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Filmrezension: Zwei Tage, eine Nacht

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von Frau Fuchs

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Die meisten Filme haben eine Farbe, versetzen einen in eine Stimmung, berühren einen mit unterschiedlicher Intensität. Die meisten Filme nutzen alle latenten Wege um die Zuschauer*innen zu binden. Anzusprechen. Die Augen werden verführt.

Weiche Handlungen, seichte Brise, sind zumeist bunt, getränkt in Farben des Sommers. Harte, nüchterne Geschichten werden oft in Erdtönen oder in kalten und kontrastierenden Farben abgefilmt.

Hier sind es die Farben Orange, Sand – die gesamte Palette zwischen Warmgelb und Ocker.

Es ist Sommer irgendwo in einer französischen oder belgischen Stadt. Dort lebt eine Familie: Ein Mann und eine Frau mit zwei kleinen Kindern. Ein Junge und ein Mädchen. Es ist kein Film mit weicher Handlung, kein seichter Stoff wie es der Anblick wehender weißer Bettlaken an der Wäscheleine im hübschen Garten vermittelt. Es ist ein nüchterner Film, ohne musikalische Rahmung, ein realistischer kurzweiliger Spaziergang durch die alltagsweltlichen Gefilde einer europäischen Mittelstandsfamilie. Jedoch hat er weiche Nuancen, ganz unkonventionell und reduziert wird die Geschichte an einem heißen Sommerwochenende im Leben jener Familie illustriert.

Das Paar liebt sich. Zärtlich. Innig. Die Kinder werden geliebt. Und beide Aspekte kommen im Kontext der ökonomisch belasteten Lebenssituation zu kurz.Continue reading Filmrezension: Zwei Tage, eine Nacht

Rückblick: bodytalk: Frauen ~ Bewegung

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von Frau Fuchs

Unvoreingenommen, rein, naiv, ganz ohne Vorwissen, ohne Infoblättchen hier, thematische Einführung da – so betrete ich selten einen Theatersaal.

Die heutige Theaterkultur bewahrt mit ihren ganzen Instrumentarien die gemeinen Zuschauer*innen davor, dass sie sich doof vorkommen, dass sie nichts verstehen würden. Demnach wird einem auch dieser reine Blick wie durch die Augen eines Kindes vorenthalten, schier unmöglich.

Umso schöner, wenn man die Chance dazu bekommt.

 

Was?: „Bodytalk“ Tanztheater, 28.10.2014.

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Foto Klaus Dilger tanzWeb.org

 

Das domicil in Dortmund öffnet seine Pforten. Es ist voll, intellektuell, hipsterüberlaufen, rebellisch. Das Publikum macht neugierig auf Passierendes. Auch ein paar ältere Generationen (Ü 60) gesellen sich dazu.

Das Einzige, was ich weiß, ist: Nackte Haut – Brüste, Schwänze und Tanz.

Alles nicht so mein Fall, aber „Bodytalk“, sprich Körpersprache/-sprechen, das regt an, es lockt.

 

Vorhang auf.

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Gender-Glamour vom Feinsten in der studiobühneköln!

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von Lilli Boheme

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Gestern Abend folgten wir einem Hinweis nach Köln, der uns sehr neugierig machte. Dort wurden wir Teil der ‚Post-Gender-Performance‘ Gendertrouble in GerMANy, einer Koproduktion von ANALOGTHEATER und studiobühneköln.  Ein spannendes Projekt der Kölner Theater- und Performancegruppe,  in dem sich Wissenschaft und Kunst gegenseitig bereichern. Vielversprechend auch, da die Künstler*innen auf dem Felde der Geschlechterforschung von Gender-Expert*innen, wie der Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mithu Sanyal und der Studentin der Gender Studies Giovanna Gilges bei der Entwicklung beraten wurden.

Performance in der Performance?

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Lucy

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Ein Gastbeitrag von Jazzy O’Bell

Wir benutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns, sagt ein verbreiteter Mythos auf den Luc Besson seinen Film Lucy mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle aufbaut. Lucy wird in Taiwan von ihrem Bekannten Richard dazu gebracht, einen ominösen Koffer an einen noch ominöseren Mr. Jang (Choi Min-sik) zu übergeben. Wenig später wird sie dadurch unfreiwillig zur Drogenkurierin und schließlich zur nächsten Stufe der menschlichen Evolution: Eine neue Superdroge sollte eigentlich in Lucys Bauch nach Europa geschmuggelt werden, gerät aber in ihren Blutkreislauf. Laut der Grundannahme der Story haben wir ja bisher evolutionsmäßig ziemlich versagt und verschwenden Unmengen Energie, um ein Organ zu versorgen, das zum Großteil sinnlos in unserem Körper rumhängt. Bei Lucy ist das nun nicht mehr der Fall: Die neue Superdroge sorgt bei ihr dafür, dass nach und nach immer weitere Teile ihres Gehirns aktiviert und genutzt werden können. Natürlich findet die Drogenschmuggelgang von Mr. Jang es gar nicht so gut, dass Lucy nun als eine Art Superheldin gemeinsam mit ihrem neuen Bekannten, dem Polizisten Pierre del Rio (Amr Waked), durch die Gegend zieht und versucht, die anderen Drogenkuriere abzufangen. Ihr Ziel ist hierbei das Labor von Samuel Norman (Morgan Freeman), einem Professor der sich mit der Evolution des menschlichen Gehirns beschäftigt.

www.variety.com
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Die Geschichte von Lucy ist selbst für Science Fiction ziemlich unglaubhaft und oft in sich unlogisch. Man kann zudem durchaus 90 Minuten damit verbringen, sich zu fragen, wann es jetzt endlich losgehen wird mit der Story, da man Lucys Superkräfte vielleicht etwas cooler einsetzen könnte, als mit einem Polizisten, dessen Relevanz und Rolle für die Story und den Film nicht einmal ihm selbst ganz klar sind, durch die Gegend zu cruisen oder mit einem (mit unfassbar langsamer Sprechgeschwindigkeit) banale Weisheiten von sich gebenden Wissenschaftler und seinen nicht sehr hilfreichen Kollegen in einem Labor abzuhängen.

Von der Handlung abgesehen macht der Film allerdings sehr viel Spaß. Es werden immer wieder kurze Sequenzen eingeblendet, die Parallelen zum Tierreich ziehen sollen und hier, genau wie wenn Lucy auf ihrem Schreibtischstuhl sitzend durch die Geschichte der Menschheit reist, wird die Handlung durch die großartig eingesetzte Reizüberflutung nebensächlich. Die zahlreichen Actionelemente sind zwar nicht sehr innovativ aber ebenfalls durchaus unterhaltsam und Scarlett Johansson hat bei mir nach diesem Film definitiv einige Pluspunkte gesammelt. Langatmig ist der also Film nicht und mit einer Packung Popcorn durchaus ein guter Zeitvertreib. Ihn noch einmal sehen oder lange über die Inhalte nachdenken, wird man allerdings auch nicht.

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„In den Muuund??“ 50 Shades of Grey – eine Actionlesung

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Ein Gastbeitrag von Jazzy O’Bell 

Zweitausendzwölf geschah etwas Eigenartiges. Ich bin es gewohnt, dass die Menschen in meinem Umfeld „gerade eingeschaltet haben, als ‚Bauer sucht Frau‘ lief und dann hängengeblieben sind“ oder „beim Durchschalten auf die ‚Bachelorette‘ gestoßen sind“ oder „ein kleiner Waschbär die Fernbedienung geklaut hat und sie nun nur noch das gucken können, was gerade läuft und das ist nun mal zufälligerweise immer ‚Germany’s next Topmodel‘“. Vor zwei Jahren allerdings fielen alle verschämten Ausreden für Trashkonsum weg. Hatte man die Kenntnis über „P.S. Ich liebe dich“ zuvor noch mit einer langen Grippe und furchtbarer Langeweile entschuldigt, wurde es plötzlich mit einem von der Salonfähigkeit von „Twilight“ angeheizten Selbstvertrauen unpeinlich darüber zu reden, dass man Bücher mag, in denen verklemmte Erwachsene mit der emotionalen Reife Dreijähriger semi-wilden Sex miteinander haben. Ohne die Bücher selbst lesen zu müssen, wusste ich stets durch Menschen in meinem Freundeskreis und auch gern mal durch Leute im Café oder der U-Bahn, wann Anastasia Steel wohin gekotzt hat und wie gut oder schlecht Herr Grey das fand (leider nicht derselbe wie im großartigen Film Secretary).

Bild: Rottstraße 5 Theater
Bild: Rottstraße 5 Theater

Offensichtlich hat dieses Buch also etwas Besonderes, dass es über die versteckte Lektüre verwandter Literatur wie „Fürst und Chefarzt Dr. Hansen“ erhebt. Nun bietet sich in der Bochumer Rottstraße 5 die Möglichkeit, dem Roman doch noch eine Chance zu geben. Dort präsentiert Nermina Kukic gerade regelmäßig Inhalte aus dem Buch in einer Actionlesung. Wer Nermina Kukic bereits als Heidi Klum im wunderbaren Besäufnis in der Rottstraße bei „Heidi und die Chicas“ zusehen durfte, weiß, dass man häufiger einen Abend mit ihr verbringen sollte. In der Actionlesung wirkt sie selbst immer wieder fassungslos über das, was sie gerade vorliest. Gemeinsam mit Thomas Kaschel verdeutlicht sie nicht nur literarische Unzulänglichkeiten, öde Handlungen, soziale Fragwürdigkeiten und traurige Formulierungen, sondern auch die anatomische Unmöglichkeit der beschriebenen Sexszenen. Im Verlauf des Abends wird man im Publikum früher oder später mit Thomas Kaschel, mit Maske und viel Latex bekleidet, konfrontiert und muss durch Zettelziehen ein neues Stichwort und somit das Thema der nächsten 60 Sekunden bestimmen. Dabei lernt man die nicht besonders kluge, nicht besonders humorvolle, nicht besonders selbstständige Romanheldin kennen, deren Persönlichkeit außer Zickigkeit, Naivität und der Fähigkeit, verschämt zu kichern, anscheinend nicht viel zu bieten hat. Nermina Kukic verkörpert diese Figur, wie auch bereits Heidi Klum, perfekt, obwohl ihre sarkastischen Anmerkungen und irritierten Kommentare vermuten lassen, dass sie selbst durchaus spannendere Gedanken zu bieten hat als „Verdammte Haare!“.

Die Vorstellung macht durchgängig sehr viel Spaß und ist tatsächlich keine Sekunde ohne „Action“, selbst in solchen Momenten, in denen einfach nur der Text vorgetragen wird. Einzig für das Assi-Toni Solo von Thomas Kaschel sind meine Begleitung und ich nicht popkulturell oder youtubig gebildet genug, weshalb ich mich vier Minuten lang angewidert frage, was da gerade passiert. Insgesamt ist die Lesung eine wunderbare Abendgestaltung, wenn man das Buch nicht kennt, es gelesen hat aber nicht wirklich mochte oder wenn man mitsamt seiner inneren Göttin bereit ist, die Dinge auch mal selbstironisch zu betrachten. Definitiv sollte man sich jedoch nicht zur Actionlesung begeben, wenn man noch ernsthafte Überlegungen anstellt, das Buch zu lesen und vielleicht sogar gut zu finden. Sätze wie „Was macht der denn hier, mit seiner Jeans und den bequemen Schuhen?“ wird man nach diesem Abend sicherlich nicht mehr einfach nur überlesen können, ohne dabei Nermina Kukics Interpretation des Gesagten im Kopf zu haben.

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