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#rottenfruits

#rottenfruits published on 3 Kommentare zu #rottenfruits

von Michaela Westerhoff

 

 Die Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland schreibt auf ihrer Internetseite:

Alltagsrassismus ist nicht immer leicht zu erkennen. Er kann sich deutlich in Form von rassistischen Beleidigungen und herabwürdigenden Handlungen zeigen, doch erscheint er auch ganz subtil. In vielen Witzen und unbewusst geäußerten Vorurteilen, aber auch im – bewussten – „Übersehen“ und Nicht-Beachten von Menschen of Color kommt Alltagsrassismus zum Vorschein. Dass Vorurteile oft unbewusst und unbedacht geäußert werden, bedeutet nicht, dass sie harmlos wären.

Wie gehen wir also mit Alltagsrassismus in Werbung um? Ich stolperte auf Facebook über Werbung der Firma „truefruits GmbH“ und musste schmerzlich feststellen, dass einer meiner früheren Lieblingsunternehmen sich diskriminierender Sprache bedient:

schwarzer1

Eine Kampagne zur Vermarktung der neuen schwarzen Verpackung einer ihrer Sorten, welche offensichtlich auf das Klischee des „Quotenschwarzen“ in der Popkultur anspielt. Dieses Klischee zu entlehnen und auf ein Produkt anzuwenden ist eine Reproduktion von Vorurteilen zu Marketingzwecken und gehört deshalb in die Kategorie „Alltagsrassismus“. Zuerst dachte ich, das Unternehmen wäre sich naiverweise dem rassistischen Unterton nicht bewusst. Ich konfrontierte „truefruits“ und kritisierte ihre Werbung in einer Nachricht, worauf sie mir ihre Absichten zu erklären versuchten:
Wir spielen mit Klischees, um den Betrachter zum [D]enken anzuregen. Dafür benutzen wir oftmals Ironie oder schocken ganz einfach. […] Aber nur mit polarisierenden Statements, die wachrütteln und anstoßen kriegen wir die Leute in Ihrer Aufmerksamkeit und spiegeln ein wenig was in unserer Gesellschaft vor uns geht. Jetzt mag man über unseren Weg streiten, wir finden ihn richtig.“.
Die meisten Leser der Beiträge applaudierten jedoch nur der „political in-correctness“ des Slogans und einige Aussagen zeugten mehr von einer Bestätigung in der rassistischen Weltansicht des jeweiligen Verfassers als von einer differenzierten Reflektion über die Thematik. Verstanden die Leser demnach nicht die Intention von „truefruits“ oder bediente sich die Firma schlichtweg rassistischer rhetorischer Mittel? Ich versuchte in meiner Nachricht an das Unternehmen zu veranschaulichen, dass in der Mehrheit der Kommentare keine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus zu erkennen war, ganz im Gegenteil…doch mit Kritik scheint „truefruits“ nicht gut umgehen zu können:

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© truefruits GmbH
Mit dem Untertitel: „Und jetzt? Rassismus entsteht in deinem Kopf.

Alles nur Flaschen bei truefruits […] nichtgleichschwarzaergern“.

Ich bin noch immer perplex, wie selbstverständlich „truefruits GmbH“ meine Kritik und die von anderen Menschen hiermit ausnutzte, um noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren und erneut die Werbetrommel zu rühren. Das Unternehmen ist sich demnach sehr wohl bewusst, wie ihre Werbung wirkt und sie wollen sich zu keiner Schuld bekennen! Man beachte den Untertitel zur bearbeiteten Version: „Rassismus entsteht in deinem Kopf“. Wollen sie mir damit sagen, dass ich Rassismus erst konstruiere, indem ich in ihren „Witz“ etwas Rassistisches reininterpretiere? Wollen sie mir damit sagen, dass Worte bloß Worte seien und ich nur absichtlich nach etwas Anstößigem suchen müsse, um auch etwas zu finden? Demzufolge soll ich mich also nicht aufregen, weil sie eigentlich nichts Diskriminierendes sagen, richtig? Wenn man sich die Kommentare von „truefruits“ selbst auf ihrer Seite durchliest, erkennt man eindeutig, dass sie die Verantwortung über die Wirkung ihrer Wortwahl nicht bei sich selbst sehen. Diese Verantwortung abzugeben, sich aber gleichzeitig gesellschaftskritisch zu präsentieren ist paradox, denn die Reproduktion von Vourteilen fördert nur noch mehr Ignoranz. Diskriminierung bleibt nämlich Diskriminierung, auch in einem vermeintlich sarkastischen Kostüm der angeblichen „Satire“.

Dieser Vorfall hier ist leider kein Einzelfall auf der Facebook Seite der Firma, denn Lookismus und Sexismus gehört ebenfalls zu ihren Werbeinhalten. Ich gönne diesem Unternehmen ihre durchaus positive Resonanz deshalb nicht und tue ihnen nicht den Gefallen, weiterhin von mir zu profitieren.

Ich toleriere keinen Alltagsrassismus in der Werbung. #rottenfruits!

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Nachrichten-Dialog zwischen Michaela und truefruits:

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3 Kommentare

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