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Der Krankengarten

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Von Mimmi

Ich wache auf und schaue auf die Uhr.

Es ist ein Uhr nachts. Mein Hals tut weh, ich fühle mich fiebrig. Oh nein, ich kann auf keinen Fall morgen arbeiten. Aber dann werden alle sauer sein. Ich war erst letzte Woche krank. Die anderen sind ja auch ständig krank, denke ich.

Nein, ich kann auf keinen Fall arbeiten. Ich bleibe zu Hause, wenigstens für einen Tag. Das wird natürlich nicht reichen. Aber…
 
Ich stelle den Wecker um, sodass ich mich pünktlich um sieben Uhr krankmelden kann. Ich wälze mich umher, es graut mir vor dem Anruf.
Ich schlafe ein, träume davon, mich krankzumelden….

So viel zu mir. Seit ich mit Kleinkindern arbeite, gibt es zwischen September und März keinen Monat, in dem ich nicht krank werde. Ungefähr alles in meinem Leben wird dadurch beeinträchtigt.Continue reading Der Krankengarten

Aber ich will einen richtigen Mann! – Die Krux der Partnerwahl

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von Linda Briviba

Ich verstehe andere Frauen oft nicht. Zumindest nicht in Bezug auf ihre Partnerwahl. So oft habe ich Unterhaltungen auf der Straße zwischen Paaren mitbekommen, in denen sich der Mann wahlweise respektlos, rücksichtslos oder extrem dominant verhielt. Die Körpersprache dieser Männer drückte nur eins aus: „Ich Chef, du nix!“ Die gutwilligen Leserinnen unter euch werden vielleicht mutmaßen, dass diese Männer einen schlechten Tag hatten, die Frauen sich Ihnen gegenüber zuerst schlecht verhalten haben oder die Männer es einfach nicht so gemeint haben. Ja, gut möglich.

Ich glaube aber, dass die Ursachen für so ein Verhalten tiefer liegen. Diese Männer haben niemals gelernt, Frauen auf Augenhöhe zu begegnen. Frauen sind für sie nicht gleichwertig. Was an der Erziehung, ihrer Sozialisation aber auch, und das ist vielleicht das Schmerzhafteste, an uns Frauen liegen kann. Denn frage ich meine Freundinnen, was für einen Typ Mann sie sich als Partner wünschen, höre ich nicht selten als Antwort: „einen RICHTIGEN Mann“. Bloß kein Weichei!

Können wir uns also wirklich darüber beklagen, dass viele Männer einen archaische Typ Mann, der sich nimmt, was er will, im Kopf haben, wenn es darum geht, zu definieren, was ein echter Kerl ist. Männer, die ihre Frauen demütigen und die als Ausdruck ihrer Männlichkeit verstehen!

Es liegt auch an uns, ob diese Männer mit ihrem Gebaren Erfolg haben; statt ihre Stärke, Aggressivität und ihre Ellenbogen zu bewundern und sich davon angezogen zu fühlen, sollten wir vielmehr nach ihrem Benehmen Frauen gegenüber fragen: denn eins weiß ich – ein „guter Mann“ ist ein netter Mann!

 

Busfahrt mit Troll

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von MsWookie

Kennt ihr das, wenn plötzlich ein Sinnbild, eine fleischgewordene Metapher vor euch aufploppt? Wenn sich ein latentes, immer anwesendes Gefühl glasklar zeigt?

Freitagmorgen in einer Großstadt im Ruhrgebiet. Ich stehe mit meinem Freund an einer Fernbushaltestelle und freue mich auf Amsterdam. Der einzige wirkliche Urlaub diesen Sommer. Der Busfahrer schnauzt uns an, es gebe nur für ein Handgepäck pro Person Platz. Ich habe einen kleinen Rucksack auf dem Rücken und meinen Jutebeutel von den Gender Studies über der Schulter. Ich realisiere, dass das dem Busfahrer zu viel ist. Er sieht mich bitterböse an, als wolle er uns alle schon vor Beginn der Fahrt erwürgen. Ich denke mir nichts dabei und drücke den Beutel meinem Freund in die Hand, der gerade das große Gepäckstück verstaut hat. Er grinst mich an, murmelt etwas von „miltärischemBundeswehrdrill“ und ich weiß, dass er nur darüber grinst, weil er sich sonst nur aufregen würde. Wir steigen ein und setzen uns relativ weit vorne auf einen freien Zweiersitz. Kurz nach Abfahrt bemerken wir, dass wir vor einem trinkenden Junggesellenabschied gelandet sind. Ich fühle mich wie ein Snob, weil ich gerne woanders sitzen würde. Weil ich och vor der Fahrt dachte, während der 15€-Fahrt in Ruhe ein Buch lesen zu können. Wahrscheinlich gehört das zu einer Busfahrt nach Amsterdam einfach dazu, sage ich mir, vielleicht wird das auch noch ganz amüsant. Ich schäme mich etwas für meine Bedenken und versuche mich in Gelassenheit. Als die Männer, ungefähr 15 angetrunkene Typen zwischen 25 und 35, zum ersten Mal laut grölen, flüstert mir mein Freund zu: „Eine homosoziale Männergemeinschaft!“ Ich bin fast stolz auf ihn, weil er sich scheinbar etwas von meiner Hausarbeit merken konnte, die er vor kurzem Korrektur gelesen hat. Wir versuchen es nun also mit Galgenhumor. Zwei ältere Frauen vor uns kichern über die unerwartete Unterhaltung. An der nächsten Haltestelle, der letzten vor Amsterdam, stürmen unsere neuen Bekannten nach draußen, zum Rauchen. Ich überlege kurz und entscheide mich dann dagegen, ebenfalls eine Zigarette zu rauchen. Eine der älteren Frauen gibt einem der Typen noch Feuer. Als die Männer durch den schmalen Gang strömen, zieht mein Freund den Jutebeutel aus deren Sichtweite. „Nachher pöbeln die noch rum, wenn sie einen Gender Studies-Beutel sehen“, sagt er und ich bin mir sicher, dass er mittlerweile

jutebeutel
Bildquelle

trotz allem Humor ebenso etwas skeptisch ist. Grölend kommt die Mannschaft, die – wie wir später herausfinden – tatsächlich eine Amateurfußballmannschaft ist, an uns vorbei. Einer von ihnen, der etwas älter als der Durchschnitt ist, stimmt nun einen „Gesang“ an. „[Vorname][Nachname] Sinti und Roma!“ In meinem miesen Bauchgefühl bestätigt, merke ich, wie die ganze Truppe einstimmt.Continue reading Busfahrt mit Troll

Erfahrung eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruch

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Am 17. März 2016 fand wieder einmal der 1000KreuzeMarsch (bäh pfui pu pu pu!) in Münster statt. Feminismus im Pott hatte den alljährlichen Protestmarsch gegen die weißen Kreuze zum Anlass genommen, auf facebook das Themenfeld Schwangerschaftsabbruch in den Fokus zu nehmen. Die Stimme digital zu erheben und darauf hinzuweisen, dass wir nicht mit unseren Erfahrungen allein sind und Keine* und Keiner* eine schweigende Ausnahme darstellen braucht, die sich schämend und schweigend in die dunkle Ecke zu stellen hätten, hat wieder einmal eine herrliche Blüte hervorgebracht: Uns erreichten Zeilen einer Frau, die ihre Erfahrung mit uns allen teilen möchte; das macht Mut und kräftigt das feministische Kämpferherz.


von [anonyma]

In den 70er Jahren ging meine Mutter auf die Straße, um Frauen das Recht auf Selbstbestimmung zu ermöglichen und dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Anfang Januar wurde bei meinem Ultraschall in der 12. Woche festgestellt, dass der Fötus in meinem Bauch eine Megazyste aufweist: Er schluckte wie jeder Föte in diesem Stadium Fruchtwasser, konnte es jedoch nicht wieder über die Harnröhre abgeben, weil diese verschlossen oder gar nicht ausgebildet war. So hatte sich seine Blase innerhalb einer Woche auf mehrere Zentimeter Durchmesser vergrößert und verdrängte alle anderen Organe, die Nieren wurden durch den Rückstau schwer geschädigt. In den darauf folgenden zwei Wochen waren wir fast täglich bei einem Spezialisten nach dem anderen und jeder hatte eine andere Meinung darüber, ob das Kind noch zu retten wäre; keiner traute sich aber eine OP in diesem frühen Stadium zu.

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(c) Chiara Fabri

Das Ganze endete darin, dass eine Ärztin zwei Wochen später eine so starke Schädigung feststellte, dass das Kind höchstwahrscheinlich noch in meinem Bauch sterben würde. Ihre Kollegin jedoch meinte, es bestünde eine (geringe) Chance, dass das Kind lebend auf die Welt käme und, dass ja auch kranke und behinderte Kinder es wert wären, für sie zu kämpfen. Wir waren also aufgrund der konträren Meinungen in der Entscheidung vollkommen auf uns gestellt.

Weitere drei Ärzte später und gefühlte 100 Stunden auf den Ultraschall und das Kind mit seiner riesigen Blase starrend, wussten wir, dass das es zu 99% im weiteren Verlauf der Schwangerschaft oder spätestens wenige Tage nach der Geburt sterben würde und waren uns einig, dass wir das nicht ertragen konnten. Ein weiterer Spezialist musste deshalb etliche Krankenhäuser abtelefonieren, denn die meisten sind kirchlich und erlauben deshalb keinen Abbruch – egal aus welchem Grund.

So musste ich wieder mehrere Tage auf einen Termin warten und nach langer Reise dort angekommen schließlich, da die Schwangerschaft mittlerweile fortgeschritten war, eigenständig alle paar Stunden Zäpfchen einführen, die mein Baby töten und zugleich Wehen auslösen würden. Nach 30 unglaublich schmerzhaften Stunden in den Wehen, denn mein Körper kämpfte gegen sie an und wollte den Muttermund nicht öffnen, brachte ich meinen toten Sohn auf die Welt.

Ich weiß nicht, wie lange es noch dauern wird, bis ich nicht mehr weine, wenn ich an diese Wochen denke, aber ich weiß, dass ich es unverantwortlich finde, dass Menschen mir zumuten möchten, ein dem Tod geweihtes Kind in mir zu tragen und von mir verlangen wollen, jeden Tag Menschen zu treffen, die auf meinen wachsenden Bauch schauen und mich anlächeln, beglückwünschen oder mir ungefragt von ihren glücklichen Erfahrungen berichten, während ich wöchentlich zum Ultraschall gehe, auf mein krankes Kind schaue und den Herzschlag suche.

 

Nicht-Mädchen – keep your rape culture out of my uterus

Nicht-Mädchen – keep your rape culture out of my uterus published on Keine Kommentare zu Nicht-Mädchen – keep your rape culture out of my uterus

von Chiara Fabri

erst

Vergangenen Freitag bekamen wir einen Blogtext von Yuri geschickt. Sie frug uns, ob wir ihn über Feminismus im Pott verbreiten wollen. Meine Aufgabe war nun, den Text zu lesen und eine erste Einschätzung zu machen, ob der vorliegende Text in das Konzept von Feminismus im Pott passen kann und, ob es über facebook geteilt werden kann – manchmal entscheiden wir uns dagegen, weil der Text oder das Video oder das Bild zu stark triggert oder zuviel Hass enthält und wir über die bloße FacebookSeite keinen guten oder halbwegs geschützten Kontext herstellen können. Bei solchem Material lohnte sich z.B. ein Blogtext zu schreiben.

Ich las also den Text. Er ist tatsächlich sehr heftig und geht an die Substanz. Als ich an die Stelle kam, in der steht, „Freispruch“, schlossen sich affektiv meine Augen. Sie wollten nicht weitersehen. Sie wollten mich schützen. Einige Sekunden gab ich nach. Dann las ich weiter. Ein nächster Schlag war, dass der freigesprochene Täter noch die Möglichkeit erhielt, das letzte Wort in der Sache zu erhalten und diese nutzte, noch ein weiteres Mal dem Opfer weh zu tun vor aller Ohren zu sagen: „Beiß mich das nächste Mal, damit ich wirklich weiß, dass du es nicht willst.“

Der Text ist wichtig und ich schrieb der Autorin, wie wir den Text an die Leser*innenschaft weiterleiten können, wir sprachen uns ab.

dann

Dann wollte ich noch schnell schmutzige Wäsche in den Keller bringen, um sobald zu meinen Eltern zu fahren. Ich bemerkte, dass mich der Text noch eine Weile beschäftigen wird. Das machen andere manchmal auch. Eine Herausforderung bei Feminismus im Pott ist, dass es Tage gibt, an denen mensch sich den gesamten Tag mit schlechten Nachrichten und Hass befasst.

Ich sammelte die Wäsche zusammen, entschied, was dringender gewaschen werden müsste als anderes. Ich ging die Treppen hinab, ich ging in den Waschkellerraum. Ich legte die Wäsche in die Maschine, schüttete ein klein wenig Waschmittel in die Maschine. Stellte das Program ein und stützte mich mit den Händen auf die Waschmaschine und versuchte mich zusammenzureißen. Denn während ich all dies tat, soviele Mädchen und Frauen, so viele. Immer und überall. Und Freispruch. Und Vorwürfe zur Lüge. Schweigen. Das sich winden der Gesellschaft und der Gesetzgeber*innen, endlich eine rechtliche Grundlage zu schaffen, die sexualisierte Gewalt tatsächlich verurteilt. Continue reading Nicht-Mädchen – keep your rape culture out of my uterus

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