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Aber ich will einen richtigen Mann! – Die Krux der Partnerwahl

Aber ich will einen richtigen Mann! – Die Krux der Partnerwahl published on Keine Kommentare zu Aber ich will einen richtigen Mann! – Die Krux der Partnerwahl

 

von Linda Briviba

Ich verstehe andere Frauen oft nicht. Zumindest nicht in Bezug auf ihre Partnerwahl. So oft habe ich Unterhaltungen auf der Straße zwischen Paaren mitbekommen, in denen sich der Mann wahlweise respektlos, rücksichtslos oder extrem dominant verhielt. Die Körpersprache dieser Männer drückte nur eins aus: „Ich Chef, du nix!“ Die gutwilligen Leserinnen unter euch werden vielleicht mutmaßen, dass diese Männer einen schlechten Tag hatten, die Frauen sich Ihnen gegenüber zuerst schlecht verhalten haben oder die Männer es einfach nicht so gemeint haben. Ja, gut möglich.

Ich glaube aber, dass die Ursachen für so ein Verhalten tiefer liegen. Diese Männer haben niemals gelernt, Frauen auf Augenhöhe zu begegnen. Frauen sind für sie nicht gleichwertig. Was an der Erziehung, ihrer Sozialisation aber auch, und das ist vielleicht das Schmerzhafteste, an uns Frauen liegen kann. Denn frage ich meine Freundinnen, was für einen Typ Mann sie sich als Partner wünschen, höre ich nicht selten als Antwort: „einen RICHTIGEN Mann“. Bloß kein Weichei!

Können wir uns also wirklich darüber beklagen, dass viele Männer einen archaische Typ Mann, der sich nimmt, was er will, im Kopf haben, wenn es darum geht, zu definieren, was ein echter Kerl ist. Männer, die ihre Frauen demütigen und die als Ausdruck ihrer Männlichkeit verstehen!

Es liegt auch an uns, ob diese Männer mit ihrem Gebaren Erfolg haben; statt ihre Stärke, Aggressivität und ihre Ellenbogen zu bewundern und sich davon angezogen zu fühlen, sollten wir vielmehr nach ihrem Benehmen Frauen gegenüber fragen: denn eins weiß ich – ein „guter Mann“ ist ein netter Mann!

 

Busfahrt mit Troll

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von MsWookie

Kennt ihr das, wenn plötzlich ein Sinnbild, eine fleischgewordene Metapher vor euch aufploppt? Wenn sich ein latentes, immer anwesendes Gefühl glasklar zeigt?

Freitagmorgen in einer Großstadt im Ruhrgebiet. Ich stehe mit meinem Freund an einer Fernbushaltestelle und freue mich auf Amsterdam. Der einzige wirkliche Urlaub diesen Sommer. Der Busfahrer schnauzt uns an, es gebe nur für ein Handgepäck pro Person Platz. Ich habe einen kleinen Rucksack auf dem Rücken und meinen Jutebeutel von den Gender Studies über der Schulter. Ich realisiere, dass das dem Busfahrer zu viel ist. Er sieht mich bitterböse an, als wolle er uns alle schon vor Beginn der Fahrt erwürgen. Ich denke mir nichts dabei und drücke den Beutel meinem Freund in die Hand, der gerade das große Gepäckstück verstaut hat. Er grinst mich an, murmelt etwas von „miltärischemBundeswehrdrill“ und ich weiß, dass er nur darüber grinst, weil er sich sonst nur aufregen würde. Wir steigen ein und setzen uns relativ weit vorne auf einen freien Zweiersitz. Kurz nach Abfahrt bemerken wir, dass wir vor einem trinkenden Junggesellenabschied gelandet sind. Ich fühle mich wie ein Snob, weil ich gerne woanders sitzen würde. Weil ich och vor der Fahrt dachte, während der 15€-Fahrt in Ruhe ein Buch lesen zu können. Wahrscheinlich gehört das zu einer Busfahrt nach Amsterdam einfach dazu, sage ich mir, vielleicht wird das auch noch ganz amüsant. Ich schäme mich etwas für meine Bedenken und versuche mich in Gelassenheit. Als die Männer, ungefähr 15 angetrunkene Typen zwischen 25 und 35, zum ersten Mal laut grölen, flüstert mir mein Freund zu: „Eine homosoziale Männergemeinschaft!“ Ich bin fast stolz auf ihn, weil er sich scheinbar etwas von meiner Hausarbeit merken konnte, die er vor kurzem Korrektur gelesen hat. Wir versuchen es nun also mit Galgenhumor. Zwei ältere Frauen vor uns kichern über die unerwartete Unterhaltung. An der nächsten Haltestelle, der letzten vor Amsterdam, stürmen unsere neuen Bekannten nach draußen, zum Rauchen. Ich überlege kurz und entscheide mich dann dagegen, ebenfalls eine Zigarette zu rauchen. Eine der älteren Frauen gibt einem der Typen noch Feuer. Als die Männer durch den schmalen Gang strömen, zieht mein Freund den Jutebeutel aus deren Sichtweite. „Nachher pöbeln die noch rum, wenn sie einen Gender Studies-Beutel sehen“, sagt er und ich bin mir sicher, dass er mittlerweile

jutebeutel
Bildquelle

trotz allem Humor ebenso etwas skeptisch ist. Grölend kommt die Mannschaft, die – wie wir später herausfinden – tatsächlich eine Amateurfußballmannschaft ist, an uns vorbei. Einer von ihnen, der etwas älter als der Durchschnitt ist, stimmt nun einen „Gesang“ an. „[Vorname][Nachname] Sinti und Roma!“ In meinem miesen Bauchgefühl bestätigt, merke ich, wie die ganze Truppe einstimmt.Continue reading Busfahrt mit Troll

Über die Mauer geklettert

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Von MsWookie

Manchmal fragen mich Freund_innen und Bekannte aus dem Hier und Jetzt, warum ich gerade da gelandet bin, wo ich nun stehe, sitze oder gehe:  Gesellschaftswissenschaftliche Studentin an einer Ruhrgebietsuniversität und – mittlerweile erklärte – Feministin. Dann erzähle ich zuerst von der Sensibilisierung für Gender-Fragen und feministische Themen zu Beginn meines Studiums, dann von den schüchternen Sympathien für die Frauen, die vor vielen, vielen Jahrzehnten für ihre Rechte auf die Straße gingen. Kenne ich den Menschen gegenüber schon etwas besser oder finde ihn_sie schlichtweg sympathisch, erzähle ich manchmal davon, wie ich aufgewachsen bin.

Als einzige Tochter von liebevollen, aber auch anspruchsvollen Eltern („Sitz gerade am Tisch!“ höre ich heute noch manchmal) bin ich in den 90ern und 2000ern in einem Dorf am Schwarzwaldrand aufgewachsen. Wert legt man darauf, dass man schwäbisch spricht, täglich mehr arbeitet als der_die Nachbar_in und mindestens einen Acker besitzt. So ist das immer gewesen, so möchte man das bewahren. Der Wohnort meiner Eltern ist das Modellland für jede_n traditionelle_n Konservative_n. Diese Gegend Heimat zu nennen fühlt sich falsch an, auch, wenn jede Begrüßung durch meine Mutter, komme ich aus dem Ruhrgebiet zu Besuch, sich immer noch nach Heimat anfühlt.

Es ist eine kleine, relativ in sich geschlossene Welt. Der kleine Zeitschriftenladen, gleichzeitig die Poststelle des Ortes, führt seit Jahren nur noch zwei Zeitungen: Die Lokalpresse und die BILD-Zeitung. Alles andere, so die Besitzerin, hätte eh niemand gekauft. Ein vorwurfsvoller, unausgesprochener Nachsatz wäre gewesen „seitdem du weggezogen bist.“ Continue reading Über die Mauer geklettert

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