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Auch ich habe zwei Brüste. Das ist hart, aber fair.

Auch ich habe zwei Brüste. Das ist hart, aber fair. published on 15 Kommentare zu Auch ich habe zwei Brüste. Das ist hart, aber fair.

von Katja Sabisch

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Bild: quickmeme.com

Am Montag habe ich eine E-Mail von der Redaktion der Sendung „hart aber fair“ bekommen. Ich solle als Expertin im „Faktencheck“ dabei sein, der nach der Sendung offen gebliebene Fragen aus einer wissenschaftlichen Perspektive beantwortet. Es ginge um Gender und da sei man auf mich gekommen. Ich bin nett und ich bin mir für nichts zu schade, also habe ich den Herrn angerufen und zugesagt. In Zeiten des Genderwahns ist Öffentlichkeitsarbeit doch richtig und wichtig, finde ich. Oder um es mit Harald Martenstein zu formulieren: Auch Genderwahn sollte differenziert betrachtet werden. Als ich dann am Telefon gehört habe, wer alles über Unisex-Toiletten und Ampelmännchen diskutieren wird, wurde mir doch etwas schummrig. Die arme Anne. Die muss sich was von der Thomalla über Brüste anhören. Der arme Hofreiter. Der muss sich vom Kubicki was über Haare anhören.

Abends habe ich dann zugegebenermaßen schweren Herzens von den Geissens auf die ARD umgeschaltet und das bitter bereuen müssen. Herr Plasberg begann mit diskreditierenden Bemerkungen über die Gender Studies, von denen er offenkundig noch nie etwas gehört hat. Sonst hätte er bestimmt nicht Frau Thomalla nach Ihrer Meinung zur sozialen Konstruktion von Wirklichkeit durch Sprache und die damit einhergehenden Exklusionen gefragt. Die hat gelacht und gesagt, dass sei Schwachsinn. Es ist schon bemerkenswert, wie fast 200 Jahre Philosophiegeschichte mit einem Lipgloss-Lächeln vom Tisch gefegt werden können. Aber sei’s drum. Es gibt ja in dem „hart aber fair“-Format noch ein paar Einspieler, die die Unkenntnis des Moderators wieder wettmachen können. Und auch da habe ich mich getäuscht. Die Redaktion hat sich mit Mario Barth-Manier auf das Thema Gleichstellung gestürzt. Ich bin davon überzeugt, dass die MitarbeiterInnen um mehrere Fässchen Kölsch gewettet haben, wem die blödesten Beispiele zum Genderwahn einfallen. Chapeau, liebe Redaktion! Ihr habt es geschafft, nicht nur die Gender Studies, sondern auch das vermeintliche Qualitätsfernsehen vorzuführen.

Dabei ist alles so einfach und leider gar nicht aufregend: Gender Studies sind eine Forschungsperspektive. Sie erweitern den wissenschaftlichen Blick einzelner Disziplinen wie Sozialwissenschaft, Medienwissenschaft, Medizin, Geschichts- oder Rechtswissenschaft, indem sie der Kategorie Geschlecht einen zentralen analytischen Stellenwert einräumen. Es gibt unzählige Beispiele, die den Sinn und die Relevanz der Gender Studies unterstreichen. Zu nennen wären da die bahnbrechenden soziologischen Arbeiten von Regina Becker-Schmidt aus den 1980er Jahren, die erstmals die Problematik der „doppelten Vergesellschaftung von Frauen“ empirisch erforschten – heute firmiert das Ganze unter der Überschrift „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Davon hatte man damals noch nicht viel gehört. In den 1990er Jahren wurde die Debatte über die soziale Ungleichheit durch philosophische Einsichten ergänzt: Judith Butler veröffentlichte ihr umstrittenes Buch „Gender Trouble“ – ein Plädoyer für ein Denken der Differenz, ich liebe es. Denn wie schon Birgit-mach-die-Bluse-zu-Kelle so richtig sagte: Frau ist nicht gleich Frau. Es gibt keine gemeinsame Weiblichkeit, Geschlecht ist intersektional verfasst – auch, wenn Herr Kubicki das anders sieht. Aufzuzählen sind zudem die empirischen Studien zu Gewalt. Ursula Müller startete 2002 eine Repräsentativuntersuchung zu „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit“ von Frauen – und kam zu dem ernüchternden Ergebnis, dass 40% der in Deutschland lebenden Frauen bereits sexualisierte und/oder körperliche Gewalt erlebt haben. Dass allerdings Männer die eigentlichen Opfer dieser Befunde sind, hat Sophia Thomalla eindrücklich an einem Beispiel aus den USA darlegen können. Ich meine mich zu erinnern, dass sie etwas über einen Fahrstuhl berichtete, traue mich aber nicht in die Mediathek von „hart aber fair“. Die Frage, warum es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt, hat Carsten Wippermann 2012 untersucht. Er kommt zu dem Schluss, dass die „Hüter der gläsernen Decke“ massive informelle Bollwerke gegen Führungsfrauen auffahren. Es liegt also doch nicht daran, Herr Kubicki, dass Frauen eine schlechtere Ausbildung haben. Fragen Sie Herrn Wippermann.

Nun handelt es sich bei meiner Aufzählung um Schlaglichter, die keinesfalls die Bandbreite der Genderforschung abbilden. Aber mal ehrlich: Wenn ich zu dem Thema Gleichheitswahn recherchiere und nicht mal in die Nähe einer ordentlichen Studie gerate, ist auch das bemerkenswert. Nach der Sendung saß ich also etwas verdattert vorm Fernseher. An die Geissens war nicht mehr zu denken. Ich hatte Angst vor den Faktencheck-Fragen – womöglich werden die ja von dem ahnungslosen Moderator selbst formuliert? Dann müsste ich die ganze Nacht am Rechner sitzen. Also habe ich etwas getan, was ich selten tue: Ich habe „nein“ gesagt. Mach ich nicht. Googelt Euch Eure Fakten lieber selbst. Und als Entschuldigung für die verpassten Geissens bekomme ich ein Fässchen Kölsch.

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15 Kommentare

Liebe Katja. Ich hab letztlich auch den Faktencheck abgesagt. Die hatten mich vor Monaten bereits gefragt, da war die geplante Sendung aber ausgefallen. Also das Ganze nochmal, 3 Tage vorher die Anfrage, ich – wir wollen ja gern aufklären und beitragen und public science machen und sowieso – hab zugesagt. Aber dann sehe ich Sonntag den teaser und beschliesse, abzusagen. „Genferforschung als Staatsräson“. Das ist eine böswillige, falsche und verleumderische Unterstellung. Das habe ich der Redaktion geschrieben, das war ihnen wurscht. Tja, wer nicht wissen will, der hat schon ne Meinung.

Pröstercken!
Paula

Ja, sehr einig! Danke für diesen Kommentar mit Beispielen der Genderforschung! „Wenn ich zum Thema Gleichheitswahn recherchiere und nicht mal in die Nähe einer ordentlichen Studie gerate“ – und dann die Reichweite der ARD nutze, um das Thema Gleichstellung in die Pfütze zu treten… http://ich-mach-mir-die-welt.de/2015/03/hart-aber-fair-stellt-gleichstellungsbestrebungen-infrage/
viele Grüße
Almut

Liebe Almut,

Unisex-Toiletten sind kein lächerlicher Nebenaspekt von Gleichstellungsarbeit sondern ein wichtiger Schritt gegen die Diskriminierung von transsexuellen, intersexuellen Menschen und Menschen,
die sich nicht in die binäre Geschlechterordnung einfügen können|wollen.

Lilli Boheme

Ich finde es in dem Zus.hang tatsächlich „vergleichsweise lächerlich“ in ein derart wichtiges Thema mit Toiletten einzusteigen, weil es die Relevanz des Themas „Gender“ und Rollenklischees in keiner Weise verdeutlicht und schon gar nicht Leuten vermitteln kann, die dem zu großen Teilen skeptisch gegenüber steht. Aus Sicht einer Redaktion, die vorgibt, einem breiten Publikum die Gender-Thematik näherbringen zu wollen, ist es ungemein praktisch, das auszunutzen, denn so kommt das ganze Thema eben als etwas Lächerliches daher und man kann es sich sparen, nach echten Gegenargumenten zu suchen. (So war’s gemeint, schade und sorry, wenn das missverständlich rüberkam.)

Der Impuls, angesichts der Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ in eine Art Dauerfacepalm zu verfallen ist nachvollziehbar. Aber nicht, weil – wie hier angerissen – der „konservative“ Gästeflügel nicht „dem Diskurs“ zu folgen vermag. Einmal abgesehen von der generellen Eignung mancher der Gäste für die Behandlung des Themenkomplexes „Gender“ gibt es einen solchen Diskurs derzeit gar nicht.

Wenn ich irgendwo in der veröffentlichten Meinung eine Einlassung zum Thema Gender lese oder höre, die nicht als Sottise daherkommt, formt sich in meinem Kopf gleich die schöne Atmo-Einspielung auf den Toiletten (sic!) der Servays-Raststätten mit der Aussage „Pausen auf der Autobahn sind wichtig und geben Kraft und Entspannung. Ihnen Ihre Rast so angenehm und erholsam wie möglich zu gestalten, das ist unser erklärtes Ziel.“

Das schlimme dabei: Auch in evangelischen Publikationen, wie Chrismon oder Sonntag, wahrscheinlich auch in katholischen Blättern, also in Kulturregionen, die dem Komplex durchaus kritisch gegenüberstehen könnte, wird hier ein Bild gemalt, welches Wohlbefinden induzieren soll. Gender mainstreaming – alles prima, für alle gut, auch für Männer. Solche Artikel sind meist nachvollziehbar von Personen verfasst, welche sich positiv zu Feminismus, Gender Studies und den von Ihnen aufgeführten Protagonisten und ihren Thesen verorten.

In der Welt da draußen und damit in der von Kubicki und Thomalla kommen tiefer gehende Informationen zu „Gender“, gar kritische, normalerweise nicht vor. Von echtem Diskurs KANN also keine Rede sein.

Es sind mehrere separate Diskurse, die wunderschön in einzelnen Filterblasen ablaufen und für deren Zusammenführung es derzeit nicht einmal einen geeigneten Sprachraum gäbe. In den Filterblasen ist es jeweils kuschlig warm und man fühlt sich im geschützten Raum unter seinesgleichen pudelwohl.

In der Wiezorekschen Diskursblase gibt es den obsoleten Ist-Zustand in Gestalt eines Narrativs. Die Zutaten sind: Patriarchat, Sexual harrasment, Rape culture, Victim blaming, Gender Pay Gap, Male violance, You know: New Yorker Fahrstuhl in Echt. Als Talking points sitzen diese Standpunkte, sie werden nicht mehr hinterfragt. Einzig positive Ausformungen sind zulässig. In diesen Kreisen sind sie zu unverrückbaren Fakten geworden, deren reines Zur-Diskussion-Stellen in die Nähe des Sakrilegs gehört. Gender mainstreaming soll der Ausweg aus diesem Narrativ zu sein: Geschlecht wird – von allen verinnerlicht – als sozial konstruiert entlarvt, und damit von Grund auf frei ausgestaltbar. Ist diese Utopie erst verwirklicht, wird eine Begegnung aller Menschen (und damit auch der dann als Männer dekonstruierten) auf Augenhöhe möglich. Alle genannten Bedrohungen und Ungerechtigkeiten gehören der Vergangenheit an.

Die „arme Anne“ hat bekanntermaßen ein in Teilen technisches Filtersystem vor ihre Social network tools gesetzt, welches Entäußerungen, die nicht ihrer Peergroup zugeordnet werden können, weitgehend zuverlässig verwirft. Diese Verfahrensweise haben sich in etwa alle in ihrer Timeline angeeignet. Diese Filtersysteme unterscheiden allerdings nicht zwischen Mails oder Tweets, die tatsächlich Beleidigungen oder sonstigen Unflat enthalten und solchen mit kritischen Einlassungen, sondern sortiert säuberlich alles unter Hass ein, um es dann Interessierten als Beweis für die Bedrohung ihrer Meinung und die Diskreditierung ihres Einsatzes für das Gute zu präsentieren.

Aus diesem Grund dringen tatsächliche Gegenargumente, die sich mit einzelnen Bestandteilen des Narrativs befassen, sie womöglich in Frage stellen, gar nicht soweit durch, dass sich ein Diskurs entfalten könnte. Das geht bis hin zu einer quasineostalinistischen Attitüde alá „Der folgt einem Masku, den muss ich gleich blocken“.

Unter Feminismus oder „Gender“ einzusortieren wären freilich noch andere Blasen zu denen sich auch Überschneidungen finden, die sollen aber der Kürze wegen in anderen Geschichten Erwähnung finden.

Auf der anderen Seite gibt es ebenfalls Diskursblasen, dort wohnen „Die Maskus“. Auch hier gibt es Abstufungen je nach Interessenlage. Da haben wir Männerrechtler, die sich daran stören, dass ihre Interessen – institutionalisiert von der Legislative – hinter denen von Frauen oder anderen im Gender-Kontext relevanten Minderheiten zurückstehen sollen, ohne dass sie tatsächlich an der Herstellung der behaupteten Ungerechtigkeiten gestaltend mitgewirkt haben. Dann haben wir Interessenkreise, die den dichotomen Status Quo in Sachen Gender bewahren wollen, sich einfach der Aufweichung der Geschlechterrollen verweigern, weil sie sie als biologisch determiniert betrachten und damit als unverrückbar (eben mit die Regel bestätigenden Ausnahmen) betrachten.

Hier gibt es „Rechte“, „Linke“, „Radikale“ und „Gemäßigte“ so wie oben mit Überschneidungen. Soweit sie überhaupt öffentlich wahrgenommen werden, finden sie sich allerdings schnell in der rechten Ecke wieder. Immer wieder werden Verweis auf geistige Nähe zu rechtsextremen Kreisen bis hin zu Anders Breivik gestreut.

Auf beiden Seiten sind diese Meinungsbilder bei den Diskursblaseninsassen so zum Bestandteil der Personalität geworden, dass ein offener Meinungsaustausch ferner scheint, denn je.

Es gibt aber wesentliche Unterschiede:
Stimmen, die einmal im „Masku“-Lager einsortiert wurden, können sich in Presse und Funk zur Zeit nicht kompetent zu Wort melden, da hier zuverlässig der Reflex greift, alles feminismuskritische als Hass aus der rechten Ecke zu diskreditieren.

Bestenfalls der von Ihnen zitierte Harald Martenstein darf satirisch dazu texten. (Ähnliche Stimmen lasse ich aus dramaturgischen Gründen mal weg, weil auch Satire bzw. Sottise.)

Wenn also alle seriösen Gegenstimmen durch Muting regelrecht ausgeblendet werden, kann leicht der Eindruck entstehen, dass „Das Ding durch ist“.

Mithin auch, dass mit dem Ausrollen von Gender mainstreaming in die tatsächliche Öffentlichkeit nun gefahrlos begonnen werden kann. Man (Verzeihen Sie bitte!) hatte sich ja untereinander hinreichend ausgetauscht. Gender Studies haben mit Hilfe poststrukturalistischer Versatzstücke den Weg hin zu dieser Utopie immerhin für die Pilotphase geebnet.

Analog der Hyperraum-Expressroute des Vogonenbautrupps in „Per Anhalter durch die Galaxis“ hat es im zuständigen Planungsamt (im Original 4 Lichtjahre entfernt) einen Aushang mit einer vollständigen Darlegung der Implikationen gegeben, der leider, leider (im Original in 50 Erdenjahren) nicht beachtet wurde. Schade, schade.

Nur dass es der Definitionsmacht noch an etwas Vogonischer Durchsetzungskraft fehlt.

So war der beobachtete Unfall der hier behandelten Sendung (bei dem man tatsächlich nicht wegschauen konnte) eine notwendige Folge davon, dass jetzt Vertreter der Uneingeweihten plötzlich mit Fragen aus „fast 200 Jahre Philosophiegeschichte“ konfrontiert werden. Und den Moderator zähle ich hier gerne dazu.

Wenn überdies innerhalb von wenigen Jahrzehnten alles für die eigene Identität wichtige (Reproduktion, Geschlecht, damit verbundene Rollen und Klischees, Sprache) disruptiv in Form von reißbrettogenen Umgestaltungsimperativen verändert werden soll, dann wird man (Verzeihen Sie bitte!) wohl in Zukunft mit größeren Unfällen rechnen müssen, Mario Barth ist da sicher das kleinere Übel.

Was das Fässchen Kölsch angeht: Prost!

Nichts für ungut, aber dass soziale Wirklichkeit nicht durch Sprache „konstruiert“ wird hat die Thomalla der Professorin dann doch voraus und zeigt damit unfreiwillig ein größeres Verständnis von 200 Jahre Philosophiegeschichte.

Danke Katja für dieses fast noch zu harmlos formulierte Blogpost zu dieser Sendung. Hier werde ich zur Emmeline Pankhurst. Diese Talkshow war eine inszenierte Hetzpropaganda um den Gegnern des Bildungsplans weiter Futter an die Hand zu geben, von den ersten Sekunden an hat Plasberg für die ARD gezeigt, wo die Sendung politisch hingeht: In den Konservatismus, am liebsten vor den Ersten Weltkrieg in die Wilhelminische Zeit. Es wurden keine Fachleute eingeladen, Hofreiter sollte vorgeführt werden, desshalb gleich am Anfang der indiskutable Hinweis von Kubicki auf seine Haare. Die Sendung war reiner Genderwahn-Populismus, Anne Wizorek sollte demontiert werden, wass aber gänzlich misslang. Sie stellte die Messlatte und definierte den Maßstab, disqualifizierte diese Patriarchenpropaganda vor Millionenpuplikum. Thomalla und Kubicki hatten soviel Ahnung vom Thema wie von PHP-Programmierung, einzig Kelle und die ARD mit Plasberg versuchten Anne niederzuwalzen, wenn Anne mehr Redezeit bekommen hätte, wär Stille im Saal gewesen und die Lachplatte, die die Sendung aus Diskriminierungsproblemen gemacht hat, wäre verstummt. Dese Sendung ist das unerträglichste der letzten Wochen. Dazu noch die Einblendung einer BILD-Titelseite in Bezug auf Unisex-Toiletten: „Für Männer und Frauen die nicht wissen was sie sind…“ – Transphobie ist eben immer noch gesellschaftsfähig, und wenn wir nicht aufpassen, wird es Homophobie auch wieder. Ich schäme mich, für dieses Staatsfernsehen, von Zuschauern finanziert. Bin sprachlos und werde dazu noch eine Analyse schreiben. Danke Katja für Deine Zeilen hier, man fühlt sich nicht alleine unter diesen Ignoranten. Danke Anne und Anton. Danke Danke.

Zur klaren begrifflichen Aufklärung trägt dieser Artikel wenig bei. Es wird mehr oder weniger unterstellt, dass `Gender´ im Unterschied zu `Sex´, die soziokulturell-/biologischen Begriffe aus dem englischem Sprachraum in ihrer deutschen Übersetzung jedem klar seien. Bei „Gender“ geht es um das individuell „empfundene“ Geschlecht, es ist soziopsychologisch – der Gläubige würde sagen `seelisch´ – bedingt und hat nicht zwingend etwas mit dem biologischen Körper zu tun (es streiten sich die Geister darüber, ob auch dies angeboren ist, wie man es bei den sexuellen Orientierungen im Unterschied dazu, ja auch tut und vermutet). Es scheint zu kompliziert. Ist es das wirklich?
Man könnte doch z.B. auch Beispiele heranziehen, wie Transmenschen, wo das biologische nicht mit dem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Dass jedem klar sei, worum es in den `Gender Studies´ oder beim `Gender Mainstreaming´ überhaupt ginge, dem ist eben leider nicht so. Akademikerinnen scheinen Angst zu haben, Fakten zu klären. Warum? Will man nicht in die „hardcore“-feministische Ecke gestellt werden, was heute bei den 30+Frauen wieder en vogue ist? Will man sich mittels Ichhaltmichraus-Zynismus die Pfoten nicht dreckig machen und sich mächtigen Männern andienen, von denen man sich dann einen richtig guten Job verspricht, der in der real prekär gestellten geisteswissenschaftlichen akademischen Szene rar gesät ist?
Finde das frustrierend, wie sich da teilweise gewunden wird, Position zu beziehen. Warum steht man nicht zu im Ursprung neutral konnotierten Begrifflichkeiten, die wie „Gender Mainstreaming“, die für den Chancenausgleich zwischen den diversen Geschlechtern sorgen sollen?
Warum schreibt man „Genderwahn“ und „Gleichheitswahn“ ohne Anführungsstriche als wäre die Existenz dieser Wortschöpfungen, ja, Unworte bereits Fakt und nicht eine unlautere polemische Propaganda? Ein Schlag ins Gesicht für Frauen 55+, die Müttergeneration, die offensichtlich umsonst gefightet und die Genderdebatte befördert hat, ohne die sich für jüngere Frauen sehr wenig getan hätte, aber auch für Schwule/Lesben/Bis, die es zu integrieren galt und jetzt auch für die kleinen männlichen Kinder nichts tun würde und in der derzeitigen IS-Radikalisierungsdebatte Jugendlicher auch nichts. Im Übrigen auch ein Schlag ins Gesicht für all die anderen Geschlechter und Identitäten, die immer noch umsonst um gleiche Rechte kämpfen und die unsere Solidarität, sprich „Gender Mainstreaming“ dringend benötigen. Das ist nach wie vor eine wichtige und tolle Sache!!!

Früher habe ich „hart aber fair“ mal für eine Sendung gehalten, in der es um Aufklärung geht. Oder konkreter gesagt: um Journalismus. Das ist leider schon seit einiger Zeit nicht mehr so. Weshalb es notwendig sein soll, jedesmal ein paar Menschen einzuladen, die vom strittigen Thema entweder gar keine Ahnung haben („Frau Thomalla ist selbst eine Frau, das reicht als Qualifikation!“) oder die sich gerade in Bezug auf genau dieses Thema als die real-life-Entsprechung eines Internet-Trolls profilieren (Birgit Kelle), um ein Thema „kontrovers“ diskutieren zu können, das werde ich wohl nie verstehen. Spätestens seit Frau Maischberger gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit öffentlich zur respektablen Meinung adelte („Droht die sexuelle Umerziehung?“), scheint dieser Wahnwitz Schule zu machen.

Man hätte in dieser Sendung so viele wichtige Themen besprechen können, z.B., wie man die realen Diskriminierungen endlich effektiv eindämmen könnte. Stattdessen wird darüber gefaselt, ob ein neues Kloschildchen die Staatsfinanzen ruinieren wird. Nein, das war keine Luxusdebatte. Das war kaum verhohlene reaktionäre Meinungsmache.


Ich bin gerade zum ersten Mal in diesen Blog hineingestolpert. Die punktgenaue Ironie dieses Betrags war genau das, was mich nach dem Betrachten dieses journalistischen Tiefpunktes ein wenig aufmuntern konnte. Dankeschön.

ich habe in einem Land gelebt, in dem in bestimmten Regionen Toiletten für das dritte Geschlecht bereits in Schulen Standart waren. Die entsprechenden Schüler waren froh darüber und ales war anerkannt. Das ist in Ordnung. Dass hier in Deuschland jetzt gender-Kindergartengärtnerinnen durchdrehen und meine Jungs dazu zwingen, statt bunte aufbewahrungsbehälter auf einmal graue nüchterne Einrichtungen anzuschaffen, bei deren Anblick man depressiv wird, mit der Begründung, dass man ihnen die von den Eltern unbewusst diktierte männliche oder weibliche Bewusstsein auszutreiben, dann ist das ein idiotischer Umerziehungsversuch. Sich mit Geschlechterrollen in Gesellschafte zu beschäftigen ist sinnvoll. Leute umerziehen zu wollen, ist übergriffig. Sich auch noch dafür mit Steuergeldern bezahlen lassen, ist frech obendrein. Norwegen hat sein millionenschweren Genderinstitut geschlossen, nachdem ein paar Dinge über die dortige gender-Forschung ans Licht kamen. Gut! jetzt sind wieder Steuergelder frei für Sinnvolleres

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