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Die Verwandlung. Der DivaCup: Ein Erfahrungsbericht

Die Verwandlung. Der DivaCup: Ein Erfahrungsbericht published on 2 Kommentare zu Die Verwandlung. Der DivaCup: Ein Erfahrungsbericht
The Red Shoes (Dans Scene)
Heißa, ich menstruiere! (Filmszene aus „Red Dancing Shoes“, 1948)

von Frau Fuchs

Als ich im Alter von zwölf Jahren das erste Mal meine Periode bekam, schämte ich mich so schrecklich, dass ich weinen musste und meiner Mutter, so als hätte ich etwas angestellt, eine Art Beichte ablegte. Sie nahm mich in den Arm mit den Worten „Das ist doch nicht schlimm. Da musst du doch nicht weinen. Geh‘ da mal ins Badezimmer, im Regal, da findest du Binden, die kannst du dir einfach wegnehmen.“

Am Anfang war die Damenbinde.

So begann dann also meine Zeit als menstruierende Frau auf der Erde. Und da meine Mutter für mich wegweisend im Umgang mit diesem Umstand war, ahmte ich sie in ihrem Verhalten nach, was nicht gerade sehr fortschrittlich war. Ich nutzte die Damenbinde, da meine Mutter Tampons und dergleichen verschmähte.
Da sie selber eine sehr starke Blutung hatte, kaufte sie für sich immer recht robuste, nein, sind wir mal ehrlich, gefühlt matratzendicke Einlagen, sodass man schnell das Gefühl bekam, eine Pampers zu tragen, wenn man so da saß auf einem der vielen Holzstühle im Klassenraum unter vierunddreißig anderen (und davon ein total toller Junge, in den man schon seit drei Monaten verschossen war) und sehr garstigen pubertierenden Menschen. Wie ein Riesenbaby, was sich in die Hose gemacht hatte, bewegte man sich nur minimal vom Platz aus Angst vor dem absoluten Horrorszenario, welches man sich bereits seit Beginn der Verwendung von ultrastarken Damenbinden im Kopf zusammengesponnen hatte: Was, wenn das Blut an der zwischenzeitlich im Slip verrutschten, ungleichmäßig vollgesogenen Binde an der Seite vorbeigelaufen ist? Ja, vorbei an diesen tollen und laut Werbeversprechen doch so verlässlichen Flexiflügeln? Ein dunkelroter, klitschnasser Fleck am Hintern, ähnlich penetrant verlaufend wie Tinte, bloß noch viel eindrücklicher und das alles vor der gesamten Klasse im Englischunterricht. Ein Alptraum, das wissen wir alle. Die Vorstellung lähmte mich und ich verhielt mich an sechs Tagen des Monats nicht bloß aufgrund unfassbarer Rücken- und Leibschmerzen, sondern synchron dazu aufgrund dieser furchtbaren Panik wie ein paralysierter Zombie. Das ging tatsächlich einige Jahre so und neben den negativen Auswirkungen auf mein Wohlbefinden stand ich darüber hinaus auf Kriegsfuß mit der diskreten Entsorgung dieser Riesenteile. Irgendwann in der letzten Phase meiner Pubertät wollte ich mich dann, wie all die anderen schlanken, schönen und blonden Mädchen meiner Klasse (zu denen ich selbstverständlich nicht zählte), auch wie ein schlankes, schönes, blondes Mädchen fühlen und dazu gehörte es, Tampons zu benutzen. Sie nahmen erstens nicht viel Platz in der Handtasche weg, waren zweitens zumeist rosa oder pink verpackt und waren drittens in einer sehr handlichen sowie unauffälligen Größe genau richtig dafür, sich an öffentlichen Orten geschützt zu fühlen. Tatsächlich führten Tampons dazu, dass meine Hemmungen vor zu vielen Bewegungen von heute auf morgen verschwanden und ich verspürte ein unbeschreiblich großartiges Gefühl von Freiheit trotz Periode. So wurde ich ein großer Fan von o.b. comfort, und zwar von denen mit der unglaublich fantastischen Silk-Touch-Oberfläche. Nach wie vor blieb allerdings das Entsorgungsproblem ungelöst.

Wohin mit meinem Müll?

Im Laufe meiner 20er entwickelte ich mich zu einem sehr umweltbewussten und reflektierten Menschen und begann meinen Konsum auf recycelbare, nachhaltige und regional hergestellte Produkte zu konzentrieren, was nach wie vor natürlich in jedem Fall eine Frage des Geldes ist. Und so kamen mir selbstverständlich von ganz alleine auch große Bedenken bei der Verwendung von Tampons und ich stellte mir den immensen Anteil vor, den Frauenhygieneartikel zum gesamten Abfall der Welt beitrügen. In einer Online-Recherche über Produktalternativen zu Damenbinden oder Tampons stieß ich auf die Menstruationstasse, die weiß Gott nicht als innovative Entdeckung gelten kann, sondern bereits seit den 1930ern existierte, aber nie oder nie nach außen kommunizierten richtigen Durchbruch beim Konsumenten feierte. Ich war begeistert davon, eine weitere Option für die Entsorgung meiner Körperausscheidung zu haben und selbstbestimmt darüber entscheiden zu dürfen, ob ich mit meinen gebrauchten Tampons einmal im Monat Müll produziere oder nicht. Bewusst entschied ich mich gegen den Baumwollpfropfen, den ich mir regelmäßig eingeführt hatte und den ich trotz seines verlässlichen Schutzes als nervig und unhygienisch empfand. Gemeinsam mit einer guten Freundin bestellte ich mir in einem Onlineshop den DivaCup. Neben dem DivaCup gibt es selbstverständlich noch weitere Anbieter*innen auf dem Markt, jedoch wählten wir das Produkt dieses Unternehmens aus, was zugegebenermaßen sicherlich ein wenig an der pinken Verpackung gelegen haben könnte.

femDivaCup
Die Entdeckung: Der DivaCup von Diva International Inc

Binnen eines Viertels meines Lebens durchlief ich eine ganze Evolution. Im Zuge meiner Erfahrungslinie mit Frauenhygieneartikeln zeichnen sich eine Annäherung und eine Befriedung mit meinem Körper ab. Ich bin interessiert und zugleich fasziniert an/von den Vorgängen, zu denen mein Körper von Natur aus befähigt ist. Das Menstruationssekret, was aus deiner und meiner Vagina tritt, ist nicht ekelhaft, es ist nicht abstoßend, es ist eines der wenigen Dinge, die wir an uns haben, die noch einigermaßen natürlich sind. Ich bin froh und stolz, dass ich menstruiere. Weil es zeigt, dass ich noch einen Kontakt habe zu meiner körperlichen Ursprünglichkeit.

Nachfolgend möchte ich euch meine persönlichen Erfahrungen mit dem DivaCup schildern. Solltet ihr ihn auch ausprobieren, kann euch dies möglicherweise als kleiner Ratgeber behilflich sein. Ich wünsche euch ganz viel Freude damit!

Meine DivaExperiences:

Der DivaCup ist verpackt in einem pinken Karton und erinnert so manche Anwenderin an ein typisches Mädchenspielzeug. Nach Öffnen der Verpackung an der oberen Lasche ziehe ich das Produkt aus dem kleinen Karton. Ausgekleidet ist es mit einem Streifen Papier zur optischen Stabilität. Ein floral gemustertes, pinkes Stofftäschchen zur Aufbewahrung sowie eine Produktbeschreibungsbroschüre liegen anbei.
Nach dem Entfernen des Papierstreifens säubere ich den Silikoncup unter klarem Leitungswasser und befreie ihn von Rückständen, die der Papierstreifen hinterließ.

Anwendung:

Um den DivaCup einzuführen, empfiehlt es sich den Körper in eine liegende Position zu bringen. Wenn du unterwegs bist, ist das eher unmöglich, denke ich mir. Allerdings klappt es wirklich gerade am Anfang leichter, wenn du dich auf dein Bett legst. So habe ich es zumindest während der „Trockenübungen“ ausprobiert. Nach und nach eignete ich mir dann eine praktikable Technik für den Alltag an. Meines Erachtens nach wird jede Frau ihre eigene Art und Weise für sich entdecken den Cup erfolgreich in die Scheide einzuführen. Angenehm für mich ist es, den Cup in der sitzenden Position oder in der Hocke einzuleiten. Dafür knicke ich ihn, wie in der Anleitung als U-Form beschrieben, an der Öffnung zusammen, sodass er ganz schmal wird, und schiebe ihn vorsichtig in die Scheide ein. Unterstützend hierzu kann ein entspanntes Ausatmen dabei helfen, dass dir dies etwas schneller glückt.

Entspanne dich!

Wenn er nun tief genug sitzt, drehe ich ihn mit Zeigefinger und Daumen in eine beliebige Richtung herum, sodass er sozusagen „aufploppt“ und aus dem geknickten Zustand heraus in seine originale Trichterform zurückspringen kann. Manchmal ist ein passendes leises Geräusch ein Anzeichen hierfür und du kannst sicher sein, dass der Cup korrekt sitzt.

Ich spüre ihn im Vergleich zu einem Tampon genauso wenig, um genau zu sein gar nicht, wenn er die optimale Lage hat. Der Tragekomfort kann jedoch je nach Feuchtigkeit der Scheide leicht variieren. So kann es vorkommen, dass du den Cup als Fremdkörper in dir beim entspannten Sitzen auf dem Sofa oder dem Bett leicht spürst, aber es ist in jedem Fall schmerzfrei. Hält dieses Gefühl dauerhaft an, überprüfe ich auf der Toilette den Sitz des Cups und schiebe ihn ggf. in die richtige Position.

In der ersten Phase (2. und 3. Tag) der Periode, in der in meinem Fall der höchste Anteil des Menstruationssekretes ausgeschieden wird, entferne ich den Cup für gewöhnlich alle 6-8 Stunden. Sicherlich kann man ihn auch noch längere Zeit im Körper lassen, aber – vermutlich aus den Gewohnheiten mit Tampons – gibt es mir ein sicheres Gefühl, den Cup zu entfernen, ihn mit dem angesammelten Blut in der Toilette zu entleeren, ihn am Waschbecken abzuspülen und wieder einzusetzen. Die lange Tragemöglichkeit des Cups ist meiner Auffassung nach besonders in der Nacht sehr angenehm.

Bisweilen hat es noch keine einzige Situation gegeben, in der das Menstruationsblut außerhalb des Cups geflossen ist. Demnach bietet der DivaCup einen verlässlichen Schutz, was beispielsweise eine Damenbinde je nach körperlicher Betätigung nicht leisten kann.

Das Entfernen des Cups erweist sich anfänglich als kleine Herausforderung, vielleicht, weil ich in Blogs gruselige Erfahrungsberichte gelesen habe, in denen diese Prozedur als schmerzvolles Unterfangen beschrieben wurde. Stattdessen habe ich an meinem eigenen, wirklich sehr feinfühlenden Körper erfahren, dass mir nichts Schmerzhaftes widerfahren wird, insbesondere dann nicht, wenn ich alles zuerst einmal sehr vorsichtig durchführe. Es ist alles eine Frage der Übung. So greife ich also mit Zeigefinger und Daumen den kleinen Stiel, der mir als Orientierung dient, um die genaue Lage des Cups zu observieren. Ich gleite ein Stück weiter an das untere Ende des Cups und drücke die Seiten zusammen, sodass Sauerstoff ins Innere des Körpers drängt und der Behälter keinen Unterdruck in der Vagina erzeugt. Die Einsetzungstechnik bewährt sich auch beim Entfernen: Ich klappe beim Herausziehen wieder die Seiten zu einer U-Form zusammen, versuche aber dabei den Cup gerade zu halten. Dann entleere ich das Gefäß über der Toilette, spüle den Cup am Waschbecken aus (evtl. mit milder Handseife) und setze ihn erneut ein.

Für unterwegs, so schlägt es auch der*die Autor*in der Produktbroschüre vor, gilt folgende Lösung des Reinigungsproblems aufgrund öffentlicher Sanitäranlagen: Du leerst den Cup einfach über der Toilette aus, setzt ihn erneut ein und reinigst ihn bei nächster für dich praktischen Gelegenheit. Somit bereitest du dir keine unnötigen Umstände mit einem lästigen und nebenbei sehr unhygienischen „Hygienebeutel“, der dazu auch noch alles andere als umweltverträglich ist und – in Kombination mit der Damenbinde oder des gebrauchten Tampons – wirklich etwas Abstoßendes aus der Menstruation als solche macht. Ich frage mich, ob eine solche Erfindung und ein solcher Umgang mit diesem natürlichen Sachverhalt einem weiblichen Kopf entsprungen ist.

DivaCupBag
DivaCup Täschchen

Fazit:

Umweltbewusster, selbstbestimmter Konsum, einmaliger Anschaffungspreis, Haltbarkeit bis zu 10 Jahre, sehr angenehmer Tragekomfort und schnell handhabbar.

Note: 1,4 (sehr gut)

Informationen zum Produkt:

Produkt:  DivaCup 
Firma:  Diva International Inc. 
Philosophie des Herstellers: 

Reduktion des negativen Einflusses der Frauenhygiene auf die Umwelt, Alternative zu Tampons (Risiko des TSS)

 

 

Image des Produktes:

nachhaltiges, leicht zu handhabendes Produkt, langer Tragekomfort (bis zu 12 Std./Tag), Förderung einer neuen weiblichen Selbstfürsorge

Material:  

ohne Chemikalien, aus „hochwertigstem“ medizinischen Silikon

 

Herstellungsort: Kanada
Preis: ca. 19,00 Euro exkl. zzgl. Kosten
Verfügbarkeit:

in 2 Größen erhältlich (Modell 1, Modell 2), Online-Shops oder ausgewählte Ladenlokale (Shop-Suchfunktion auf der Homepage des Herstellers)

Anmerkung: Ich möchte Feminismus im Pott bewusst nicht als Werbefläche für das Unternehmen Diva International Inc nutzen, sondern nur meine positiven, subjektiven Erfahrungen mit diesem Produkt teilen. Selbstverständlich gibt es, wie bereits erwähnt, weitere Anbieter*innen ähnlicher Produkte, mit denen ich mich bis zu diesem Zeitpunkt nicht genauer auseinandergesetzt habe. Ich freue mich daher über Hinweise, Tipps oder Empfehlungen zu weiteren Neuentdeckungen und positiven Erfahrungen!

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Weiteres zum Thema lesen:
In Tassen menstruieren und Spaß dabei von LI
LOONCUP – Ein kritischer Kommentar von ThM

2 Kommentare

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