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„You say Hate, we say Love“ – Ein Rückblick

„You say Hate, we say Love“ – Ein Rückblick published on Keine Kommentare zu „You say Hate, we say Love“ – Ein Rückblick

(oder eben laugh, wie Youssef von i,Slam einwarf, womit er an diesem Tag verdammt richtig lag)

barcamp
Quelle: Amadeu Antonio Stiftung

Da wir jetzt schon bei einigen Veranstaltungen als Speakerinnen oder Workshopleiterinnen teilgenommen, aber nie darüber berichtet haben, möchte ich heute mal damit beginnen.

Feminismus im Pott nahm am Wochenende am Barcamp „You say hate, we say Love“ in Berlin teil. Veranstaltet wurde das Ganze von der Praxisstelle ju:an – Antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit. Das Barcamp war Teil der Aktionswochen gegen Antisemitismus, die von der Amadeu Antonio Stiftung  bereits zum 14. Mal organisiert wurde.

Die Sessions

Sessions gab es von Jasna Strick (u.a. #aufschrei), Andi Weiland, der die Leidmedien vorstellte (Projekt der Sozialhelden), Juna Grossmann, Autorin des Blogs Irgendwie jüdisch, Alexander Rasumny von Rent a Jew, Moritz Hoffmann von GeschichtsCheck – Historiker*innen gegen Hassrede und Youssef von i,Slam. Dokumentiert wurde der Tag von Tarik Tesfu, also bald zu sehen in Tariks Genderkrise (Ich habe mich tatsächlich zu einem Fuck You vor der Kamera hinreißen lassen – konstruktive Kommunikation und so für’n Arsch haha). Der Tag wurde von Pasquale Virginie Rotter moderiert. Sie ist Empowermenttrainerin und Bildungsreferentin bei ju:an.

Der Tag war wirklich super und die Veranstaltung sehr gut organisiert (z.B. Barrierefreiheit, Klos für alle Geschlechter, Safe Spaces geschaffen durch „Security“ und Übersetzungsmöglichkeiten ins Englische und Arabische). Die Location lag in einem Hinterhof im schönen Kreuzberg (Blogfabrik) und war charming af. Kein Wunder, dass in dieser offenen und gemütlichen Atmosphäre auch unter der Woche dort so gute Arbeit entsteht (Schaut mal rein!). Im ersten Block konnten wir zur unserer großen Freude bei dem spannenden Angebot einfach Teilnehmerinnen sein und die Session von Andi besuchen. Andi ist Fotograf und Pressesprecher der Sozialhelden. Die Sozialhelden „wollen Menschen für gesellschaftliche Probleme sensibilisieren und zum Umdenken bewegen“. Eines ihrer Projekte ist die Informationsplattform Leidmedien. Sie richtet sich an Journalist*innen und will sie in einer stereotypfreien Berichterstattung über Menschen mit Behinderung unterstützen. Ihr Ton und ihre Intention ist alles andere als belehrend, sondern konstruktiv und den Dialog suchend. Erst kürzlich leistete sich die Süddeutsche Zeitung einen absoluten Fehltritt in der Berichterstattung über den Tod des Schauspielers Michu Meszaros („Alf“). Der Artikel ist noch online, aber durch die Kritik der Leidmedien und großen Protests seitens der Aktivist*innen ist ihm nun eine Richtigstellung vorangestellt. Immerhin. Ein schönes Beispiel dafür, dass es sich lohnt (online, wie offline) aktiv zu werden. Wir haben auf jeden Fall einige Tipps mit in den Pott genommen und wir schauen mal, wie und ob sich die umsetzen lassen. Danke Andi! Ach ja, ein weiterer Erfolg der Leidmedien ist die Übernahme der taz am vergangenen Freitag. Wirklich eine richtige gute Ausgabe mit spannenden Beitragen und einem nötigen Perspektivwechsel. Wer es verpasst hat, kann die Lektüre online nachholen.

 Und was gab’s noch?

Juna Grossmann hat gemeinsam mit den Teilnehmenden ein Bullshitbingo erarbeitet, das die Situationen und Kommentare alltäglicher Diskriminierung und Hasskommentare visualisierte.

Alexander Rasumny sprach über seine Erfahrungen im Projekt Rent a Jew und zeigte auf, wie wenig vor allem junge Menschen über heutiges jüdisches Leben wissen. Außerdem berichtete er, wie Stereotypen und Vorurteile mit dieser Arbeit begegnet werden können. Bei Rent A Jew können Gruppen und Schulklassen einen Tag mit einer Person jüdischen Glaubens verbringen, um die Vielfalt und die individuelle Perspektive eines einzelnen jüdischen Lebens in Deutschland kennenzulernen.

tisch
Feminismus im Pott auf Instagram

I,Slam startete als die muslimische Variante des Poetry Slams, bei denen junge muslimische Künstler*innen dazu empowert werden, ihre Sichtweisen und Perspektiven in Worte zu fassen und auf die Bühne zu bringen. Youssef hat darüber gesprochen, welche unterschiedlichen Wort- und Technikstrategien im Netz angewendet werden können, um auf Hass zu reagieren.

Jasna Strick hat mit ihren Sessionteilnehmenden gemeinsam eigene Memes und Gifs erstellt, um auch mal entspannt ironisch auf einen oder mehrere Hasskommentare reagieren zu können.

Moritz Hoffmann thematisiert in seiner Session die verschiedenen Möglichkeiten, historischer Hassrede im Netz zu widersprechen.

Followerpower

Im zweiten Blog habe ich dann Feminismus im Pott vorgestellt und lobend berichtet, dass wir eine super tolle Community haben <3, die uns als Redaktion sehr unterstützt und motiviert. Auch wenn sich dann mal eine*r Hater*in auf unsere Seite*n verirrt, seid ihr oftmals schneller als wir und gebt schon ordentlich Kontra. Das ist ein super Gefühl, weil wir merken, dass ihr unsere Arbeit wertschätzt und euch auch damit identifizieren könnt. Danke, danke, danke!
Nach meinem kurzen Input gab es einige Fragen: Erreicht ihr auch die kleineren Orte im Pott? Wie geht ihr mit dem „Schreiben über …“ um? Macht ihr das überhaupt? Oder auch, ob unsere Seite Frage zum Feminismus/ zu Feminismen beantwortet.

tarik
Klick!

Außerdem haben wir Erfahrungen im Umgang mit Hate Speech ausgetauscht und über persönliche Strategien gesprochen. Bereits in der Session, aber auch hinterher im Reflexionsblock mit allen Teilnehmenden wurde deutlich, dass es kein Rezept gibt. Die Strategien müssen je nach Stimmung, Kontext, Motivation und Zeitfenster variieren. Was allen wichtig ist und wozu wir als Feminismus im Pott ja immer wieder aufrufen, ist Bündnisse schließen (auch einfach als geheime Facebook-Gruppe) und sich austauschen oder auskotzen – bloß nicht diese Hassnachrichten zu lange auf sich wirken lassen. Auch wenn Hate Speech immer nachwirkt, hilft es mit anderen darüber zu reden, sich auffangen zu lassen oder sich gemeinsam zu überlegen, wie mensch kontert. Mensch kann auch gemeinsam und virtuell eine andere Person bei der Aufgabe einer Anzeige unterstützen, sie begleiten und negative Begleiterscheinungen auffangen.
Ich denke, was ich eben beschrieben habe, ist ein wichtiger Aspekt den Kübra im Kopf hat, wenn sie von Organisierte Liebe spricht. Für uns ist wichtig, dass ihr nicht aufgebt, euch nicht zurückzieht und den Hater*innen das Internet überlasst. Wir können gemeinsam überlegen, wie das im individuellen Fall gewährleistet werden kann. Aber: bleibt dabei. Ermutigt euch gegenseitig und lasst euch nicht zum Schweigen bringen.

Ich bin immer ganz stolz, wenn ich über Feminismus im Pott und diese intensive Gemeinschaftsarbeit erzählen kann, aber bin auch gleichzeitig überrascht, wo der Blog überall gelesen wird und wer uns auf Twitter und Co. folgt. Wir wollten uns dafür einfach nochmal bedanken: danke! Und ich hoffe, wir sehen uns bald wieder oder lernen uns schnell kennen.

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