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Lucy

Lucy published on Keine Kommentare zu Lucy

Ein Gastbeitrag von Jazzy O’Bell

Wir benutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns, sagt ein verbreiteter Mythos auf den Luc Besson seinen Film Lucy mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle aufbaut. Lucy wird in Taiwan von ihrem Bekannten Richard dazu gebracht, einen ominösen Koffer an einen noch ominöseren Mr. Jang (Choi Min-sik) zu übergeben. Wenig später wird sie dadurch unfreiwillig zur Drogenkurierin und schließlich zur nächsten Stufe der menschlichen Evolution: Eine neue Superdroge sollte eigentlich in Lucys Bauch nach Europa geschmuggelt werden, gerät aber in ihren Blutkreislauf. Laut der Grundannahme der Story haben wir ja bisher evolutionsmäßig ziemlich versagt und verschwenden Unmengen Energie, um ein Organ zu versorgen, das zum Großteil sinnlos in unserem Körper rumhängt. Bei Lucy ist das nun nicht mehr der Fall: Die neue Superdroge sorgt bei ihr dafür, dass nach und nach immer weitere Teile ihres Gehirns aktiviert und genutzt werden können. Natürlich findet die Drogenschmuggelgang von Mr. Jang es gar nicht so gut, dass Lucy nun als eine Art Superheldin gemeinsam mit ihrem neuen Bekannten, dem Polizisten Pierre del Rio (Amr Waked), durch die Gegend zieht und versucht, die anderen Drogenkuriere abzufangen. Ihr Ziel ist hierbei das Labor von Samuel Norman (Morgan Freeman), einem Professor der sich mit der Evolution des menschlichen Gehirns beschäftigt.

www.variety.com
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Die Geschichte von Lucy ist selbst für Science Fiction ziemlich unglaubhaft und oft in sich unlogisch. Man kann zudem durchaus 90 Minuten damit verbringen, sich zu fragen, wann es jetzt endlich losgehen wird mit der Story, da man Lucys Superkräfte vielleicht etwas cooler einsetzen könnte, als mit einem Polizisten, dessen Relevanz und Rolle für die Story und den Film nicht einmal ihm selbst ganz klar sind, durch die Gegend zu cruisen oder mit einem (mit unfassbar langsamer Sprechgeschwindigkeit) banale Weisheiten von sich gebenden Wissenschaftler und seinen nicht sehr hilfreichen Kollegen in einem Labor abzuhängen.

Von der Handlung abgesehen macht der Film allerdings sehr viel Spaß. Es werden immer wieder kurze Sequenzen eingeblendet, die Parallelen zum Tierreich ziehen sollen und hier, genau wie wenn Lucy auf ihrem Schreibtischstuhl sitzend durch die Geschichte der Menschheit reist, wird die Handlung durch die großartig eingesetzte Reizüberflutung nebensächlich. Die zahlreichen Actionelemente sind zwar nicht sehr innovativ aber ebenfalls durchaus unterhaltsam und Scarlett Johansson hat bei mir nach diesem Film definitiv einige Pluspunkte gesammelt. Langatmig ist der also Film nicht und mit einer Packung Popcorn durchaus ein guter Zeitvertreib. Ihn noch einmal sehen oder lange über die Inhalte nachdenken, wird man allerdings auch nicht.

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Endlich zuhause

Endlich zuhause published on Keine Kommentare zu Endlich zuhause

von Mille Fleur

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Bild: Rosine Wagemut und Bea

Es ist Dienstagabend. Spätsommer. Müde, verschwitzt und zufrieden mache ich mich nach dem Sport auf den Heimweg. Der Weg ist recht kurz, draußen ist es noch warm. Ich behalte meine Sportkleidung einfach an. Ich kann ja bald unter die Dusche hüpfen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich Sporthose und –top anlasse. Was ist denn auch dabei?

Der Heimweg ist immer derselbe: eine große, stark befahrene Straße in der Bochumer Innenstadt. Viele Menschen sind unterwegs, der Berufsverkehr ebbt langsam ab. Ich gehe an einer Reihe von Ladenlokalen vorbei, über die große Kreuzung. Kurz vor der Autobahnbrücke spricht mich plötzlich jemand an. Kann man es überhaupt ansprechen nennen? Vielmehr drückt er mir einen Spruch: „Du hast wirklich einen geilen Arsch!“.

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Als „Die ZEIT“ den Sexismus ins Zeitalter der digitalisierten Pubertät hinüberrettete

Als „Die ZEIT“ den Sexismus ins Zeitalter der digitalisierten Pubertät hinüberrettete published on Keine Kommentare zu Als „Die ZEIT“ den Sexismus ins Zeitalter der digitalisierten Pubertät hinüberrettete

 ein ideologiekritisches Essay

(Triggerwarnung: verschiedene Formen von Gewaltsexualität)

Ein Gastbeitrag von Jana Klein

Unter dem Titel „Cybermobbing: Lauras Entblößung“  ist Anfang Juli in der ZEIT ein langer Artikel zum Jugend-Phänomen des „Sexting“ erschienen. Obwohl sich der Artikel darin wähnt, die Perspektive und die Leiden eines Mädchens zu schildern, dessen intime Filmaufnahmen durch einen Jungen in ihrer Schule verbreitet worden sind, reproduziert er eine sexistische Rezeption von geschlechtsbezogener Gewalt. Die einzige Perspektive, die der Artikel dadurch effektiv vertritt, ist die Täterperspektive. Im folgenden soll der beispielhaft für den jüngsten Diskurs um „Sexting“ stehende Artikel einer Kritik unterzogen und dargestellt werden, wie Erwachsene dafür Sorge tragen, dass sich ihre sexuellen Hierarchien in der Welt der Pubertierenden wiederholen.

 Eine 14jährige, von der Autorin Jana Simon „Laura“ genannt, hatte von einem ihr unbekannten Jungen über das Internet eine Videoaufnahme zugeschickt bekommen, auf der er masturbiert. Auf die Aufforderung, ein ähnliches Video zurückzusenden, filmt sich Laura 20 Sekunden bei derselben Tätigkeit und schickt sie dem Jungen zu. „Knapp zwei Wochen später kennt ihre Klasse das Video, einen Tag darauf die Parallelklasse, schließlich die ganze Schule einer norddeutschen Großstadt“.

Was folgt, nennen vermeintliche Expert_innen seit einigen Jahren „Mobbing“: Niemand möchte mehr mit Laura zu tun haben, sie wird abfotographiert, angerempelt, eine Mitschülerin eröffnet eine Hass-Gruppe auf WhatsApp. Die Autorin interviewt Mitschülerinnen: „Wie kann man so was machen? Freiwillig!?“, „Laura sei widerlich, eine Schande, ein Stück Dreck“. Als ihre Mutter erfährt, dass schon wieder jemand ein Foto von ihr weiterverbreitet hat, habe sie ihr gesagt: „Weißt du nicht, was du uns damit antust? Bin ich die Mutter der Nutte der Stadt?!“. Laura und einige Mitschülerinnen von ihr führen Gespräche mit einer Sozialarbeiterin, eine Anwältin wird in die Schule eingeladen. Laura muss sich vor unzähligen Autoritäten entblößen und rechtfertigen, Konsequenzen für die Täter gibt es keine. Sie wechselt die Klasse, in der es dann ganz langsam wieder besser wird.Continue reading Als „Die ZEIT“ den Sexismus ins Zeitalter der digitalisierten Pubertät hinüberrettete

Facebooks Genderpolitik: Zuckerbrot und Peitsche?

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Ein Gastbeitrag von Galumpine

Während Facebooks neue Geschlechtseinträge in Deutschland erst diesen Monat eingeführt wurden, ist dies in den Vereinigten Staaten schon im Februar passiert. Dort waren am Mittwoch verschiedene Trans*-Aktivist*innen zu Gast in der Konzernzentrale, um gegen den Klarnamenzwang zu protestieren, den der Social-Media-Konzern in den USA nun strenger umsetzt. Der Liberalisierung der Genderbezeichnungen folgte ein umso strengeres Bestehen auf der Authentizität der Persönlichen Daten, das vor allem finanziell motiviert zu sein scheint.

In den vergangenen Wochen ging eine Löschwelle durch die USA. Vermeintliche Fakes wuren gelöscht, Profile von Drag Queens in deren bürgerliche Namen umbenannt. Eine Praxis, die an konservative Politiker*innen erinnert, die ihre Abneigung gegen die ESC-Gewinnerin Conchita Wurst zum Ausdruck brachten, indem sie konsequent deren bürgerlichen Namen benutzten. Hierzulande scheiterten Google und Facebook bisher an der Durchsetzung der Klarnamenpflicht, offiziell verlangt Facebook den bürgerlichen Namen, zu massenhaften Löschungen kam es bisher aber nicht. Google schaffte den Zwang im Juli sogar ab und erlaubt Pseudonyme bei Google-Konten ab sofort explizit.

#MyNameIsRoma

Die Drag-Queen Sister Roma aus San Francisco war vor kurzem Betroffene einer solchen Löschaktion und startete eine Twitterkampagne unter dem Hashtag #MyNameIsRoma. Sie gehört zum Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz, die in nonnenhaften Trachten für die Rechte von LGBT* und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten eintreten. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Ableger, darunter in Köln und nicht selten sieht man die Schwestern etwa bei queeren Parties Kondome verteilen. Der Kunstbegriff entstand bei der Ordensgründung in den Vereinigten Staaten. Er kann wahlweise mit „immerwährende Duldung oder „ewige Ausschweifung“ übersetzt werden.

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Mein Minirock und ich.

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von Frau Fuchs

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Dass ich als hochsensibler Mensch jegliche Blicke und Bewegungen, Farben und Gerüche der Menschen spüre und wahrnehme, das empfinde ich als eine Gabe.

 Dass ich als hochsensibles Wesen feine Schwingungen in Räumen einfange und mir schnell kalt wird, während andere noch schwitzen, dass es mir nicht schwer fällt mich in Gesellschaft aufrichtig und höflich zu verhalten, dass ich gerne Miniröcke trage, das empfinde ich als etwas Eigenes.

 Dass ich als hochsensible Frau jegliche anzügliche Absichten von Männern, Ansätze ihrer Gedankenverläufe, ihrer Drehbücher im Kopf, die Sprüche und Geräusche, subtil infame Gesten und mimische Expressionen wie kleine Pfeile auf meinem Körper, meiner Hülle, meinem Außen spüre, das ist keine Gabe, das ist kein Geschenk, das ist ein sozialer Tatbestand, eine Verletzung, die mich regelmäßig und immer wieder einholt und die ich versuche durch die Taktik der Verdrängung zu vergessen.

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