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Aktivismus in Zeiten von Corona: Simin Jawabreh

Aktivismus in Zeiten von Corona: Simin Jawabreh published on Keine Kommentare zu Aktivismus in Zeiten von Corona: Simin Jawabreh

Wir müssen standhaft bleiben und weiterhin sagen: Feminismus heißt Klassenkampf. Antirassismus ist Klassenkampf – weil dieses System eben auf überausgebeutete Subjekte angewiesen ist, um sich halten zu können.

Wer bist du und wofür engagierst du dich?

Simin ist als Aktivistin in Berlin in diversen antikapitalistischen antirassistischen und feministischen Bewegungen organisiert und macht sich stark für soziale Gerechtigkeit und die Gestaltung anderer Gesellschaftsweisen.

Die Studentin der Politikwissenschaft arbeitet außerdem in der politischen Bildungsarbeit und referiert regelmäßig zu Themen wie Racial Capitalism, Intersektionalität, Polizeikritik oder dekolonialen Perspektiven auf Migration- und Grenzregime.
Simin ist zusätzlich journalistisch aktiv und teilt ihre Politik und Perspektiven ebenso digital auf Instagram (@siminjawa).

Inwiefern hatte Corona Einfluss auf deine aktivistische Tätigkeit?

Sehr viele langaufgebaute Struktur- und Handlungsprozess mussten umgemünzt werden. Das hat aber sehr gut funktioniert.
Was wir aktuell durch Corona erleben ist v.a. eine Gesundheitssystemkrise –in einem anderen System, welches bedürfnisorientiert wirtschaftet, keine Impfpatente vergibt, Krankenhäuser nicht knapp gespart hätte, usw. wäre das auch nicht eine derartige Krise.

Systemische Ungleichheiten wurden also nochmal verstärkt sichtbarer gemacht. Sei es z.B. der Fokus auf systemrelevante Jobs: das System funktioniert eben nicht über den Bankier, sondern über die Menschen, in den Produktionsstätten. Sei es die immanente Wichtigkeit von feminisierter Reproduktionsarbeit für das System, sei es ein institutioneller Rassismus oder rigide Abschottungspolitiken – ich glaube das ist vielen Menschen nochmal viel klarer geworden in diesen Zeiten.

Ich habe dadurch großes Potential dafür in dieser Krise gesehen, dass Menschen sich radikalisieren und die unabwendbare Notwendigkeit eines Systemwandels sehen – da, wenn wir so weiter machen, dieser Planet und wir gleich mit erlischen.

Es bestand demnach ein viel größeres Interesse an unseren Bewegungen – das gilt es jetzt aber auch gut zu kanalisieren und für sich produktiv zu machen, damit die Wut eben nicht nur im Raum steht. Wir müssen diese Menschen abholen und dazu einladen, sich mit uns zu organisieren und für ein solidarischeres Miteinander stark zu machen.


Was können wir als Aktivist*innen tun, damit die Bewegung nicht stillsteht? Was brauchen wir als aktivistische Community, um handlungsfähig zu bleiben?

Ich hatte wie gesagt nicht den Eindruck, dass wir innerhalb unserer sozialen Bewegungen durch Corona stillstanden. Es wurden jegliche Besprechung sehr schnell auf das Online-Format angepasst. Aktionen und Demonstrationen im Rahmen der Maßnahmen fanden weiterhin genauso statt. Für mich war die Mentalität eher gegenteilig: Die Krise ist bereits da!
Jetzt erst recht!

Außerdem war es viel eher so, dass aufgrund der erhöht verbrachten Zeit online, soziale Bewegungen mehr Sichtbarkeit für sich generieren konnten – das gilt es nun viel häufiger für sich zu nutzen und als Tool zu entdecken. Eine Schwierigkeit besteht hier aber nach wie vor – mit und ohne Corona: Wir müssen zugänglich bleiben, dürfen uns nicht zu exklusiv abschotten, um eben ein breites Bündnis aufzubauen. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht von liberaler Seite vereinnahmen lassen – die radikale Kritik darf sich also nicht verwischen. Durch das vermehrte Interesse an Sozialen Bewegungen – wie z.B. bei BLM- wurde viel radikale Kritik von identitätspolitischen Ansätzen überschattet. Wir müssen standhaft bleiben und weiterhin sagen: Feminismus heißt Klassenkampf. Antirassismus ist Klassenkampf – weil dieses System eben auf überausgebeutete Subjekte angewiesen ist, um sich halten zu können.
Es geht nicht um mehr Schwarze Frauen z.B. in Führungsetagen – es geht darum, keine Führungsetagen zu haben. Es geht nicht darum, dass alle mal ausbeuten dürfen und nicht nur der weiße bürgerliche Mann – es geht darum, ein System ohne Ausbeutung und Leid zu haben.

Welche Message möchtest du den Menschen noch mitgeben?

Eine andere Welt ist möglich. Ein menschliches Leben für alle ist möglich. Nur nicht in diesem System.

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