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Impressionen zum Minifestival im Theater Oberhausen (08.03.18)

Impressionen zum Minifestival im Theater Oberhausen (08.03.18) published on 1 Kommentar zu Impressionen zum Minifestival im Theater Oberhausen (08.03.18)

Der Frauen(kampf)tag stand 2018 unter dem Oberthema „100 Jahre Frauenwahlrecht“. Wir hatten das Glück, an vielen unterschiedlichen Veranstaltungsformaten mitwirken zu dürfen und haben den 8. März als sehr empowernden, stärkenden, solidarischen Tag erlebt.

Das obligatorische Selfie!

Besonders zahlreich waren wir beim Minifestival vertreten, das durch Elena von Liebenstein und Lucie Ortmann konzipiert wurde (Hier findet ihr ein Interview mit den beiden) und bei dem wir Kooperationspartnerin sein durften.
Wir haben den Austausch mit den Teilnehmer*innen und die Workshops sehr genossen und haben für euch nun einige persönliche Gedanken zu diesem tollen Event zusammengetragen.

Viel Spaß beim Lesen!

Unser Einhorn begleitet uns treu auf all unsere Events!

Johanna:
Bunte Lichterketten und feministische Menschen schaffen im Saal 2 eine außergewöhnliche Stimmung. Im Vorfeld haben wir von Feminismus im Pott uns viele Gedanken gemacht, Texte geschrieben und Werbung gemacht. Ich bin gespannt und hoffe, dass viele Menschen sich zu dem Festival hingezogen fühlen. Die Menschen kommen zahlreich, freuen sich, hören interessiert zu, sind respektvoll. Sekt, kurze Reden und Brötchen eröffnen den Abend

Unser Stand mit Infomaterial, Zines, Postkarten, Einhorn und Nervennahrung.

und das Mini-Festival. Mit einem bunten Bändchen am Arm werde ich durch die Innereien des Theaters zu meinem Workshop geführt, vorbei an riesigen Kissen, eingeschlossenen Stühlen und durch enorme Tore in den

Keller, wo ich mich setze um Alex Alvina Chamberland in einem dimmen Kellerraum zu performen sehen. Ich höre und sehe Energie, Wut, Verzweiflung, Weltschmerz, Mut und Feminität. Ich bin tief beeindruckt, aufgewühlt, als ich nach der Performance wieder zu mir komme. Es gibt ein Nachgespräch in dem Alex Alvina auf unsere Fragen eingeht und wir unsere Eindrücke einordnen können.

Später an Stand habe ich viele spannende Diskussionen zu Feminismus und den anderen Workshops. Ich mache mir etwas Sorgen, dass sich vor allem formal gebildete Menschen von feministischen Festivals in Theatern angesprochen fühlen, aber ich freue mich sehr darüber, dass das Theater Oberhausen sich entschlossen hat, Feminismus in sein Herz aufzunehmen.

Ein Interview mit der Performance-Künstlerin Alex Alvina Chamberland findet ihr ebenfalls auf unserem Blog!

Lena:
Ein feministisches Theaterfestival in Oberhausen – wer hätte das gedacht? Ein Ort, der einst eine tolle Theaterkultur hatte, nun aber doch eher für seine Tristesse und sein Konsumparadies, das Centro, denn für seine Kunstlandschaft, bekannt ist. Aufgrund der Unscheinbarkeit dieses Veranstaltungsorts, freute ich mich aber umso mehr, ja war

Bevor es losging.

noch neugieriger, was mich vor Ort wohl erwarten würde.
Und ich kann sagen: ich wurde aufs Positivste überrascht. Das kleine Theater, wie ich es noch aus meiner Kindheit kenne, wurde in eine schillernde Sphäre feministischer Zusammenkunft verzaubert. Feminist*innen aus allen Generationen, aber auch Menschen, denen diese Veranstaltung einen Auftakt für die Sammlung erster feministischer Erkenntnisse und Erfahrungen bot, versammelten sich unter einem Dach, kamen ins Gespräch, lachten zusammen, stießen mit ihren Meinungen auch mal (auf konstruktive Art) aneinander oder erfreuten sich einfach der Tatsache, dass wir viele sind, wir die Macht haben Dinge zu verändern. Krönendes i-Tüpfelchen des Abends boten eine Reihe feministischer Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ich nahm am „Aufstand aus der Küche“ teil, ein Reeanactmentprojekt von Mareike Hantschel, Lucie Ortmann und Katrin Ribbe und errechnete dort, gekleidet in einer äußerst adretten Schürze, wieviel Lohn mir für meine wöchentlich geleistete Hausarbeit zustehen würde. Außerdem erfuhr ich mehr über die fantastische Künstlerin Martha Rosler, die mit ihrem Videoprojekt „semiotics of the kitchen“ (1975) auf eine humoristische Art Kritik an der kommerzialisierten Festschreibung der Rolle der „Hausfrau“ nahm. Ich kam nicht zuletzt dazu, über meinen eigenen Schatten zu springen: so wurden wir zu dazu angehalten, dass Küchen-ABC von Rosler mit modernen Haushaltsgegenständen nachzuspielen. Ein Unterfangen, welches mir ein wenig Mut abrang, aber mir letztendlich großen Spaß und ein wenig Stolz bereitete.
Ich hoffe noch vieler solcher bereichernden Abende erleben zu dürfen. Es ist toll, dass wir die Möglichkeit haben, täglich online miteinander in Kontakt zu treten, Pläne zu schmieden und einen feministischen Austausch stattfinden lassen zu können, jedoch hat mir diese Veranstaltung auch gezeigt, wie wichtig und schön es ist, sich auch ab und zu offline zu treffen – zumindest einmal im Jahr, sollte das drin sein 😊.

 

Zerrin:
Auch ich war beim Märzfestival dabei. Ich habe am Workshop „Aufstand in der Küche“ teilgenommen. Tatsächlich hatte ich mir darunter zuerst vorgestellt, dass mindestens eine Person auf einer Bühne steht, die Kulisse eine Küche darstellt und das Publikum einem kämpferischen Monolog oder Dialog über die Wut auf das konservative Frauenbild zuhört. Dabei schwingen die Schauspieler*Innen noch wütend ein Nudelholz oder halten den Rührstab angriffslustig wie eine AK-47. Ja, ich habe mir das sehr bildlich vorgestellt.


Was ich sah, hatte nicht mehr viel mit meinen Gedanken zu tun. Als wir vom Team des Theater Oberhausens in den Vorraum des Theatersaals geführt wurden, erwartete man uns bereits mit einem Kleiderständer voller Schürzen, Jacketts und Krawatten. Uns wurde jeweils ein Kleidungsstück in die Hand gedrückt. Ich bekam eine Krawatte. Ich als großer Fan von Kleidern und Jogginghosen war erstmal etwas verwirrt. „ Hm. Wie binde ich jetzt diese Krawatte?“, dachte ich mir. Zum Glück war zufällig ein Bekannter im gleichen Workshop wie ich und er band sie mir sehr ordentlich um den Hals. Und das Interessante war, dass ich mich direkt in die Pose einer Geschäftsfrau geworfen habe. Denn womit assoziierte ich die Krawatte? Büro, Akten, Arbeit. Ich war nicht die Einzige, die Spaß mit ihrem Kostüm hatte. Auch andere Teilnehmer*Innen ahmten durch Gestik, Mimik und Sprache nach, was ihre Kostüme verkörperten oder verkörpern könnten. Dabei lachten sie.
Nachdem wir alle ein Kostüm bekommen haben wurden wir in einen großen Salon geführt. Überall befanden sich Sofas, Stühle, Tische und warme Lichter, sodass eine gemütliche Atmosphäre entstand. Auch Röhrenfernseher waren im Raum verteilt. Am anderen Ende des Salons befand sich ein Durchgang zu einer Küche mit Bar. Dort befanden sich Erfrischungsgetränke, Kuchen und Häppchen, die wir verköstigen durften. Alles in allem war die Stimmung einladend und fröhlich.
Als es mit dem Workshop endlich losging, begrüßten uns die Workshopleiter*Innen und erläuterten den Ablauf des Workshops. Kernthema des Workshops war der Kurzfilm „Semiotics of the kitchen“ von der Performancekünstlerin Martha Rossler aus dem Jahr 1975, den wir über die Röhrenfernseher gesehen haben. Dazu würden wir anschließend eine neue Version erarbeiten, die eine Schauspielerin des Theater Oberhausens nachspielen würde.
In dem Kurzfilm „Semiotics of the kitchen“, welcher ohne Schnitte in einer Küche gedreht wurde, stellt Martha Rosler das Alphabet mit Küchenutensilien dar. Dazu zeigt sie den jeweiligen Gegenstand, der mit dem Buchstaben aus dem Alphabet beginnt, in die Kamera, benennt diesen und simuliert wie dieses Gerät benutzt wird. Dazu macht sie oft sehr schnelle, spitze Bewegungen und hantiert mit den Geräten auf gewaltvoll angehauchte Weise.

Ich fand es sehr faszinierend, denn Rosler zeigt mit den Geräten, dass diese sehr wohl als Waffen genutzt werden könnten. Das Bild der braven Hausfrau wird verzerrt, indem diese sich die Utensilien zu eigen macht und mit diesen eine potentielle Gefahr darstellt. Und das in ihrem Gefängnis, der Küche. Ein Aufstand in der Küche eben. Die Buchstaben U bis Z ahmt Rosler nur mit ihren Armen sowie Messer und Gabel nach. Am Ende zuckt sie mit den Schultern und beendet damit ihre Performance.
Im Hauptteil des Workshops erarbeiteten wir eine neue Version von „Semiotics of the kitchen“, diese trug den Titel „Das Alphabet der Arbeit“. Jede*r Teilnehmer*In von uns bekam eine Karteikarte auf der ein Gegenstand stand. Diese Gegenstände waren nicht nur auf die Küche bezogen, sondern auch auf andere Berufe. So gab es einen funktionstüchtigen Akkubohrer(den ich bekam…hihi.), einen Infusionsspender, einen Hammer etc. Diesen sollten wir uns von einem Tisch nehmen und uns damit eine kurze Performance ausdenken.
Danach haben wir unser Alphabet aufgeführt. Mit B wie Bohrmaschine war ich direkt die Erste. Ich wollte etwas schocken und habe den laufenden Akkuschrauber auf meine Schläfe zubewegt…und kurz davor dann aufgehört. Ich hatte auch keine Angst, da ich ja wusste, wann ich stoppen musste. Es gab tatsächlich einige schockierte Gesichter. Das fand ich schon etwas lustig. Nach mir kamen viele weitere spannende Beiträge der anderen Teilnehmer*Innen. So wurde beispielsweise das Urinieren in einen „Coffee to go“-Becher simuliert oder aus dem Infusionsspender getrunken. Einige Teilnehmer*Innen orientierten sich an Roslers spitzen Bewegungen. So fuchtelte eine Teilnehmerin mit einer Nadel um sich und stach in die Luft ein.
Am Ende stellte eine Schauspielerin aus dem Ensemble des Theater Oberhausens unsere Inszenierung nach. Damit war der Workshop abgeschlossen.
Ich fand das Thema des Workshops, also die Performance von Martha Rosler faszinierend. Mir gefiel die Art, wie sie mit einfachen Mitteln (keine Schnitte, Frontalperspektive, Alltagsgegestände) die Rolle der Frau parodiert darstellte. Auch der Kontrast zwischen Küchenutensilien als Waffen und der Hausfrau als Gefahr überraschte mich und ließ mich an einigen Stellen lachen, weil Rosler in ihren Bewegungen übertreibt. Mit dieser Reaktion war ich nicht alleine.
Den meisten Spaß hatte ich am interaktiven Teil. Ich liebe es zu schauspielern und hatte daher großen Spaß am Erarbeiten eines eigenen Alphabets. Ich hätte diesen Teil offen gesagt auch viel länger ziehen können oder sogar ein Alphabet ganz alleine durchspielen können. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit. Küchengegenstände und ein Werkzeugkasten befinden sich ja in meinem Haushalt, hihi. Zum Schluss kann ich nur sagen, dass der Abend im Theater Oberhausen echt schön war.

Silvana: 
Ich habe schon lange nicht mehr einen so schönen feministischen Austausch erlebt; der Abend war geprägt durch so viele spannende Begegnungen und Gespräche über alle möglichen Themen, die irgendwie mit Aktivismus, Kunst und feministischen Kämpfen zu tun haben. Dabei hat es mir besonders imponiert, dass trotz eines Zusammentreffens so unterschiedlicher Perspektiven und Situierungen der Umgang stets respektvoll und konstruktiv blieb und zu beobachten war, wie verschiedene Menschen voneinander lernten und sich gegenseitig gestärkt haben.

Keynote von uns <3

Neben diesem wohlwollenden Umgang der Teilnehmer*innen untereinander waren natürlich die künstlerischen Darbietungen ein echtes Highlight, auch für mich, als eine zwar sehr kulturinteressierte, allerdings nicht so theateraffine bzw. -erfahrene Person. Ich durfte am Programmpunkt “Manifest für einen feministischen Führungsstil”, konzipiert durch das Künstler*innenkollektiv Frauen und Fiktion, teilnehmen und bin enorm bereichert aus diesen knapp 90 Minuten des gemeinsamen Nachdenkens und Kreativseins gegangen. Dieses gemeinsame Entwickeln von Formen des hierarchie- und herrschaftsfreien feministischen Zusammenlebens begleitet mich in meinen Gedanken weiterhin und hat mich enorm ermutigt, ruhig etwas utopischer und optimistischer in die Zukunft zu blicken. Es gibt so viele wundervolle Menschen mit ähnlichen Visionen und einige von ihnen durfte ich beim vergangenen Minifestival treffen <3
Was ich außerdem von der Veranstaltung mitnehme? Ich sollte UNBEDINGT (!!!) häufiger ins Theater gehen.

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