Skip to content

Alle Blogartikel in chronologischer Reihenfolge.

Nutze die Suchfunktion und die Schlagwortwolke auf der rechten Seite, um Beiträge zu bestimmten Themen zu finden.

Solwodi NRW e.V. – Ein Interview mit der Sozialpädagogin Frau Masselink

Solwodi NRW e.V. – Ein Interview mit der Sozialpädagogin Frau Masselink published on Keine Kommentare zu Solwodi NRW e.V. – Ein Interview mit der Sozialpädagogin Frau Masselink

von A.Bendroth

url
Bild: Solwodi e.V.

A.Bendroth: Frau Masselink seit wann gibt es Solwodi in Duisburg und was ist ihr Arbeitsauftrag?                                                                                                                          Frau Masselik: Unsere Einrichtung gibt es seit 1997 und wurde von Schwester Leonie Beving gegründet.Wir sind eine Beratungsstelle für Migrant*innen, Flüchtlinge, Frauen, die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffen sind und Hilfe suchen. Dazu kommen auch noch Minderjährige, die von sexueller Gewalt betroffen sind.

Was wird betroffenen Frauen in Ihrer Einrichtung bereitgestellt?     

Zunächst einmal haben wir sieben sogenannte Schutzwohnungen für unsere Klient*innen. Es sind Einzelzimmer, die jeweils mit einem Bett, Schreibtisch und Schrank ausgestattet sind. Zwei Frauen teilen sich jeweils ein Badezimmer und es gibt eine Gemeinschaftsküche.
Es gibt eine gemeinsame Freizeitgestaltung, das heißt wir organisieren einmal in der Woche einen Kochabend, Ausflüge ins Kino oder Schwimmbad.
In unserem Haus haben wir gewisse Regeln, die von den Frauen beachtet werden müssen. Zum Beispiel müssen sie bei längerer Abwesenheit, also wenn sie auswärts übernachten, angeben, wen sie besuchen und an welchem Ort sie Freunde treffen.

Was zeichnet Ihre Arbeit aus?
Die Nähe zu den untergebrachten Zeug*innen ist zum einen praktisch, da wir sofort bei Fragen leicht erreichbar sind; zum anderen bedingt derartige Nähe auch eine gewisse Abgrenzung. Die täglichen Themen und Aufgaben, die mir die Zeug*innen stellen, sind kaum planbar und meine Arbeit ist dadurch flexibel. Diese Spannweite macht meine Arbeit sehr spannend. Zu unseren wichtigsten Aufgaben zählt es die Klient*innen zu stabilisieren.

Continue reading Solwodi NRW e.V. – Ein Interview mit der Sozialpädagogin Frau Masselink

Wiegen ist scheiße!

Wiegen ist scheiße! published on Keine Kommentare zu Wiegen ist scheiße!

von wiesonur | http://blog.ruinendisteln.de/

10384539_815711141810719_4769734563600949363_n
Bild: observando.net

Meine Gute-Laune Reihe wird um einen weiteren, persönlichen Befreiungsmoment erweitert.
Wie wahrscheinlich viele Menschen und sehr viele Frauen*, beschäftigte ich mich solange ich mich erinnern kann mit der Bearbeitung meines Körpers – besonders meines Gewichtes. Warum ich das mache? Ganz klar: Tief verinnerlichte Selbstobjektifizierung. Das hatte immer Höhen und Tiefen, mein ganzes Leben lang. Besonders einprägsam war eine Phase, in der ich in 2 Monaten von 75 auf 62 Kilo gehungert hatte. Anlass war diese ausschlaggebende Situation:

Ich esse eine Waffel.
Ein fremder Typ fragt mich: „Ey, kann ich was von deiner Waffel haben?“
Ich: „Nein.“
Er: „Alleine essen macht dick.“
Sein Freund: „Siehst du doch!“
(allgemeines Auslachen)

Continue reading Wiegen ist scheiße!

Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin

Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin published on 1 Kommentar zu Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin

von Kira Rollsing

Ich sitze in der ersten Sitzung des Seminars „Einführung in die Geschlechterforschung“ bei Frau Prof. Sabisch. Das Seminar zu Beginn des Studiums, das mitunter sämtliche Masterstudierende in den Gender Studies belegen. Im Volksmund ist der Studiengang auch als „Pseudowissenschaft“ bekannt. Ungefähr 40 Menschen sitzen im Raum, die komischerweise auch aus anderen Instituten kommen. (Wer macht das freiwillig?!) Erstaunlich viele Männer sind zu sehen. Circa 12. Trotzdem sind die Frauen in der Überzahl. Gierig starren sie die Männer an, fantasieren mit welchen Ideen sie die Männerwelt vernichten könnten. Sie fokussieren diese 12 Männer, stellvertretend für alle Männer auf der Erde, wie eine Beute und denken darüber nach, wie sie ihr Leben noch schwerer machen könnten. Und endlich gibt es dieses Fach, Gender Studies, das sie bei ihrem Vorhaben unterstützt. Die Professorin, oder auch „Pseudoforschungsfaulenzer[in]“ genannt, steht vorne. Sie begrüßt die neu gewonnenen „Stuhlgangswissenschaftler[innen]“, den Nachschub an Tyranninnen. Ihre Hosentaschen sind voller Steuergelder.

So zumindest, scheint sich das ein großer Teil Deutschlands vorzustellen. Die stellt sich allerdings durch die „böseste Frage aller Fragen“ heraus: „Wer bezeichnet sich als Feminist oder als Feministin?“ Ungefähr ein Drittel der Studierenden zeigt auf. Männer und Frauen gleichermaßen. Das ist nicht sonderlich viel. Und auch meine Hand bleibt unten. Warum?

url

Continue reading Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin

Die Gefühle der Frauen: Die Nibelungen, Schauspielhaus Bochum

Die Gefühle der Frauen: Die Nibelungen, Schauspielhaus Bochum published on Keine Kommentare zu Die Gefühle der Frauen: Die Nibelungen, Schauspielhaus Bochum

von Frau Fuchs

„Es wuchs in Burgonden ein schönes Mägdelein,

Wie in allen Landen nichts schöners mochte sein.

Kriemhild war  sie geheißen und war ein schönes Weib,

Um das viel Degen mussten verlieren Leben und Leib.“

(Das Nibelungenlied, Wie Kriemhilden träumte; Übers. Karl Simrock, 4. Auflage, 1844)

Wir sitzen versunken – tief – im Publikumsgraben, sind umgeben von Licht und Bühne und schwarzen Lamellen an den Seiten, die den Raum verschmälern. Geteilt werden wir, die Masse im Dunkel, durch einen langen vertikal zum Bühnenschiff angeordneten Steg, der eine schicksalhafte Erzählfunktion einnimmt. Auf ihm getragen, schwimmend auf einem Meer an Zuschauern, erscheinen und verschwinden die zwölf Darsteller*innen.

Dunkel und hell zugleich ist’s.

Und wir einer brennenden, tobenden Kriemhild (Jana Schulz) ganz nah, die den Mord an ihrem Geliebten, Siegfried (Felix Rech), rächen will. Gebündelte Energie aus den verschiedensten Richtungen: zwei kraftvolle Hauptdarstellerinnen und dann diese unfassbar echte Figur des Hagens (Werner Wölbern). Insgesamt spannt uns das großartige Ensemble des Bochumer Schauspielhauses fest ein in die tragische Erzählung über die königliche Familie der Nibelungen, die letzten Endes im Höllenschlund zu ertrinken droht. In der Theaterinszenierung nach Friedrich Hebbel (Mitte des 19. Jh.) wird ein besonderer Blick auf die zwei leidenschaftlich agierenden Frauencharaktere geworfen: Auf der einen Seite die nach außen stark wirkende, aber in Wirklichkeit unermesslich verletzte Kriemhild, die für ihre eigene Vorstellung von Gerechtigkeit kämpft und auf der anderen Seite die mutige, männermordende Brunhild (Minna Wündrich mit imposanter Stimme), die angeblich stärkste Frau der Welt, der im Verlauf des Vorstellungsabends immer mehr ihrer Erhabenheit gestohlen wird und sie letztendlich wie eine zerbrochene Vase in Scherben am Boden liegt. Doch ist keine von ihnen die Böse, nein, beide erfahren sich in der Rolle des Opfers. Diese Gemeinsamkeit ermöglicht neben der großen allumgebenden Kabale aber auch Loyalität zwischen den beiden Frauen, die durch die Heirat Brunhilds mit König Gunter (Kriemhilds Bruder) nun einer Familie angehören.

Mir kann keiner etwas anhaben.

Hier ploppt die verstaubte Idee eines naturalisierten Zusammenhaltes zwischen Frauen als unterdrückte Gruppe des gleichen Geschlechtes auf. Beide tragen ihr gebrochenes Herz vor sich her, dadurch scheinen sie sich näher. Und auch auf die vermeintliche Selbstüberschätzung, die sich bei beiden in der Annahme der Unverwundbarkeit zeigt, folgt der Fall. Offenkundig ist dies die Krankheit, an der alle Figuren des Stückes leiden: Hochmut. Siegfried sei da das populärste Beispiel…

Emotionalität versus psychologische Ränkespiele.

Was mit dem Ende der Geschichte beginnt, verfolgt von einer fesselnden Neugierde der blickenden Augen aus dem Zuschauermeer, dieser Kniff des Regisseurs Roger Vontobel zahlt sich aus. Wie kam es zu einer solchen Misere? Jedoch sollte man keine Stückaufarbeitung bezüglich verfestigter Geschlechterrollen erwarten: So wiederholen sich immer währende stereotype Bilder vom Scheitern der Frau an ihrer übertriebenen Emotionalität und vom Mann, dem es als Einziger in dieser Welt gelingen kann, intrigant erfolgreich zu operieren ohne dabei entlarvt oder ferner noch sanktioniert oder herabgewürdigt zu werden. Altbewährter Stoff wird zu altbewährten Formen verarbeitet. Wer darüber hinwegsehen kann, wird einen kathartisch vereinnahmenden und reichhaltigen Theaterabend erleben dürfen, getragen von einer originär wilden und sagenhaften Erzählung, wie einem ebenso heldenhaften Aufgebot an Schauspieler*innen.

nibelungen_1950(Foto Quelle: Schauspielhaus Bochum)

Nächste Vorstellungen
23.05., 18-23:00 Uhr, Schauspielhaus Bochum

24.05., 16-21:00 Uhr, Schauspielhaus Bochum.

http://www.schauspielhausbochum.de/spielplan/die-nibelungen/

Utopien sind gut

Utopien sind gut published on Keine Kommentare zu Utopien sind gut

Maxi Braun (Erstveröffentlichung trailer-ruhr.de 07. Mai 2015)

Laurie Pennys feministisches Manifest „Unsagbare Dinge“ fordert mehr Gerechtigkeit für alle Geschlechter

Wer die aktuelle Debatte und die medialen Hass- und Liebeserklärungen zum aktuellen Stand des Feminismus verfolgt, muss erkennen: der Feminismus ist tot.
Die Frauenbewegungen verhalten sich in den letzten Jahren wie der Rest der zunehmend globalisierten Welt: heterogen, pluralistisch und manchmal auch widersprüchlich.

Da es den Feminismus als einheitliche Strömung nicht mehr gibt, wird nach neuen Modellen gefahndet. Die ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ widmete ihre Ausgabe vom 28.4.2015 einer durchaus selbstkritischen Reflextion des eigenen Umgangs mit Frauen(themen), die Nummer 17 der Wochenzeitung „Der Freitag“ unterstreicht mit dem Titelthema „Mir nach, Leute! Der Feminismus ist eine Erfolgsstory. Manche wollen das nicht begreifen“ die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Feminismus und auch trailer-ruhr lieferte im März mit dem Monatsthema FRAUENMENSCHEN eine Bestandsaufnahme.

In diese Richtung geht auch Laurie Penny mit ihrem Manifest „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“. Die noch nicht einmal 30-jährige Autorin, Bloggerin und Journalistin schreit uns auf knapp 280 Seiten ein wütendes Pamphlet entgegen, in dem sie persönliche Erfahrungen, politische Entwicklungen, akademisches Wissen und die daraus gezogenen Schlüsse zu größtenteils Polemik verdichtet.

Schon zu Beginn stellt die gebürtige Britin klar: „Dieses Buch hilft euch nicht dabei, einen Mann zu finden, eure Frisur zu richten oder euren Job zu behalten. Dieses Buch handelt von Liebe, Sex, Schönheit und Ekel, Macht, Leidenschaft und Technik.“ Ebenso schnell wird deutlich, dass sich Pennys Kritik nicht pauschal an die üblichen Verdächtigen wie die Medien, den Staat, die Pornoindustrie oder gar an die Männer richtet. Ihr Buch ist im klassischen Sinne kein feministisches Werk, denn Ziel ihrer stilistisch eigenwilligen und von revolutionärem Pathos durchwirkten Attacken ist nicht der Antifeminismus, sondern das kapitalistische System.

Anders als FEMEN oder Alice Schwarzer lehnt sie Prostitution oder Pornografie nicht kategorisch ab. Untypisch ist auch, dass sich Penny als Romantikerin sieht und ein ganzes Kapitel der Liebe und zwischenmenschlichen Beziehungsformen widmet. Als digital native liefert sie zudem ungewöhnliche Einblicke in den Komplex „Sexistische Gewalt im Internet“.

Die Männer oder die „verlorenen Jungs“, denen sie ebenfalls ein eigenes Kapitel zugesteht, definiert sie gleichsam als Verlierer einer paternalistischen Herrschaftsform, die alle Geschlechter unterdrückt. Die nur scheinbar über Frauen herrschenden Männer sind auch nicht die Urheber dieser Gesellschaftsordnung. Durch den ihnen zugestandenen Einfluss werden sie davon abgehalten, Machtverhältnisse, die auch sie selbst an ihrer Entfaltung hindern, kritisch zu hinterfragen. Gleiches gelte verstärkt für alle, die von der heterosexuellen cisgender-Norm abweichen.

Feminismus als Instrument

Dreh- und Angelpunkt ist aber auch für Penny das Frauenbild, das Instrument zur Umsetzung revolutionärer Visionen bleibt der Feminismus. Die großen Fortschritte, die FrauenrechtlerInnen auf dem Terrain von Recht und Selbstbestimmung in den letzten Jahrzehnten erwirkt haben, bewertet sie kritisch. Die Verheißung der Gleichberechtigung richte sich vornehmlich an die Karrierefrau, die sowohl ihr intellektuelles, als auch ihr erotisches Kapital fortwährend im Sinne des Neoliberalismus maximiert und nun alles sein und haben kann: 60-Stunden-Woche, Kinder, Haushalt, Beziehung und anschließendes Burnout.

Für Penny ist diese fortwährend schöne und erfolgreiche Frau „ausnahmslos weiß und fast völlig fiktional.“ Sie verlangt stattdessen eine Stimme für alle Frauen, die von diesem Ideal abweichen, denn generell gelte für Frauen noch immer „Wir haben Objekte des Verlangens zu sein, nicht verlangende Subjekte“. Sexismus ist ihrer Meinung nach immer dann präsent, wenn nur ein Geschlecht betroffen ist. Das zeigt sich ihrer Meinung nach auch bei den medialen Identifikationsangeboten. „Gute kleine Jungs sollen davon träumen, die Welt zu verändern. Gute kleine Mädchen sollen davon träumen, sich zu verändern“.

Mehr Phantasie bitte!   

Anders als WELT-Autorin Ronja von Rönne, die Anfang April 2015 unter dem Titel „Warum mich der Feminismus anekelt“ perfekt vorführte, wie man als Wohlstandstöchterchen hedonistisch soziale Gerechtigkeit am eigenen, und nur am eigenen Erfahrungshorizont abmisst, ist sich Penny ihrer privilegierten Stellung durchaus bewusst. Ihr Anspruch ist kein geringerer, als eine bessere Welt für alle sozial Benachteiligten, wenn schon nicht zu schaffen, dann doch wenigstens gedanklich zu antizipieren.

Früher nannte man diese Denkweise übrigens Utopie oder in ihrer unpolitischen Variation die Phantasie von einer besseren Welt. Eine Qualität, an der es der EU-Politik zwischen Ukraine-Konflikt, IS-Terror und Griechenlandkrise – kurz angesichts der vielgestaltigen Anforderungen der Postmoderne – zu fehlen scheint.

Wer „Unsagbare Dinge“ zur Hand nimmt, darf weder eine stringente, noch eine ausnahmslos sachliche Argumentation, einfache Antworten oder klare Handlungsanweisungen erwarten. Der Stil schwankt zwischen poetisch-plakativen Zeilen wie „Der Neoliberalismus kolonialisiert unsere Träume“ und Statements wie „die ideale Frau ist fickbar. Fickt aber nie selber“, die beide im Gedächtnis bleiben.

Neben intimen, autobiografischen Einblicken spricht „Unsagbare Dinge“ gesellschaftliche Probleme aus, die all jene angehen, die sich eine gerechtere Gesellschaft für Frauen und Männer wünschen und das gegenwärtige System nicht als der Weisheit letzter Schluss und schon gar nicht als geeignet für die Anforderungen unserer Zeit empfinden. Am harten Realismus orientiert sich aber Pennys letzter Appell: Vor uns liegt ein langer Weg, der weh tun wird. Fangt an.

nautilus_pb
Laurie Penny
„Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“
aus dem Englischen von Anne Emmert
Edition Nautilus, 2015

Primary Sidebar

Schrift anpassen
Hohe Kontraste
Zur Werkzeugleiste springen