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Männliche Privilegien

Männliche Privilegien published on Keine Kommentare zu Männliche Privilegien

von Christoph Wietzorek

Warum es für Männer unabdingbar ist, sich mit Feminismen auseinanderzusetzen

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Bild: etsy.com

Wenn ich mich gegenüber anderen Menschen als Feminist oute, so ernte ich häufig den antifeministischen Spott und Unmut, den sicherlich schon viele erfahren haben, die sich zu Feminismen bekennen. Das unbequeme F-Wort, welches doch vor Männerhass und der vermeintlichen Umkehr des Mächteverhältnisses nur so strotzt. Zudem, oder gerade deswegen, bekomme ich aber auch regelmäßig die Ungläubigkeit meiner Mitmenschen zu spüren. Sich 2015 als Frau zu Feminismen zu bekennen, ist sicherlich keine Randerscheinung mehr. Das Thema ist präsenter denn je und erfährt mittlerweile wieder die nötige Aufmerksamkeit, die ihm zusteht.
Ich jedoch gehöre zu der privilegierten Gruppe weißer, heterosexueller und westeuropäischer Männer, die den geringsten Widerstand in dieser Gesellschaft zu spüren bekommt. Wir sind die scheinbare Norm. Wir werden nicht aufgrund unserer Herkunft, Hautfarbe, Sexualität oder aber aufgrund unseres Geschlechts diskriminiert. Wir besetzen Führungspositionen und wir fürchten keinen Gender Pay Gap. Der Neoliberalismus leckt sich die Finger nach uns, gerade weil wir durch unsere biologische Unfähigkeit Kinder zu gebären einen so großen Mehrwert für die Wirtschaft haben.

Warum also sollten sich auch Männer Feminismen widmen und sich solidarisch zeigen mit all jenen, die in der Gesellschaft wegen oben genannter Faktoren diskriminiert werden?

Menschen verfügen über die Möglichkeit sich in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen und Emotionen, Gedanken und Verhaltensmuster nachzuvollziehen. Diese Fähigkeit wird auch als Empathie bezeichnet. Wer Empathie in sich trägt, für seine Mitmenschen spürt und sein Augenmerk einmal auf das richtet, was im Argen liegt, wird schnell Handlungsbedarf sehen. Wir, die weißen, heterosexuellen und westeuropäischen Männer, genießen zahlreiche Privilegien. Da wir uns in dieser Position befinden, ist es für uns einfacher einen Schritt auf all jene zuzumachen, die von dieser Position ausgeschlossen werden. Dabei geht es nicht nur um geschlechtsspezifische, sondern auch jegliche andere Formen der Diskriminierung.

Wenngleich Frauen weitaus mehr unter dem Patriarchat leiden, so ist das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern als gesamtgesellschaftliche Disziplin zu begreifen. Feminismen setzen sich nicht zum Ziel, das Unverhältnis zwischen den Geschlechtern einfach nur zugunsten der Frauen umzukehren. Vielmehr zielen sie darauf ab, allgemeine Rollenbilder aufzulösen. So wie Frauen unter dem Diktat und den Geschlechterrollen des Patriarchats leiden, leiden auch mitunter Männer unter den Anforderungen, welche die Gesellschaft an sie stellt.
Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation in meiner Ausbildung. Ich parkte morgens mein Auto – zugegebenermaßen etwas ungeschickt – auf dem Parkplatz der mittelständischen Werbeagentur. Als ich das Gebäude betrat und die ersten Kollegen begrüßte, entgegnete mir eine Kollegin „Du parkst ja wie eine Frau!“ – auch wenn diese Situation nun schon einige Jahre her ist, so ist sie mir nach wie vor im Gedächtnis geblieben. Nicht, weil sie mich vermeintlich in meiner Männlichkeit kränkte, sondern, weil sie auf so vielen Ebenen falsch war!

In erster Linie diskriminierte meine Arbeitskollegin zweifelsohne sämtliche Frauen und damit sich selbst. Sie bestärkte den patriarchalen Stereotyp der Hausfrau, die an den Herd, aber sicherlich nicht an das Steuer gehört. Nun stellt eine patriarchale Gesellschaft, die auf einem gegensätzlichen System aus zwei Geschlechtern aufbaut, unweigerlich Erwartungen an beide Seiten. Eine Gesellschaft, die Frauen das Vermögen korrekt einzuparken aberkennt, stellt Männer in die Pflicht diese Erwartungen zu erfüllen. Eine Gesellschaft, die Frauen am liebsten in der Rolle der Hausfrau sieht, sieht Männer zwangsläufig in der Rolle des Ernährers und des erfolgreichen Familienoberhaupts. Es ließen sich noch unzählige weitere Beispiele finden.
Feminismen sollen in erster Linie dazu dienen, diese schädlichen und falschen Rollenbilder aufzulösen und in letzter Konsequenz ein selbstbestimmtes Leben für alle Menschen ermöglichen. Aus diesen Gründen halte ich es für unumgänglich, sich auch als Mann mit Feminismen und neuen Ansätzen zur Umgestaltung der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt, weil wir, die weißen, heterosexuellen und westeuropäischen Männer dieser Gesellschaft, unsere Privilegien zu diesem Zweck nutzen können und sollten! Frauen und ihre Mitstreiter*innen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie emanzipiert und erfolgreich für ihre Rechte einstehen. Vieles hat sich zum Besseren gewandelt und doch muss sich noch so vieles ändern. Wir sind empathisch, wir sind betroffen und wir haben die Handlungsfähigkeit massiven Einfluss auf das Geschlechterverständnis in dieser Gesellschaft zu nehmen. Wir sind unweigerlich in der Pflicht, uns feministisch zu engagieren.

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