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„Antifeminismus – wie intervenieren“ – ein persönlicher Rückblick auf eine grandiose Veranstaltung

„Antifeminismus – wie intervenieren“ – ein persönlicher Rückblick auf eine grandiose Veranstaltung published on Keine Kommentare zu „Antifeminismus – wie intervenieren“ – ein persönlicher Rückblick auf eine grandiose Veranstaltung

von Mille Fleur

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Bild: Lilli Boheme

Mensch plant. Über Monate. Mit dem Datum in weiter Ferne. Und plötzlich ist er da: der Tag der Veranstaltung und all die Gedanken, Pläne und Unterhaltungen vergegenständlichen sich. Das Programm steht. Die geladenen Redner*innen sind bereits in Bochum angekommen und ich selbst gehe noch einmal mit Lilli Boheme unseren Einstiegsvortrag durch. Noch schnell ein paar Bilder in die richtige Reihenfolge gebracht und ab ins Auto. Am Bahnhof Langendreer angekommen, treffen wir auch schon all die wunderbaren Frauen, die mit uns diese Veranstaltung auf die Bühne bringen. Anne Wizorek, Stefanie Lohaus und Lisa Mense sitzen zusammen und sprechen fleißig über aktuelle Diskussionen in der weiten Welt der Feminismen. Sofort ist das Eis gebrochen. Wir haben die gleichen Anliegen und wollen alle über das Thema Antifeminismus sprechen und uns austauschen. Motivation und Neugier liegen in der Luft. Wir sind gespannt wie viele Leute da sein werden. Sich trotz Streik auf den Weg machen, um Strategien im Umgang mit antifeministischen Bewegungen zu diskutieren.

Kristin, unsere Verbündete beim Bahnhof, nimmt mich mit. Die Technik muss noch einmal geprüft werden. Und da ist sie, die große Bühne, das Podium, die unfassbar vielen Stuhlreihen und mir wird bewusst: heute ist der Tag. Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung: Ich werde mit vielen anderen Menschen über das leidige Thema Antifeminismus reden. Ganz offen. Ganz schön groß. Nicht wie sonst im Privaten, mit meinen Mitstreiter*innen von FemPott im Chat oder beim gemeinsamen Redaktionstreffen. Ich werde auf der Bühne stehen und mich mit Klarnamen zu erkennen geben. Ich werde mich klar gegen antifeministische Handlungen positionieren und werde aufrufen, dass wir etwas dagegen unternehmen müssen. Ich verlasse den geschützten Raum des Internets und positioniere mich offen und für alle sichtbar.

Die innere Spannung nimmt weiter zu. Einerseits geht der Wunsch in Erfüllung endlich mit Leuten über Antifeminismus zu sprechen und Diskussionen anzuregen. Anderseits steigt das ungute Gefühl, Angst, dass ich mit dieser Veranstaltung meinen Schutzraum verlasse und angreifbar werde. Auch wenn ich gar nicht genau sagen kann, wovor ich Angst habe. Ist Angst das richtige Wort?  Für Angst bleibt allerdings sowieso keine Zeit. Denn der Raum beginnt sich zu füllen. Anne, Stefanie und Lisa kommen aufs Podium. Im Scheinwerferlicht kann ich kaum erkennen, wie viele Menschen sich auf den Plätzen vor der Bühne tummeln. 110 Besucher*innen werden es sein. 110! Ich bin immer noch geflasht, wenn ich mir die Zahl wieder ins Gedächtnis rufe. Irgendwann hat jede*r seinen Platz gefunden und es geht los…

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Bild: Lilli Boheme

2 Tage später

Gestern Morgen bin ich aufgewacht und dachte, dass alles ein Traum war. In meinem Traum hatten wir eine unfassbar tolle Veranstaltung zum Thema Antifeminismus. Mit Anne Wizorek, Stefanie Lohaus und tollen Menschen im Publikum (!!!), die so interessiert waren und so tolle Fragen gestellt haben, dass es nie langweilig wurde. Es wurde gelacht, diskutiert, Erfahrungen wurden ausgetauscht. Tiefe Einblicke in persönliche Geschichten gegeben. Und eins schwang immer mit: das große Interesse an Feminismus, feministischen Standpunkten und der Wille und Wunsch sich gegen Anfeindungen im Netz, aber auch im Alltag, zu positionieren. Als ich den Computer anmachte, durfte ich mich wieder vergewissern, dass es kein Traum war: die Veranstaltung hatte stattgefunden und sie war ein voller Erfolg.

Noch immer denke ich über den Abend nach. Er verging wie im Flug. Erst jetzt – zwei Tage später – kann ich ihn das erste Mal so richtig Revue passieren lassen. Unter anderem, weil ein Artikel im trailer Ruhr ihn mir noch einmal nahe gebracht hat. Maxi Braun zieht folgendes Fazit:

„Insgesamt hinterließ die Diskussion den Eindruck von starken Frauen, die ihre ganz eigenen Wege zum Feminismus gefunden haben. Sie machten Mut und wichtiger noch: Lust dazu, sich selbst noch mehr mit der Thematik zu befassen.“

Dem habe ich momentan kaum etwas hinzuzufügen. Mut und Lust waren es, die wieder in mir hochkamen, als ich Maxis Artikel las und Euphorie und Tatendrang nehme ich mit aus einem sehr aufschlussreichen Abend mit all diesen starken Frauen, die Feminismus leben und jeden Tag aufs Neue im Netz, im Alltag, in der Welt platzieren. Die Raum beanspruchen für feministische Themen und zu Gesprächen und Austausch einladen. Die junge Menschen anregen, sich mit Feminismus auseinander zu setzen und zeigen, dass es nie leicht ist, wenn mensch feministisch agiert. Die aber zeigen, dass notwendig ist, dass wir uns mit diesen Themen beschäftigen und Stellung beziehen. Denn eine Gefahr, die Anne so treffend benannte, ist, dass wir „aus Angst etwas falsch zu machen, am Ende gar nichts machen“. Spannend war es zu diskutieren, wie wir etwas machen können. Wie wir uns selbst einbringen können und wo wir ansetzen können.

„Man braucht Verbündete, um das Netz weiter nutzen zu können“ – es ist einer von vielen Sätzen, die von der Veranstaltung am Donnerstag hängen geblieben sind. Bündnisse schließen, Kollaborationen starten, Netzwerke bilden und so eine eigene große Plattform im Internet schaffen. Frei nach dem Motto „Haters gonna hate“ gilt es dranzubleiben und weiterzumachen. Denn nur so können wir dem Ziel von Hate-Speech entgegensteuern. Denn Hate-Speech will nur eins: konträre Stimmen verdrängen und Leute zum Schweigen bringen.

Und bei mir selbst? Die Angst, die da war vor der Veranstaltung? Ist sie immer noch da? Momentan kann ich die Frage mit einem „Nein“ beantworten. Denn ich habe etwas mitgenommen aus dem Abend: wir sind nicht allein. Wir sind viele und wir haben tolle Ideen und Vorstellungen, um Feminismus einen Raum zu geben. Und diesen Raum zu beanspruchen. Und wenn nötig, auch zu verteidigen.

Ich habe jetzt übrigens einen Twitter-Account. Das war tatsächlich meine erste aktive Maßnahme am Folgetag. Die weite Welt von Twitter und ich jetzt mittendrin. Denn wenn ich etwas mitgenommen habe, dann ist es, dass ich eine Stimme habe. Und diese Stimme stark ist. Und ich diese Stimme nutzen will, um andere feministische Stimmen zu stärken und zu unterstützen.

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