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Sexarbeit – Positionierung Feminismus im Pott

Sexarbeit – Positionierung Feminismus im Pott published on 1 Kommentar zu Sexarbeit – Positionierung Feminismus im Pott

Unsere Sprecher*innenposition ist geprägt davon, dass in unserem Team keine*r der Sexarbeit nachgeht oder sich als solche*r definiert. Unsere Position ist die als Unterstützerin, als Ally. Im Team beschäftigen sich manche aktivistisch als auch wissenschaftlich konkret wie peripher mit dem komplexen Sachfeld Sexarbeit/Prostitution. Darüber hinaus beruht unser kollektives Wissen auf den Berufserfahrungen einer Kollegin, die beratende und aufsuchende Arbeit im Feld der Sexarbeit geleistet hat.  Deren Wissen speist das Wissen und die Positionierung von Feminismus im Pott.

Unser Verständnis von Sexarbeit orientiert sich an dem Selbstverständnis der Sexarbeiter*innen (siehe u.a. Open Letter von ICRSE 2015).
Die Sexarbeit ist als zweckdienlich zum Lohnerwerb zu betrachten; sie ist demnach zu bezahlende Dienstleistung bzw. zu entlohnende Arbeit. Sofern die Tätigkeit sexuelle Handlungen mit Körperkontakt beinhaltet, kann sie auch als kommerzialisierter Sex oder kommerzialisierte Sexualität bezeichnet werden; die Übergänge sind hier fließend. Sexarbeit ist eine unter erwachsenen Menschen einvernehmliche, verabredete sexuelle Dienstleistung gegen finanzielle und/oder materielle Entlohnung. Sexarbeit ist eine höchstpersönliche Dienstleistung. Über ihr Angebot entscheidet die*r Sexarbeiter*in selbst.

Redefining Prostitution as Sex Work on the International Agenda. “The terms ’sex work‘ and ’sex worker‘ have been coined by sex workers themselves to redefine commercial sex, not as the social or psychological characteristic of a class of women, but as an income-generating activity or form of employment for women and men. As such it can be considered along with other forms of economic activity. An employment or labour perspective is a necessary, if not sufficient, condition for making sex work a part of the mainstream debate on human, women’s, and workers‘ rights at local, national and international level.“ (Bindman 1997, 2a. Redefining Prostitution as Sex Work)

Wir betrachten die Tätigkeit der Sexarbeit als eine Form der Erwerbstätigkeit und Existenzsicherung, die entkriminalisiert und, der eine rechtliche und gesellschaftliche Legitimität zugesprochen werden muss. Dabei stehen wir ein für eine freie Berufswahl,  das Recht auf selbstbestimmte Sexualität und körperliche Selbstbestimmung, unter Anerkennung der Rechte und Grenzen des Gegenübers sowie Schutz personenbezogener Daten. Unsere Haltung ist sowohl politisch als auch feministisch orientiert, wobei wir uns entschieden gegen die (neo-)abolitionistische Position [1] und dem Verständnis des Radikalfeminismus (Selbstbezeichnung) zur Sache aussprechen.

Die Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen sehen wir als Bestandteil von Sexualität, mit der bestimmte ressourcenorientierte Zugangsvoraussetzungen seitens der*s potentiellen Kund*in einhergehen; wie zum Beispiel monetäre, kommunikative, soziale oder mobile Ressourcen.

Das „Sexarbeiter*in-Sein“ ist keine sexuelle Identität.

Unsere Position ist dem Empowerment-Paradigma (Weitzer 2010) zuzuordnen. Dementsprechend gehen wir davon aus, dass sich erwachsene Menschen selbstbestimmt für die Ausübung von Sexarbeit entscheiden können und das Recht wie auch die Möglichkeiten geboten bekommen müssen, sich gegen das Anbieten sexueller Dienstleistungen zu erwehren.

Menschen, die mit Gewalt oder Nötigung zur Prostitution gezwungen werden, sehen sich vor Schwierigkeiten, auszusteigen, Kunden*innen abzulehnen, Praktiken oder Preise selbstbestimmt zu setzen und auszuhanden. Liegt zu einem Zeitpunkt keine Einvernehmlichkeit vor oder werden Verabredungen gebrochen, so besteht ein Straftatbestand nach dem §233 StGB, §177 StGB oder dem (derzeit noch) §1 ProstG.
Angebotene Sexdienstleistung aus einer akuten Notlage heraus wie bspw. die akute Finanzierung von Drogengebrauch, betrachten wir in der Frage nach sogenannter Freiwilligkeit oder Zwangslage als Grauzone.

In unserer Kritik an dem verabschiedeten ProstSchG, das am 01. Juli 2017 in Kraft tritt, beziehen wir uns auf sämtliche Stellungnahmen zwischen 2013 und 2016 des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. (BesD e.V.), des Bündnisses der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter e.V (bufaS e.V.), der Deutschen AidsHilfe, des Deutschen Juristinnenbund e.V. (djb), der Deutschen STI Gesellschaft (DSTIG), der Diakonie, Hydra e.V., des Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK) und des Runden Tisches Prostitution NRW. Sowie des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW (MGEPA) vorrangig in persona von Barbara Steffens (ehemalige Ministerin MGEPA) sowie Claudia Zimmermann-Schwartz (ehemalige Ministerialdirigentin MGEPA). Allesamt haben den Entwurf jeweils als erheblich gesetzeswidrig, praxisfern und als Gefahr für eine vulnerable, da stigmatisierte und sehr heterogene Personengruppen eingestuft. Schwachstellen des Gesetzesentwurfs wurden ebenfalls in der Empfehlung der Ausschüsse des Bundesrates in der Drucksache 156/1/16 formuliert.
Dabei wird von uns (wie von der öffentlichen Kritik der oben genannten Vertreter*innen) keinesfalls strukturelle Gewalt und Kriminalität geleugnet, die in den Segmenten der Sexarbeit durchaus vorgefunden werden können. Strategische Schlussfolgerung darf aber nicht Kriminalisierung und Kontrolle der Sexarbeiter*innen (und anderer Akteur*innen) durch ein ProstSchG, wie es derzeit ausgestaltet ist und Abhängigkeit von sogenannter verantwortlichen Behörden sein. Vielmehr erachten wir es als angemessen und wichtig, die Forderungen der Sexarbeiter*innen, die sich seit der Hurenbewegung vor und ab 1972/74 vielfach und global artikulier(t)en, aufzugreifen: Entkriminalisierung und Entstigmatisierung der Sexarbeit und der Sexarbeiter*innen.
Amnesty International hat es ähnlich und in vorbildlicher Weise in der Resolution 2015 begründet.

Außerdem würde aus liberaler- und queer-feministischer Perspektive eine pauschale Viktimisierung und das Absprechen von Entscheidungsfähigkeit aller Sexarbeiter*innen eine Entmündigung darstellen.

Als Gesellschaft befinden wir uns in einem neoliberalen kapitalistischen System, in dem der Körper und Körperleistung Kapital auf vielfache Weise darstellen. Das Grundprinzip des Tauschhandels einer (körperlich) sexuellen Dienstleistung gegen Entgelt ist in dieser Gesellschaft kapitalistisch geprägt; und anfällig für ausbeuterische Strukturen, Situationen oder Spiralen. Ökonomische Zwangslagen belasten und bedrohen vulnerable Personen(gruppen) und machen sie anfällig, in ausbeuterische Situationen, Strukturen oder Spiralen zu geraten oder sich bewusst in diese zu begeben.

Feministische Kapitalismuskritik zur Abschaffung von Prostitution, die aus welchem Grund auch immer nicht erbracht werden möchte muss möglich sein. Darüberhinaus müssen jedoch auch Allgemeinplätze wie Migrationspolitik, Reproduktionspolitik, Care-Arbeit, Grenzpolitik, Gleichberechtigung der Geschlechter, etc. interdisziplinär in kritische Betrachtung hinzugenommen werden. Alternative gesellschaftliche und soziale Systeme und Lösungskonzepte müssen gedacht, ausformuliert, diskutiert und probiert werden können ohne sich an der immer gleichen moralischen Debatte um Sexarbeit aufzuhängen und in ihr zu verharren.

Die im Kapitalismus vorherrschende Stigmatisierung von Sexarbeit muss überwunden werden. Während die Inanspruchnahme von Sexarbeit in breiten Teilen der Gesellschaft akzeptiert ist, so ist die Ausübung von Sexarbeit verpönt und auch mit Ängsten vor sozialer Abgrenzung verbunden. Mitunter wird Sexarbeit von Menschen heimlich durchgeführt, mit Ängsten von einem Outing im eigenen sozialen Umfeld.

In unserer Gesellschaft werden Beleidigungen und abwertende Äußerungen (bspw. Nutte, Hurensohn) genutzt, die einen klaren und im Kontext negativen Bezug zu Sexarbeit herstellen.

 

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Wir beanspruchen keine Deutungshoheit. Wir sind diskussionsoffen in sämtliche Richtung und begrüßen den respektvollen Austausch und Diskurs.

Wir lehnen den radikalfeministischen Ansatz entschieden ab, sind aber bereit, sachlich zu diskutieren.

Wir behalten uns weiterhin vor, auf Diffamierung und Beschimpfung aller Art nicht einzugehen. Versuche, mit expliziten Schockbeispielen zu argumentieren, lassen wir auf dem von uns zur Verfügung gestellten Räumen und Plattformen nicht zu.

[1]  Anmerkung: „Die (neo-)abolitionistische Position spricht sich für die Abschaffung von Prostitution aus und lehnt den Begriff „Sexarbeit“ kategorisch ab. Prostitution sei Aus­druck männliche Dominanz, Ausbeutung und Gewalt gegen Frauen und keine frei­ge­wählte Erwerbstätigkeit. Sexarbeit sei konsequenter Ausdruck einer kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaft.

Feministische Solidarität – „Wir dürfen uns nicht als altruistisch verstehen, sondern als Teil des Problems“

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von Eva Busch

Ein Rückblick auf das Symposium Auf die Bühne neue Schwesterlichkeit in Wuppertal, 04.11.2016

Im Anschluss des Rückblicks befindet sich ein kleines Interview mit dem Ismigone Komplex.

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Glossar zum Text

Vier Masterstudentinnen interessieren sich für Feminismus, gründen ein Kollektiv, entwickeln gemeinsame Gedanken und entscheiden sich, ein wissenschaftliches Symposium auf die Beine zu stellen, um die eigenen Fragen mit renommierten Akademiker*innen und Kommiliton*innen zu diskutieren. An dieser Stelle bereits: Chapeau! Den Weg in die Realität finden solche Geschichten doch eher selten. Wohl aber  kürzlich in Wuppertal.schwesterlichkeit

Die Vier nennen ihr Kollektiv Ismigone Komplex und stellen Fragen nach zeitgenössischer feministischer Solidarität. “Wir möchten auf die Suche gehen nach Ansätzen und Möglichkeiten der feministischen Theorie, in denen eine Konzeption von Kollektivität und Solidarität auffindbar ist, die die Singularität nicht negiert“, heißt es im Einladungstext zu dem Symposium. Dies in die Frage „Wie können wir solidarischer sein?“ zu übersetzen, würde dabei bereits an der Unklarheit des Wir scheitern. So geht es um die nun offensichtliche Unmöglichkeit, ein „Wir Frauen“ zu formulieren, wie es größere Teile vergangener Generationen von Feminist*innen noch unbefangener taten. In Auseinandersetzung mit Differenz solle versucht werden, „etwas wie Solidarität wieder in die feministischen Scheinwerfer der individualistischen Bühnen des 21. Jahrhunderts zu bringen.“ Wer Solidarität mit „etwas wie“ einleitet und „wieder“ sucht, verweist auf ein Ideal, das in der Vergangenheit vermutet wird. Der Begriff der Schwesterlichkeit, der mich zunächst an inzwischen historische Debatten um eine „global sisterhood“ erinnert, wird vorgeschlagen, um sich diesem Ideal zu nähern und es zu aktualisieren. So fragen sie nach der Möglichkeit für „ein politisch motiviertes Re-Enactment […] Vielleicht, wird es ja bald (wieder) möglich sein, ein gemeinsames Stück zu schreiben und aufzuführen …“

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Żadna kolejna miłostka – Orgasmus statt Kochen

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von Marta Płusa

Marta jest polska blogerka i autorka (seks i inne choroby cywilizacyjne; 2015). Jako pewna siebie i zdecydowana feministka i aktywistka nie wytrzymała w swojej ojczyźnie i zadecydowała kilka miesięcy temu wyemigrować.

 

Jestem kobietą, feministką i Polką. A także blogerką. Mój blog nazywa się „Żadna kolejna miłostka” (facebook here) i oznacza to, żeby kobiety nie skupiały się za wszelką cenę na znalezieniu mężczyzny, tylko po to, aby go mieć, ponieważ – wbrew temu, co nam się wmawia – nie to jest najważniejszą rzeczą w życiu. Ale – między innymi – najpierw miłość do samej siebie. Mówię na moim blogu „Orgazm zamiast gotowania”, czyli tłumaczę, że namawiam kobiety do tego, aby mentalnie wyszły z kuchni, a zaczęły cieszyć się sobą, swoją seksualnością i przestały się bać, że dążąc do swoich potrzeb – życiowych, uczuciowych, zawodowych czy seksualnych – staną się mniej wartościowe jako kobiety. Ponieważ za długo kobietom wmawiano, nam Polkom, że kobieca rola życiowa to urodzenie dziecka i poświęcenie, a każda, która dąży w życiu do czegoś innego, jest kobietą gorszego rodzaju. Za długo wmawiano nam, Polkom, że kobieta, która ma takie same potrzeby seksualne jak mężczyzna, jest kimś gorszym.

Dlatego zaczęłam mieć dość. Ta mentalność w Polsce zaczęła mnie uwierać. Co jest smutne, ponieważ mamy pełno świetnych, inteligentnych i wykształconych Polek.

Gdy piszę na swoim blogu o seksie lub gdy jakiś mężczyzna usłyszy lub przeczyta moją książkę „Seks i inne choroby cywilizacyjne”, pyta mnie, czy jestem nimfomanką. Że niby kobieta, która mówi w sposób naturalny o seksie, jest chora. Że niby kobiety rozmawiają głównie o ciuchach, malowaniu się i gotowaniu? Ach, no i zapomniałabym: że niby każda dąży do ślubu i znalezieniu mężczyzny, bo to jej cel życiowy?

W Polsce miałam dość. Dość tego, że głównie mężczyźni są w rządzie i że mężczyźni chcą decydować o życiu kobiet. Żyjemy w Unii Europejskiej i wstydzę się, kiedy wiem, że cały świat patrzy na Polskę jak na kraj z „trzeciego świata”. Wstydzę się, kiedy kobiety muszą wychodzić na ulicę i mówić, że chcą żyć. Ponieważ politycy chcą zadowolić księży w naszym kraju. Politycy chcą wprowadzić prawo, które zakazywałoby kobietom usuwania ciąży nawet, jeśli ta zagrażałaby ich zdrowiu, a nawet życiu. Politycy chcą wprowadzić prawo, żeby kobiety rodziły zdeformowane dzieci, ponieważ Kościół katolicki tak nakazuje politykom; Kościół katolicki, czyli instytucja panów w Polsce, która tak bardzo nienawidzi kobiet. Bo jak inaczej nazwać to, co robią? Miłością? Troską?

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Miałam dość tego, że w Polsce panowie, którzy nigdy nie zostaną postawieni przed tak traumatyczną decyzją – „Urodzić i umrzeć? Czy urodzić upośledzone dziecko, aby cierpiało przez parę naście godzin?” – chcą za nas decydować. Mam dość tego, że w Polsce osoby publiczne płci męskiej kobiety, które po prostu chcą mieć prawo wyboru w kwestii swojego życia, nazywają je „kobietami”. Większym wstydem w Polsce, według zbyt dużej części społeczeństwa, jest bycie feministką, niż bycie wulgarnym chamem. Mam dość tego, że w ’91 r. zebrali się mężczyźni, żeby ustalić sami prawo aborcyjne, bez kobiet, i nazwali to „kompromisem”, ustalając, że kobiety muszą rodzić. „Czarny Protest”, który miał miejsce w październiku był przejawem feminizmu – to jest właśnie feminizm i mam dość tego, że wmawia się nam, kobietom, nadal w XXI wieku, że feminizm jest zbędny. Że jest wręcz powodem do wstydu.

Miałam dość tego, że wstyd to nieodłączny element kultury i wychowania w Polsce, bo za pomocą wstydu dyscyplinuje się dziewczynki. To dziewczynkom mówi się: „Nie krzycz, nie biegaj, nie kłóć się, nie bądź taka krnąbrna, nie bądź taka pyskata”, choć nikt nie powie tego samego chłopcom – ich wręcz zachęca się do tego, aby byli przebojowi, podczas gdy dziewczynki uczy się bierności i uległości.

Miałam dość tego, że idąc po ulicy w shortach latem, niektórzy panowie myślą, że dostają w ten sposób pozwolenie na ciumkanie, gwizdanie i zaczepianie. „To po co tak się ubierasz?”, dziwią się. Ubieram się, bo jest lato, bo nie żyję w kraju, w którym wg prawa muszę się zakrywać, bo shorty i spódniczka nie są powodem do molestowania. Bo chcę. Bo jestem kobietą i nie będę ukrywała swojej seksualności. Mamy być seksowne, ale nie seksualne. My, kobiety, mamy podobać się w Polsce mężczyznom, ale kiedy zaczynamy mówić o swoich potrzebach seksualnych czy życiowych, to stajemy się mniej wartościowe – zawstydza się nas wyzywając od gorszych.

A ja jestem Polką, feministką i nie będę siedziała cicho. Co pokazały miliony kobiet podczas „Czarnego Protestu”, że nam nie wchodzi się na głowę.

 

+++ Deutsche Übersetzung von Hanna Gras +++

 

Marta ist polnische Bloggerin und Schriftstellerin (seks i inne choroby cywilizacyjne; 2015; zu dt. „Sex und andere Civilisatzionkrankheiten“). Als selbstbewusste und sexuell selbstbestimmte Feministin und Aktivistin hielt sie es in ihrer Heimat nicht mehr aus und entschloss sich vor ein paar Monaten, ihre Heimat zu verlassen.

Ich bin eine Frau, eine Feministin und Polin. Außerdem bin ich Bloggerin. Mein Blog heißt „Żadna kolejna miłostka” (dt. „Keine weitere Liebschaft“) (facebook here) und handelt davon, dass Frauen sich nicht um jeden Preis darauf konzentrieren sollten, einen Mann zu finden, nur um ihn zu haben. Denn – im Gegensatz zu dem, was uns eingeredet wird, ist das nicht die wichtigste Sache der Welt, sondern unter anderem die Liebe zu uns selbst. Auf meinem Blog steht „Orgasmus statt Kochen“, das heißt ich ermutige Frauen dazu, mental aus der Küche herauszukommen und anzufangen sich ihrer selbst und ihrer Sexualität zu erfreuen und aufzuhören Angst darum zu haben, an Wert zu verlieren, wenn sie ihre Bedürfnisse was ihr Leben, ihre Gefühle, ihren Beruf oder ihre Sexualität angeht befriedigen. Denn zu lange wurde Frauen – uns Polinnen – eingeredet, dass die Lebensaufgabe der Frau darin besteht, ein Kind zu bekommen und sich aufzuopfern und jede, die ein anderes Ziel anstrebt, minderwertig ist. Zu lange wurde uns Polinnen eingeredet, dass Frauen, die die gleichen sexuellen Bedürfnisse wie Männer haben, schlechter sind.

Deswegen hatte ich genug. Diese Mentalität in Polen hat angefangen, mich zu bedrücken. Was traurig ist, da wir viele tolle intelligente und gebildete Polinnen haben.

Wenn ich auf meinem Blog über Sex schreibe oder wenn irgendein Mann von meinem Buch „Sex und andere Zivilisationskrankheiten“ hört oder es liest, fragt er mich, ob ich eine Nymphomanin bin. Angeblich ist eine Frau, die selbstverständlich über Sex spricht, krank. Angeblich reden Frauen hauptsächlich über Klamotten, Schminke und übers Kochen. Ach, und fast hätte ich es vergessen: Angeblich will jede heiraten und einen Mann finden, denn das ist ihr Lebensziel.14424768_1267246736643235_1248607484255523317_o

In Polen hatte ich genug. Genug davon, dass Männer an der Macht sind und, dass Männer über das Leben von Frauen entscheiden wollen. Wir leben in der Europäischen Union und ich schäme mich, wenn ich sehe, dass die ganze Welt Polen als „Dritte-Welt-Land“ ansieht. Ich schäme mich, wenn Frauen auf die Straße gehen müssen und sage müssen, dass sie leben wollen. Denn die Politiker wollen die Priester in unserem Land zufriedenstellen. Die Politiker wollen ein Gesetz einführen, das Frauen eine Abtreibung sogar dann verbietet, wenn die Schwangerschaft ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben bedroht. Die Politiker wollen ein Gesetz einführen, damit Frauen deformierte Kinder zur Welt bringen, denn die katholische Kirche befiehlt es ihnen; die katholische Kirche, der Herrenverein in Polen, der Frauen so sehr hasst. Denn wie sonst sollte das, was sie machen genannt, werden? Liebe? Sorge?

Ich hatte genug davon, dass in Polen Männer, die niemals vor so eine traumatische Entscheidung gestellt werden – „Zur Welt kommen, um zu sterben? Sollte ein behindertes Kind geboren werden, nur um ein paar Stunden zu leiden?“ – für uns entscheiden. Ich habe genug davon, dass öffentliche Personen männlichen Geschlechts in Polen Frauen, die einfach das Recht auf Selbstbestimmung des eigenen Lebens haben wollen, „Weibsbilder“ nennen. Eine noch größere Schande als ein vulgäres Arschloch zu sein, ist es, laut eines recht großen Teils der polnischen Gesellschaft, eine Feministin zu sein. Ich habe genug davon, dass im Jahr 1991 Männer zusammenkamen, um ein Abtreibungsgesetz ohne Frauen einzuführen und es einen „Kompromiss“ nannten, dass Frauen gebären müssen. Der „schwarze Protest“, der im Oktober stattgefunden hat, war ein Ausdruck von Feminismus – genau das ist Feminismus und ich habe genug davon, dass uns noch im 21. Jahrhundert eingeredet wird, dass Feminismus überflüssig sei. Dass er ein Grund zur Scham ist.

Ich hatte genug davon, dass Scham ein unumgänglicher Teil der Kultur und der Erziehung in Polen ist, denn mit Hilfe von Scham werden Mädchen diszipliniert. Mädchen wird gesagt: „Schrei nicht, renn nicht, streite dich nicht, sei nicht so trotzig, sei nicht so frech“, obwohl niemand so etwas zu einem Jungen sagen würde. Im Gegenteil – sie werden dazu ermutigt, wagemutig zu sein, während Mädchen Passivität und Fügsamkeit beigebracht wird.

Ich habe genug davon dass, wenn ich im Sommer in Shorts herumlaufe, manche Männer denken, dadurch die Erlaubnis zu haben, mit der Zunge zu schnalzen, zu pfeifen und zu belästigen. „Warum ziehst du dich dann so an?“, wundern sie sich. Ich ziehe mich so an, weil Sommer ist und weil ich in keinem Land lebe, dessen Gesetze mir befehlen, mich zu bedecken und, weil Shorts oder Röcke kein Grund zur Belästigung sind. Weil ich es will. Weil ich eine Frau bin und meine Sexualität nicht verhüllen werde. Wir sollen sexy sein, aber nicht sexuell aufgeklärt. Wir Frauen sollen in Polen Männern gefallen, aber wenn wir anfangen, von unseren sexuellen Bedürfnissen zu sprechen, sind wir weniger wert – wir werden beschämt und für schlechter gehalten.

Denn ich bin Polin, Feministin und werde nicht still sein. Millionen von Frauen haben beim „Schwarzen Protest“ gezeigt, dass man uns nicht auf der Nase herumtanzen kann.

Zwei Streifen – Zwei Seiten

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  von d.cz.

Es war April 2015.
Zwei  Streifen zeigte mir der Test an.
Zwei Streifen, noch nach drei Minuten.
Das bedeutetet: ich bin schwanger.
Zwei Streifen die in Sekunden zwei Emotionen in mir auslösten. Freude über das neue Leben in mir und die Angst um meine Zukunft, die nicht nur meine war.
Ich arbeitete zu der Zeit für einen evangelischen Träger als Inklusionshelferin und begleitete ein 9-jähriges Mädchen seit zwei Jahren in ihrem Schulalltag. Bindungsstörung und ADHS war ihre Diagnose. Meine Arbeit machte mir nicht nur Spaß, sie erfüllte mich auch. Wir hatten große Fortschritte gemacht. Sie hatte Freundschaften geschlossen, hatte Selbstbewusstsein und positive Erfahrungen mit Lehrern gemacht, was sie sehr stärkte. Ich war so ehrlich und informierte meine Koordinatorin über meine Schwangerschaft was ein großes Risiko für mich bedeutet, denn mein Vertrag ging nur bis Anfang der Sommerferien. Nach den Ferien würde ich einen neuen Vertrag bekommen. für die kleine stand ein großer Schritt an, der Schulwechsel auf die weiterführende Schule. Sie hatte große Angst vor den ‚fremden‘ Kindern und Lehrern.

Man machte mir ein Angebot.Continue reading Zwei Streifen – Zwei Seiten

Eine Antwort auf Stein und Stroh

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von ila

Kurz vor Weihnachten publizierte die Welt den Artikel „Das Schreckensmärchen von der Vergewaltigungskultur“, der mit Bezug auf Camille Paglia die Problematik des enormen Ausmaßes an sexualisierter Gewalt in westlichen Gesellschaften wie in den USA leugnet. Beeindruckend ist dabei, wie fehlerhaft die Argumentation entfaltet wird – so fehlerhaft, dass misstrauisch gemutmaßt werden könnte, es handle sich schlicht um Propaganda, die eben gar nicht logisch sauber argumentiert sein will.

Aufgezogen an einer Umfrage an amerikanischen Eliteuniversitäten, nach der 16 % der Studentinnen vergewaltigt wurden, diffamiert der Verfasser Hannes Stein die Zahlen mit dem Argument, dass kaum eine der Betroffenen „sich je unter einer der Telefonnummern gemeldet hat, die extra für vergewaltigte Frauen eingerichtet wurden; geschweige denn, dass sie bei der Polizei Anzeige erstattet hätte.“ Der daraus entstandene Hashtag #whyIsaidnothing entlarvte diese Argumentationsweise bereits als zu kurz gedachten Fehlschluss, der entweder von purer Ignoranz oder schlechter Recherche und mangelndem Hintergrundwissen zeugt: Stein klammert hier die ganze psychische Dimension von sexualisierten Gewalterfahrungen aus. Wäre der Artikel fundiert geschrieben, wären die Mechanismen von Traumatisierungen und damit einhergehenden Gefühlen von Scham und Starre berücksichtigt worden.

Aber auch Camille Paglia begeht einige logische Fehler, die Hannes Stein unreflektiert zitiert:

Sie plädiert für Handlungsmacht statt „opferzentrierter Rhetorik“ und verkennt dabei, dass sich beides nicht ausschließt, sondern im Gegenteil Betroffene von sexualisierter Gewalt Handlungsmacht zurück gewinnen können, indem sie über ihre Erfahrungen sprechen. Das bietet eine Chance aus dem Opfermodus auszutreten und für sich und die eigenen Rechte einzustehen. Auch eine Verarbeitung von Missbrauchserfahrungen ist nur derjenigen möglich, die sich eingesteht, missbraucht worden zu sein. Häufig ist auch die Anerkennung der eigenen Leiderfahrung von außen wichtig, um diese bewältigen zu können. Indem Paglia das „Gerede von einer „Kultur der Vergewaltigung“ lachhaft“ nennt und damit die Leiderfahrungen unzähliger Frauen diffamiert, senkt sie die Handlungsmacht anderer Frauen.

Diesen Fehlschluss könnte man auf schlichtes Unvermögen zurückführen, oder aber auf einen ziemlich egoistischen, rücksichtslosen und kurzsichtigen Vermeidungsmechanismus: Weil es viel bequemer ist, keine Probleme zu sehen, sieht man eben einfach weg. Weil es zu schmerzhaft ist, sich mit solchen Themen zu konfrontieren, werden diese einfach ins Lächerliche gezogen. Weil der Umstand der extrem verbreiteten Täterschaft zu bedrohlich ist, leugnet man ihn. Über diesen psychischen Mechanismus kann Frau Paglia sich dann weiterhin handlungsfähig fühlen- wohlgemerkt: Fühlen!

Es hat nur leider weitreichende Konsequenzen, wenn Personen wie Paglia öffentlichkeitswirksam ihren persönlichen (Nicht-)Umgang mit diesem Thema breittreten: Paglia trägt dazu bei, sexualisierte Gewalt zu verharmlosen, Betroffenen den Mund zu verbieten und ihnen Unterstützung zu verwehren. Sie schafft einen idealen Boden für weitere sexuelle Übergriffe.

Neben dieser psychischen Bedürftigkeit, diesem nicht-aushalten-können-von-schmerzhaftem tritt noch etwas offen zutage, das manche Stutenbissigkeit nennen: Eine Frau wertet andere Frauen ab, um sich selbst ein bisschen besser zu fühlen. Sie wertet den Ausdruck der Vergewaltigungskultur als „geschwätzige Propaganda“ ab und will stattdessen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Warum sie das nicht einfach tut, ohne anderen Frauen ihre feministischen Interessen abzusprechen, erklärt sie nicht.

Erneut begeht sie einen fundamentalen logischen Fehler: Diese beiden Themen feministischer Arbeit schließen sich nicht aus, sie haben erst mal nichts miteinander zu tun, sie sind beide wichtig.

Allerdings muss man von einer Person, die meint, es sei eine Voraussetzung „die lümmelhaften Vergnügungen und Gefahren von Männerpartys auf Universitäten zu meistern“ (d.h. in diesem Fall sich Vergewaltigungen zu erwehren), um „in Zukunft Führungspositionen in Politik und Wirtschaft zu erringen“, auch nicht mehr erwarten.

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