sein sollten und an deren Anstand appelliert werden sollte.
Das war der Gedanke unserer Aktion: Frauen sollten unbeschwert Karneval feiern können, in dem Wissen, dass sich alle gut benehmen würden

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„Der rote Raum“ – Ein Erfahrungsbericht zum Stück in der Studiobühne Köln

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von Silvana Schmidt

Ein Mann sitzt vor einem dunklen Hintergrund. Er trägt ein T-Shirt auf dem Juliet fucked Romeo steht. Eine Frau umarmt ihn von hinten. Beide gucken erwartungsvoll nach oben.
© Ingo Solms

Mit dem Betreten des Theatersaales der Studiobühne Köln finde ich mich bereits mitten im Geschehen wieder; ohne jede Vorbereitung und von Beginn an konfrontiert die Regisseurin Silvia Werner die Zuschauer*innen mit einer lauten, bedrohlichen und donnerähnlichen Geräuschkulisse, die direkt eine Gänsehaut bei mir hervorruft. Dem Blick der Zuschauenden wird nichts vorenthalten; kein Vorhang verhindert die Sicht auf die minimalistisch gestaltete Kulisse, die in den Farben Rot, Schwarz und Weiß gehalten und von dunklen Kleidungsstücken übersät ist. Im Hintergrund wird eine rötliche Filmszene eines stillen Waldes an die Wand projiziert. Und auch die Schauspieler*innen des Kammerspiels sind bereits auf der Bühne: Während Jan-Martin Müller mit leerem Blick auf dem einzigen Möbelstück auf der Bühne – einem Stuhl – herumlungert, dreht Jana Jungbluth resigniert Runden um ihn herum. Ihre ziellosen Schritte und die Monotonie, in der sie immer wieder beliebige Kleidungsstücke aufhebt und wieder fallenlässt lösen bei mir sofort eine Assoziation mit Rainer Maria Rilkes „Der Panther“ aus – wie auch immer, das vermittelte Gefühl der Bedrückung und Hoffnungslosigkeit stellt sich augenblicklich ein.

Und dieses Gefühl hält die nächsten anderthalb Stunden an – genau wie die Gänsehaut.
Wenn ich sagen sollte, was das Theaterprojekt „Der rote Raum“, eine Zusammenarbeit von 16/9 PRODUCTIONS und der Studiobühne Köln, so außergewöhnlich macht, dann würden mir viele Dinge einfallen: Die fantastischen Darsteller*innen, die ein ums andere Mal ihre Professionalität, Vielfältigkeit und Wandelbarkeit unter Beweis stellen, die gelungene Kombination verschiedener Erzählelemente (Schauspiel, Filmsequenzen, Gesangselemente etc.) oder die Vielzahl der aufgegriffenen Themen. Doch es ist besonders die außergewöhnlich gute Gestaltung des Spannungsbogens, die mich beeindruckt und bewegt hat und das Theatererlebnis zu einem besonders ergreifendem gemacht hat, dem sich zu entziehen kaum denkbar war.
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