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Was steht in deinem Utopiealbum?

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Rabia Çalışkan

Vergangene Woche eröffnete die Ausstellung „Utopiealbum. Die Poesie der Utopie“ der Künstlerin Fatima Çalışkan in der Duisburger Cubus Halle. Die Ausstellung findet im Rahmen des Akzente-Festivals statt. Für die Arbeit hat Fatima sieben Menschen aus ihrem Familien- und Freund*innenkreis gebeten, ihre Utopien zu formulieren und eine Seite, für das Utopiealbum zu gestalten. Über die Seiten fand im Anschluss ein gemeinsames Gespräch statt, das aufgenommen wurde und in der Ausstellung zu hören ist.

Rabia Çalışkan

 

Feminismus im Pott: Aber wie passen Utopien und das Poesiealbum eigentlich zusammen?

Fatima: Utopien formulieren und Poesiealben beschriften haben größere Schnittmengen, als ein erster intuitiver Blick vermuten lässt. Beide sind ein ästhetischer Ausdruck von Sehnsüchten, Fantasien und persönlichen Ausdrucksformen. Sie setzen sich in ihrer jeweiligen Spezifika mit einem Ausgangspunkt – dem lyrischen Ich – sowie dem Ziel – einer Wunschäußerung – auseinander und füllen den Weg vom Anfang zum Ende mit literarischen und lyrischen Mitteln.

Das Poesiealbum im Besonderen versichert die Freundschaft von zwei und mehr Personen. Als kleines, quadratisches Büchlein mit Hängeschloss steht das Poesiealbum dabei für Intimität und Verbindlichkeit. Gedanken, Wünsche und Träume, meist in Gedichtform und mit Schönschrift verfasst, sind liebevolle Dokumente aus Kindheitstagen. Es soll die Erinnerung an eine Freundschaft festhalten und an Vergangenes erinnern.

Rabia Çalışkan

Die Utopie hingegen, will zukunftsorientierte Ideen formulieren und tritt zumeist als Schriftstück in Form von Büchern oder Manifesten auf. So wird hier der Ist-Zustand analysiert, Zukunftsprognosen erstellt und ein radikaler Wille zu Veränderung artikuliert. Utopien geben sich Verklärungsfantasien hin und beschreiben Ort, Zeit und Zustand gesellschaftlicher Zusammenhänge an einem Punkt, welcher heute in der Realität zwar denkbar, aber nicht existent ist. Das Poesiealbum hingegen erwächst aus der Realität, nämlich der real existierenden Freundschaft, ohne die es keine Motivation für den Appell zum Eintrag in eben jenes Buch gäbe. Jedoch wird auch hier die Realität um Wünsche ergänzt und die geistige Beziehung zweier Personen romantisiert in der Hoffnung, ewig zu bestehen. Das Poesiealbum steht damit sinnbildlich für einen erhofften Endzustand, den Punkt also, an dem die Freundschaft in alle Zeit positiv und glücklich, ohne Konflikte und Probleme bestehen bleibt. Dieses Ziel gleicht dem der Utopie, denn auch hier soll eine Endzeitsituation beschrieben werden, in der vormalige Missstände nicht mehr zu finden sind und eine neue Gesellschaftsordnung keine Konflikte mehr aufkommen lässt.

Welche Antworten erwarten uns, wenn wir deine Ausstellung besuchen?

Ich kann nur empfehlen, sich Zeit für die Arbeit zu nehmen, das Buch durchzublättern und sich die Audio-Tracks anzuhören. Und zwar zusammen. Es ist eine sehr persönliche Arbeit, bei der sich Personen, die mir sehr wichtig, zu großen Themen Gedanken gemacht haben. Manche von ihnen haben sich auch Gedanken über ihre Beziehung zu mir gemacht, damit gibt es sogar sehr intime Momente im Werk. Meine Aufgabe für diese Personen war ja eigentlich „Wenn wir beide in einer Utopie leben würden, wie sähe sie aus?“ und da haben sie sich auch Gedanken drüber gemacht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 07.04.2019 in der Cubus Halle in Düsseldorf zu sehen.

Mo-So 14-18 Uhr

Fatima Çalışkan arbeitet als Künstlerin und freiberufliche Referentin. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sie sich anhand lyrischer und performativer Ansätze mit alltäglichen Motiven, Verlustgefühlen und Ängsten. Sie ist Leiterin des Instituts für Gegenwartsfiktion. Als Projektleiterin und Referentin vermittelt sie vielfältige ästhetische und kulturelle Themen an vielfältige Menschen. Dabei leitet sie freiberuflich Bildungsprojekte, gibt Workshops und hält Vorträge zu Fragen der transkulturellen Vermittlungsarbeit, Outreach in Kulturinstitutionen und Empowernmentstrategien im Bildungsbereich. Darüber hinaus engagiert sie sich seit fast fünfzehn Jahren gesellschaftspolitisch für die Themen Feminismus und Diversität.

Vielleicht kennt ihr Fatima schon aus einem anderen Kontext: sie ist Ideengeberin und Mitgründerin des Salons der Perspektiven – ein Bündnis für Empowerment und Repräsentanz. Hier könnt ihr das ganze Interview mit ihr nachlesen und mehr über den Salon erfahren.

Viel Spaß in Duisburg!

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