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15 feministische Momente der Star Wars Galaxie

15 feministische Momente der Star Wars Galaxie published on 1 Kommentar zu 15 feministische Momente der Star Wars Galaxie

von MsWookie

Wenn heute Abend „Rogue One – A Star Wars Story“ in den meisten deutschsprachigen Kinos anläuft, werde ich glückselig mit Popcorn und Bier im Kino meiner Wahl sitzen und gespannt darauf warten, ob der Film mit der klassischen Star Wars-Intro-Melodie eröffnet wird, denn Rogue One ist ‚nur‘ eine Star Wars Geschichte, aber keine neue Episode. Ob das legendäre „Daa daa, dadada daa daa…“ tatsächlich nur Episoden vorbehalten ist, wird mensch also erst dann erfahren, wenn die Geschichte der Rebell*innen, welche die Pläne des ersten Todessterns klauten (Fans wissen: it was so nice, they built it twice!), auf den Kinoleinwänden aufflackert.

Star Wars steht aber nicht nur für hervorragendes Nerd*innenkino über den Kampf Gut gegen Böse, sondern liefert auch einige feministische Highlights. Sicherlich sind viele Storylines heteronormativ und hinken in Sachen Vielfalt immer noch hinterher – dennoch, auch gerade im Entstehungskontext, steht Star Wars für starke Frauenrollen. Auch für den neuen Film kündigt sich ein weiteres Role Model an: Jyn Erso, die mysteriöse Protagonistin.

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Um euch auf das Weltraummärchen Lust zu machen, gibt es nun meine 15 feministischen Lieblingsmomente:

1. Prinzessin Leia flimmerte 1977 zum ersten Mal über die Kinoleinwände. In einer Zeit in der Frauen* in Action oder Science Fiction meist nur eine sexy Sidekick-Rolle zukam, war Leia – zugegeben ziemlich normschön – eine der Anführer*innen der Rebellion, weshalb sie sich nicht scheute, auch Männern* und männlich konnotierten Wesen, z.B. Chewbacca, Befehle zu erteilen oder mit einem Blaster gegen das Imperium zu kämpfen.

2. Als Leia in Episode IV gefangen genommen wird, versteckt sie einen Hilferuf in R2D2, den sie mit einer Rettungskapsel vom Schiff absetzt. Ihr größtes Ziel ist es immer noch den alten Jedi Obi-Wan Kenobi zu erreichen, nicht gerettet zu werden. Zwar könnte man ihre Befreiung oder „Rettung“ durch Luke Skywalker, Han Solo und Chewbacca als klassische „Prinzessin muss gerettet werden“- Erzählung deuten, doch sobald sie aus ihrer Zelle befreit ist, übernimmt sie den Blaster und das Kommando, da die männlichen Protagonisten plötzlich sehr überfordert wirken. Luke oder Han als rettende Prinzen zu feiern, kommt ihr gar nicht in den Sinn.

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3. Kurz bevor Leia befreit – nicht gerettet! – wird, versucht Großmoff Tarkin den geheimen Stützpunkt der Rebellion zu erpressen, indem er droht, den Todesstern an ihrem Heimatplaneten Alderaan zu testen. Leia gibt diesen Ort jedoch nicht preis, sondern nennt ein falsches Sternensystem. Als ihr Betrug entdeckt wird, wird Alderaan vor ihren Augen zerstört. Auch hier wird Leia mit nicht-stereotypen weiblichen Attributen beschrieben. Sie lässt sich nicht mit Familie und Heimat erpressen, sondern stellt die Rebellion über ihr persönliches Befinden. Solche „Heldengeschichten“ kenn man sonst nur von Männern*, oder?

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4. Die Romanze zwischen Leia und Han Solo, dem als machohaft und raubeinig inszenierten Schmuggler, der vom Kleinganoven zum Helden der Rebellion wird, kann man in vielen Aspekten als ziemlich heteronormativ bewerten. Auch, dass sich die (in Episode IV und V) spürbare Nähe zu Luke, der sie anders als Han eher anhimmelt anstatt machohaft zu begehren, als Geschwisterbeziehung auflöst, ist typisch Hollywood. Trotzdem wirkt Leia nie hilflos oder abhängig. Der ikonische Dialog „Ich liebe dich!“ – „Ich weiß!“, der übrigens nicht im Drehbuch stand, sondern von Harrison Ford spontan eingeworfen wurde und von Machtgefälle und Machismo nur so strotzt, wird in Episode VI gedreht. Mitten im Kampf gegen eine Übermacht von Sturmtruppen auf Endor (ja, da wo die süßen Ewoks leben!), kommt es dem völlig verwirrten Han, als Leia eine List gelingt, in den Sinn: „Ich liebe dich!“ zu sagen. Ihr könnt euch denken, was die Bad Ass Princess antwortet.

5. Um Han zu retten, begibt sich Leia, verkleidet als Kopfgeldjäger, in die „Höhle des Löwen“, bzw. in die Burg des Jabbas. Jabba the Hut ist eine fette, stinkende Kröte, Weltraumganove und zufällig der Gläubiger von Han, weshalb er diesen als Beute an sich nimmt (echte Fans wissen warum, Newbies möchte ich nicht spoilern!). Jabba entdeckt Leia, steckt sie in einen winzigen Metallbikini und hält sie an einer schweren Kette als Eyecandy gefangen. In vielen Kreisen gilt „Slave Leia“ seitdem als Sexobjekt, der Bikini führte zu ihrer Objektifizierung. Aber eigentlich steckt in dieser Handlung eine ziemlich empowernde Message: Als die Protagonist*innen Han gemeinsam befreien – okay, in seinem Fall wirklich retten – können, befreit sich Leia von Jabba, indem sie ihn mit der von ihm angebrachten Kette erdrosselt. Die Fesseln des neoliberalen, kapitalistischen Patriarchats dazu zu nutzen, dieses zu erledigen, finde ich ein großartiges, wenn auch etwas militantes Bild.

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6. Fans wissen es: Leia und Luke Skywalker sind Zwillinge und die Kinder von Darth Vader (und Padme Amidala, die in der neueren Trilogie auftaucht). Auch wenn die gesamte Familiengeschichte der Skywalkers, das was Star Wars eigentlich darstellt, sich vordergründig um den Konflikt zwischen dem jungen, machtbegabten Jedi Luke und seinem zur dunklen Seite der Macht verführten Vater dreht, ist die wirklich toughe Person eigentlich Leia. Während Luke mehrfach den Ruf der dunklen Seite spürt, oft zerrissen und unsicher ist, gilt Leia als Stütze der Rebellion und als Ratgeberin für ihren Bruder. Klar, lange wusste sie nicht, dass sie ebenfalls eine Skywalker ist, aber… dazu mehr, wenn es um den neuen Film geht.

7. Wie angesprochen dreht sich die Trilogie aus den 2000ern um den jungen Darth Vader, damals noch Anakin Skywalker, des hoffnungsvollen Jedis schlechthin und seiner geheimen Liebe zu der Politikerin Padme Amidala, die zuerst als Jugendliche Königin ihres Heimatplaneten Naboo und später dessen Senatorin ist. Ihre Geschichte spielt vor dem Untergang der Republik – und thematisiert genau diesen. Während Anakin als jähzornig, ungeduldig und egozentrisch dargestellt wird, kämpft Padme selbstlos für den Erhalt der Demokratie – wenn es sein muss auch im Gefecht. Rationales und überlegtes Verhalten zur Zielerreichung wird der weiblichen Person zugeschrieben, während Anakin verführbar und emotionsgesteuert immer mehr auf die dunkle Seite driftet.

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8. Padme, hochschwanger ohne dass jemand davon weiß, bei der Auflösung der Republik zu erleben, verschafft mir in Zeiten der Trumps und Hofers ziemliche Gänsehaut. Als – offiziell aus Sicherheitsgründen – alle Befugnisse auf den Kanzler der Republik, den späteren Imperator, übergehen, sieht man die junge Senatorin Naboos versteinert sagen: „So geht die Freiheit zugrunde – mit donnerndem Applaus.“ Das Demokratieverständnis einer Padme Amidala und ihr Glaube an das friedvolle Zusammenleben aller Systeme in der Galaxie sind inspirierend und empowernd. Auch wird sie mit Eigenschaften dargestellt, die in klassischen Blockbustern eher zur Beschreibung männlicher, älterer Charaktere verwendet werden. Dass eine junge Frau*, wenn auch eine privilegierte, als einflussreiche Politikerin dargestellt wird, ist selten und auch deshalb feierlich auf der Liste zu notieren.

9. Padmes Strahlen verliert in Episode III zunehmend an Kraft und ihr Wirken an Energie. Sie möchte bis zum Schluss nicht wahrhaben, dass sich Anakin der dunklen Seite zugewandt hat und zu Darth Vader geworden ist, dass der Mann, den sie liebt, ihre Ideale somit verrät. Sie stirbt nach der Geburt ihrer Zwillinge aus Kummer und mangelndem Lebenswillen. Die Ärzte, die sie behandeln, betonen sie sei organisch gesund. Was hieran deutlich wird, ist, dass zwar eine tragische, romantische Liebesgeschichte gezeichnet wird, wie man sie aus den triefendsten Liebesschnulzen kennt, diese aber für Padme nicht gut ausgeht. Das heteronormative Glücksrezept der Romantik kann eben nicht den Verrat ihrer politischen Ideale und ihres Lebenswerkes kitten und überwinden. Anakin zeigt früh seine Begeisterung für diktatorische Staatsformen, bietet ihr zum Schluss sogar die gemeinsame Beherrschung der Galaxie an. Vielleicht zeigen die tragische Liebesgeschichte und der Tod Padmes sogar auf traurige Art, dass auch das Politische immer Privat ist.

10.…und etwas erheiterndes als letzter Punkt zu Padme: Ihr habt erfahren, wie Padmes Charakter und Wirken gerade in den ersten beiden Episoden beschrieben wird. Gleichzeitig scheint sie einen riesigen Kleiderschrank zu besitzen, gefüllt mit den verrücktesten Modehighlights der Galaxie – was jedoch nie thematisiert wird. Sie gilt den Bewohner*innen von Naboo als Heldin und der ganzen Galaxie als politisches Vorbild. Diese Vereinbarkeit von modischer Exzentrik und gesellschaftlichem Einfluss wäre ein Fortschritt für unsere Gesellschaft. Könnten wir bitte nicht mehr über Merkels Dekolleté oder Mays Leo-Heels diskutieren, sondern nur über ihre Politik?

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11. Rey! Einfach nur Rey! Die Heldin der neusten Episode aus dem Jahr 2015 ist tatsächlich eine Frau*. Eine Frau*, die im Zentrum der Handlung steht. Eine Frau*, die bei der gemeinsamen Flucht mit einem Mann* dessen Hand ablehnt, weil sie den Sinn dieses „Beschütztwerdens“ nicht einsieht oder akzeptiert. Eine Frau*, die sich mit allen möglichen zwielichtigen Gestalten prügelt, um den kleinen niedlichen BB-8 zu beschützen (so niedlich!!!). Eine Frau*, die letztendlich das Laserschwert der Skywalker-Jungs bekommt und versucht, Luke zurück zu holen. Well, mehr wissen wir leider noch nicht über sie, aber für Jubel und Vorfreude sollte das erst mal reichen.

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12. Luke Skywalker ist verschwunden. Mittlerweile 30 Jahre später ist der ehemals letzte Jedi nun ein Meister, der wiederum einen Schüler an die dunkle Seite verloren hat. Dieser ist kein Geringerer als Ben Solo, der Sohn von Leia und Han, nun bekannt als Kylo Ren. Aus diesem Grund zog sich Luke zurück, ohne seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben. Auch deshalb zieht Han wieder als Schmuggler mit seinem ewigen Best Friend Chewie davon, während Leia das tut, „was sie am besten kann“ (Zitat Han). Richtig! In dieser ganzen Misere führt Leia nun als General Organa (einziges Manko, liebe Macher*innen: Warum nicht Generalin?) den Widerstand gegen die neue dunkle Seite, die Erste Ordnung an, zu der ihr Sohn gehört. Das ist unter zwei Gesichtspunkten spannend: Mutterschaft ist Teil von Leias Identität, aber nicht alles, was sie ausmacht. Klar geht es ihr darum, Ben zurückzuholen, dennoch handelt sie als oberste Anführerin des Widerstands nicht aus reiner Mutterliebe. Auch deuten sich mehrere Facetten der gescheiterten Liebesbeziehung zu Han an, was die multiple Identität betont. Zweitens ist Leia die einzige, die nach dem Familiendrama um Ben engagiert gegen die Erste Ordnung antritt. Der Held der ehemaligen Rebellion Han lebt sich wieder als Kleinganove aus, als sein Sohn zum Fiesling wird. Luke ergreift von Selbstvorwürfen zerfressen die Flucht. Die einzig Held*innenhafte bleibt Leia.

13. In den Originalfilmen (Episode IV-VI) sind Sturmtruppenangehörige geschlechtsloses Gefechtspersonal einer Diktatur, die sozusagen nicht einmal in die große Strukturkategorie Geschlecht eingeteilt werden. Implizit schwingt aber immer der Gedanke mit, es würde sich dabei um Männer* handeln (oder?). In der Prequel-Trilogie (I-III) erfahren wir, dass es sich einst um Klonkrieger, alle nach dem Ebenbild von Jango Fett erschaffen – richtig, das sind Bobas „Brüder“! – handelt. Die Sturmtruppen werden aus Männern* gebildet, die bis ins letzte Maß, sogar genetisch, vereinheitlicht sind. Mit Episode VII tritt nicht nur ein ehemaliger, desertierter, schwarzer Sturmtruppler, sondern auch mit Captain Phasma eine weibliche Führungskraft unter den „Bösen“ auf. Ich bin gespannt, ob wir in Episode VIII mehr von ihr sehen werden.

14. Rey erhält von der machtbegabten Maz Kanata (an dieser Stelle ein großes Herz für Lupita Nyong‘o) das Laserschwert von Luke Skywalker. Währenddessen führen die beiden ein Gespräch über die Macht, was dazu führt, dass mit Episode VII endlich auch ein Star Wars-Film den Bechdel-Test besteht. Zwei Frauen unterhalten sich in einem Film über etwas anderes als über einen Mann. Zwar gab es in den vorherigen Trilogien zwei großartige Frauen*. Leider hatte bislang keine Gelegenheit ihre klugen Gedanken mit einer anderen Frau* zu teilen. Eine Szene, die ich in dieser Hinsicht ebenso wertvoll finde, ist, wenn gegen Ende des Filmes die Grande Dame der Galaxie, Leia, Rey mit den Worten verabschiedet: „Möge die Macht mit dir sein!“ Das trieb mir vor allem Pipi in die Augen, weil dieser Satz endlich in Bezug auf eine Frau* von einer Frau* geäußert wird – und, weil ich Leia unglaublich fangirle!

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Quelle: Twitter.com

15. Als Carrie Fisher in Episode VII erneut Leia spielte, traten Hater*innen auf den Plan: Fisher sei nicht gut genug gealtert, um Prinzessin Leia erneut zu spielen. Ihre Kollegen Harrison Ford (Han Solo) und Mark Hamill (Luke Skywalker) seien hingegen besser gealtert. Daraufhin protestierte Fisher heftig auf Twitter, auch brach ein feministischer Protest darüber aus, wie über und mit älter werdenden Schauspielerinnen* gesprochen wird. Diese Entwicklung allein verdient schon einen eigenen Punkt. Die großartige Carrie Fisher setzte noch eins drauf: Sie sei schon 1977 für die Rolle der Leia genötigt worden, abzunehmen. Viel hätte sich doch also nicht verändert seit damals. Und damit ein humorvolles Schlusswort von meiner Königin der Galaxie!

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Quelle: Twitter.com

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