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Mansplaining // Feminismus im Pott zu Gast bei Frau TV

Mansplaining // Feminismus im Pott zu Gast bei Frau TV published on 1 Kommentar zu Mansplaining // Feminismus im Pott zu Gast bei Frau TV

von Lilli Boheme

Männer erklären die Welt – Frauen sollen zuhören

Mansplaining
Bild: wdr.de

Wie ihr vielleicht (durch unsere dezente Eigenwerbung) mitbekommen habt, war Laura am vergangenen Donnerstag bei Frau TV zu sehen*. Franziska und ihr Team haben sie dafür auf dem Campus der Ruhr-Uni-Bochum zum Thema Mansplaining interviewt. Das war eine ziemlich aufregende Sache für uns, denn es war unser erster Fernsehauftritt. Leider konnten natürlich nicht alle Antworten von Laura in den Beitrag einfließen und daher möchten wir euch an dieser Stelle nochmal das gesamte Interview zu lesen geben:

Mansplaining – was ist das eigentlich?

Mansplaining ist für mich ein strukturelles Problem. Dahinter verbirgt sich ein herabsetzendes Verhalten – Männer unterbrechen und belehren Frauen. Männer erklären die Welt – Frauen sollen zuhören.

 

Ist Dir das selbst schon passiert?

Mir ist das schon oft in unterschiedlichen Kontexten passiert und ich hab‘ mir dann gedacht, was ein Besserwisser. Aber das trifft es nicht, denn in den wenigsten Fällen wussten sie dann wirklich mehr als ich. Und selbst wenn, ist dieses Verhalten nicht konstruktiv, denn es ist nicht auf Augenhöhe. So entsteht das Gefühl, als ob manche Männer das Wissen monopolisieren – und das egal bei welchem Thema. Erst kürzlich wollte uns auf unserem Blog jemand erklären, warum Feminismus eben nicht nur Frauensache ist. Da war ich doch etwas überrascht.

Meiner Meinung nach ist Mansplaining ein strukturelles Problem.

 

Jetzt gibt es dem Begriff Mansplaining: brauchen wir dafür überhaupt einen Begriff?

Ja, den brauchen wir weil der Begriff ein Verhalten sichtbar macht, das in diesem, strukturellen Ausmaß nun mal nicht eins zu eins bei Frauen vorkommt. Aber das heißt nicht, dass sich Kommunikation nicht ändern kann. Denn ich denke, dieses Verhalten ist einer Sache der Sozialisation und kein Naturgesetz.

 

Gibt es vielleicht Unterschiede in den Generationen?

Nö, das denke ich nicht. Für mich ist das eine Sache der Sozialisation und solange Jungs beim Vater sehen, dass Männer alle anderen Menschen die Welt erklären, wird das auch so bleiben. Im Freund*innenkreis, der Uni, auf der Arbeit, in der Familie.

Mansplaining Statue Twitter
Bild: Twitter

 

Welche Auswirkungen hat das mainsplaining? Ist das wirklich ein Problem oder wird da nur was „hochgekocht“?

Es mag sein, dass manche Frauen, den Begriff in die Runde werfen um die Diskussion abzuwiegeln, aber ich denke, die Diskussion ist genauso berechtigt, wie #aufschrei – nur in einem anderen, vielleicht im ersten Moment nicht so bedrohlich wirkenden Bereich. Aber wenn du ständig unterbrochen und belehrt wirst und niemand außer dir daran Anstoß nimmt, was tust du dann? Entweder du wehrst dich und wirst die Zicke oder du hältst dich immer mehr zurück und nimmst nicht mehr an wichtigen Entscheidungsprozessen oder einfach Diskussionen teil. Wenn Frauen keine gleichberechtigten Geschäfts- und Gesprächspartnerinnen sind, was dieses nun mal Verhalten ausdrückt, kommt das einer gesellschaftlichen Abwertung der Frau gleich. Aber ich glaube, nicht nur Frauen sind davon betroffen, sondern auch besonders die Menschen, die sich nicht dem heterosexuellen Mann-Frau Schema unterwerfen wollen und generell Mehrfachdiskriminierung ausgesetzt sind (hier nicht zu vergessen: Whitesplaining).

 

Und was können Frauen und Männer dagegen tun? Wie können wir das Mansplaining unterbinden? Wie darauf reagieren?

Männer können ihr Verhalten beobachten und wenn sie merken, dass sie doch recht viel unterbrechen und belehren, sich einfach mal zurücknehmen und sich mehr auf ihr Gegenüber konzentrieren. Die Menschen, die von Mainsplaining betroffen sind, sollten versuchen, das Verhalten sichtbar zu machen, aber ih weiß, dass ich nicht leicht, besonders wenn einem niemand zur Seite steht. Daher ist es wichtig, dass Menschen, die Mansplaining beobachten, die betroffenen Personen unterstützen, denn alleine gegen strukturelle Diskriminierung zu kämpfen, ist leider fast unmöglich.

 

Die Diskussion

Spätestens seit dem viral werden des Videos des us-amerikanischen Nachrichtensenders CNN, indem ein Mann der Moderatorin Fredricka Whitfield und der Comedian Amanda Seales erklären will, warum Catcalling okay sei, ist der Begriff Mansplaining in vieler Munde und Menschen tauschen sich rege in den sozialen Netzwerken über ihre Erfahrungen aus. Unter dem Titel „Academic Men explain things to me“ eröffnet sich auf Tumblr eine facettereiche Sammlung von Situationen, die das Gefühl entstehen lassen: Mansplaining passiert. Ständig. Überall. Auch die Rückmeldungen auf der Frau TV Facebook-Seite unterscheiden sich nicht von anderen Stimmen aus dem WWW. Die Mehrheit der User*innen stimmt den Aussagen zu. Vereinzelte Stimmen beteuern, dass ihnen so etwas noch nie passiert ist. Das erinnert mich an die (von mir als solche gelesen) Frauen, die vehement behaupten, dass sie die Konsequenzen unserer sexistischen Gesellschaft noch nie zu spüren bekommen haben. Diese Situation ist für mich ein Dilemma, da ich einerseits den Personen nicht ihre (nichtgemachten) Erfahrungen absprechen will, aber andererseits durch solche Aussagen, die Diskussion erschwert wird. Wenn einige das Verhalten nicht erleben, heißt es nicht, dass es für den Rest, der es erlebt irrelevant wird. Ich frage mich immer, was mit solchen Ausagen erreicht werden soll. Meine Antwort wäre aber nur Spekulation. Andere User*innen schreiben wiederum, dass sie in ihrem Alltag ein solches Verhalten weitesgehend ignorieren oder zum Angriff ansetzen. Im individuellen Umgang sind das für mich sehr nachvollziehbare Reaktionen, aber im großen Ganzen denke ich, wird sich dadurch nichts an der Kommunikation ändern.

Was meint ihr?
Wie geht mensch mit Mansplainern um?
Wir erreichen wir Kommunikation auf Augenhöhe?

*Auf der Frau TV Website wurde die Verlinkung von Mansplaining mit Brief an meine Mutter vertauscht.

 

1 Kommentar

Mich würde interessieren, ob es irgendwelche Untersuchungen oder Statistiken gibt, die darauf schließen lassen, dass ‚Mansplaining‘ wirklich ein ‚gegendertes‘ Phänomen ist. Erwähnungen von diesem Begriff setzen eigentlich immer als erwiesen vorraus, dass A überwiegend Männer ‚mansplainen‘ und B die Frau in diesen Fällen generell das ‚Opfer‘ ist. Allerdings suche ich noch nach einer verlässlichen Quelle – Anekdoten zählen nicht – die etwas derartiges aufzeigt.

Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass derartige Mindsets durchaus noch bei einigen vorhanden sind, gerade wenn es um Themen geht, in denen traditionell bei einem Geschlecht größere Kompetenz angenommen wird. Dies würde sich dann aber möglicherweise auch in der Gegenrichtung abzeichnen – zum Beispiel durch Frauen, die die Kompetenz eines Vaters im Umgang mit Kindern oder im Haushalt nicht ernst nehmen.

Was mich persönlich recht ärgert ist die recht verbreitete Methode, durch die ‚Mansplaining‘-Rhetorik ansonsten eigentlich legitime und in anständiger Manier vorgebrachte Kritik – auf Grund des Geschlechts des Debattanten – abzuschmettern, ohne sich inhaltlich damit auseinandersetzen zu müssen. Dieses Verhalten ist eine Form von offenem Sexismus und man sollte sich bemühen, derartiges nicht zu tolerieren und sich ggf. offen dagegen auszusprechen, um die eigene Glaubwürdigkeit in der Sexismusdebatte zu erhalten.

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