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Transweiblichkeit im Feminismus – eine schwierige Liebesgeschichte

Transweiblichkeit im Feminismus – eine schwierige Liebesgeschichte published on 3 Kommentare zu Transweiblichkeit im Feminismus – eine schwierige Liebesgeschichte

Von Fee_ministisch

Feminismus ist kein Haus, Feminismus ist ein Garten.

Feminismus ist nicht unveränderlich, nichts das sich abschließen lässt. Feminismus ist eine Bewegung, die sich immer wieder selbst herstellen muss. Mit jeder Generation kommen neue Gedanken, Ideen und Herausforderungen auf uns zu und es ist ein ständiges Austarieren zwischen dem Machen und Verarbeiten neuer Erfahrungen und dem Respektieren des Wissens unserer Vorgänger*innen.

Feminismus ist ein Garten. In jeder Jahreszeit, jeder Generation erfindet sich der Feminismus neu, baut auf dem alten, wächst weiter, wird stärker und fügt neues hinzu. Und immer wieder gibt es die Frage: Wer gehört dazu? Für wen ist der Garten? Für alle? Für Frauen? Für welche Frauen? Für welche anderen, diskriminierten Gruppen?

Feminismus ist nicht eine Bewegung. Feminismus ist ein Zusammenschluss von vielen Bewegungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die solidarisch zusammenstehen, zumindest zumeist. Gemeinsam setzen wir uns ein gegen Sexismus, Lookismus, Rassismus, Homosexualiätsfeindlichkeit, und vielen weiteren Achsen der Diskriminierung, die im Queerfeminismus auch oft als Herrschaftsform verstanden werden. Herrschaft meint hier, dass andere über uns entscheiden. Darüber, mit wem Frauen Sex haben sollten, ob Homosexuelle Familien haben dürfen, wo Migrant*innen wohnen dürfen.

Für mich als trans Frau bedeutet Feminismus der Kampf für das Recht, die eigene Identität zu definieren und nicht von anderen in Kategorien gedrängt zu werden, die nicht zu mir passen. Jede*r von uns soll selbst entscheiden können, was die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, einer Sexualität, einer Klasse, einer Ethnizität bedeutet. Was wir mit unserem Körper tun und lassen dürfen. Was wir arbeiten dürfen. Es sollen nicht alle grau und gleich werden, wie es dem Feminismus oft vorgeworfen wird, sondern es soll allen die Möglichkeit gegeben werden, bunt und glitzernd zu sein. Menschen sollen sich frei entfalten dürfen. Kurz: Ich definiere dich nicht und du definierst mich nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Fragen des Geschlechts, aber da sich viele außerhalb der Binarität von männlich und weiblich bewegen, geht es schnell um viel mehr.

Eine andere Definition von Feminismus ist: Der Kampf von Frauen gegen männliche Unterdrückung. Dies ist in vereinfachter Form der Leitspruch des radikalen Feminismus. Dieser Leitspruch wehrt offensichtlich alle Herrschaftsansprüche von Männern gegenüber Frauen, ihren Körpern und ihrem Leben ab. Fordert fundamentalen (radikalen) gesellschaftlichen Wandel um die Lebenswirklichkeit von Frauen zu verbessern. Radikalfeminist*in ist hier eine Selbstbezeichnung von Personen, die einen grundlegenden Wandel im Geschlechterverhältnis anstreben. Auf den ersten Blick schließen sich Queerfeminismus und Radikaler Feminismus nicht aus. Aber: Viele Strömungen des Radikalfeminismus behandeln ausschließlich die Unterdrückung von Frauen durch Männer, bzw. Männlichkeit und sind damit auf die Geschlechterbinarität angewiesen.

Hier beginnt das Problem: Wer definiert, wer auf welcher Seite der Unterdrückung steht? Radikalfeminist*innen führen Argumente wie „männliche“ Sozialisation oder „männliche“ Privilegien an, die sie in transweiblichen Personen vermuten, wenn sie diese aus ihren Räumen und Diskursen ausschließen. Auch ausführliche und verständliche Argumente, warum auch trans Frauen einfach Frauen sind, werden oft nicht akzeptiert. Sie können sie nicht akzeptieren, da dies auf der theoretischen Ebene den Grundsatz „Männer gegen Frauen“ infrage stellen würde. Binarität ist einfacher. Dann ist klarer, wer „drin“ und wer „draußen“ ist.

In diesem fundamentalen theoretischen Punkt kommen Queerfeminismus und Radikalfeminismus nicht zusammen: Entweder die Selbstdefinition ist gültig (Queerfeminismus) oder nicht (Radikalfeminismus). So entsteht die Bezeichnung transexkludierender Radikalfeminismus. Im Englischen: Trans Exclusionary Radical Feminism, kurz „TERF“. Dieser Zusatz ist wichtig, da es auch Radikalfemist*innen gibt, die trans-inklusiv denken. „TERF“ ist keine Beleidigung, sondern eine Bezeichnung.

Zu dem theoretisch-konzeptionellen Problem kommt die emotionale Ebene. Viele cis Personen fühlen sich noch diffus unwohl bei Menschen, die sichtbar einen trans Hintergrund haben. Dabei verlaufen sich feministisch orientieren Menschen und schreiben dumme Artikel wie diesen und behaupten Trans sei ein Trend. Nein, trans sein ist nicht trendy, sondern oft tödlich, insbesondere für schwarze transgeschlechtliche Frauen. Das Unwohlsein wird auch durch ungewohnte Vorstellungen ausgelöst, wie die Vorstellung, ein Mensch mit Penis könne sich in der Frauenumkleidekabine umziehen oder ein Mensch mit offensichtlichem Bartschatten auf einer Frauenparty erscheinen.

Gefühle muss man ernst nehmen, aber auf keinen Fall darf man ihnen automatisch recht geben, denn viele Formen der Diskriminierung entstehen durch nicht reflektierte Gefühle. Diese Gefühle spiegeln dann Stereotype wieder, die wir unser Leben lang mitgegeben bekommen haben. Frauen als Wähler*innen, politische Aktivist*innen oder Staatsführer*innen haben sich lange für viele falsch angefühlt. Amerika hatte schon einen schwarzen Präsidenten, aber noch keine Frau. Wir alle tragen internalisierte, also verinnerlichte, Stereotype und Vorurteile mit uns, die Gefühle in uns auslösen. Das heißt nicht, dass wir den Feminismus nach diesen Gefühlen ausrichten dürfen.

Eigentlich sollte es offensichtlich sein, dass Schutzräume für diejenigen da sein sollen, die Schutz benötigen. Die Menschen mit weniger Privilegien sollten darin unterstützt werden, ihre Stimme zu finden, ihre Geschichte und die Schwachen in ihren gesellschaftlichen Forderungen. In der Gruppe der Frauen sind transweibliche Personen immer noch eine schwächere Gruppe, die Unterstützung bitter, sehr bitter nötig hat.

Transperspektiven bereichern auch den Feminismus. Sie stellen unmittelbar infrage, wie Frauen auszusehen, zu klingen, aufzutreten haben, denn nicht nur trans Frauen haben Gesichtsbehaarung, die laut Gesellschaft nicht da sein sollte. Wir zeigen, dass es viele Arten der Mutterschaft gibt, dass Mutterschaft Schwangerschaft nicht voraussetzt und dass Frausein nicht über die Möglichkeit zur Schwangerschaft definiert wird (immergültige Leseempfehlung: Atwood: Der Report der Magd).

Für mich ist Feminismus kein Kriegsschauplatz sondern ein Garten. Es geht nicht um ein Gegeneinander, sondern ein besseres Miteinander und wo Platz ist für Frauen, da muss auch ein Platz für trans Frauen sein, denn trans Frauen sind Frauen.

 

3 Kommentare

Hallo und danke für den Text, so ein Text hat hier auf eurer Seite irgendwie gefehlt, jetzt kann man sich noch besser was darunter vorstellen, was für euch Feminismus ist. Aber eins verstehe ich nicht, der Satz „Jede*r von uns soll selbst entscheiden können, was die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, einer Sexualität, einer Klasse, einer Ethnizität bedeutet.“
Also meint das jetzt, dass ich selbst darüber entscheiden kann, welche sexualität und klasse ich haben will, oder was meine Zugehörigkeit zu einem Geschlecht und einer Klasse für eine Bedeutugn für mich selbst hat? Ich finde es irgendwie missverständlich formuliert ehrlichgesagt…
Es wurde ja auch auf Facebook diskutiert, aber ich habe das auch nicht so richtig verstanden. Könnt ihr vielleicht nochmal kurz erklären, wie genau das gemeint ist?

Dankeschön und Liebe Grüße
Lisa

Liebe Lisa,
danke für deinen interessierten Kommentar!
Die Textstelle bezieht sich tatsächlich auf die Deutung der eigenen Identität. Meine Erfahrung mit Geschlechtsidentität (und Sexualität!) ist, dass ich sie mir nicht aussuchen konnte.An keiner Stelle meines Lebens. Ich konnte mich nur zu dieser Identität verhalten und ihr eine Bedeutung geben. Aber es soll niemand für mich (oder eine andere Frau!) definieren, was es bedeutet eine Frau zu sein!(Über die Rachel Dolezal – Thematik, um die es auf Facebook auch viel ging, möchte ich als weiße ((https://missy-magazine.de/sprache/)) nicht so viel schreiben, lieber verlinke ich Kat Blaque: https://www.youtube.com/watch?v=gZEsCWWskbY).
Es ist wahr, dass Gesellschaften versuchen bestimmten Kategorienwie Geschlecht gewisse Bedeutungen zu geben (z.B. Frau ->emotional). Feminismus bedeutet für mich diese Zuschreibungen kritisch zu hinterfragen und zu versuchen, alle Menschen dabei zu unterstützen,ihre eigenen Identitätsentwürfe zu finden und zu leben.
Viele Grüße,
Fee_ministisch

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