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Rezension: Unerschrocken – Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen

Rezension: Unerschrocken – Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen published on 1 Kommentar zu Rezension: Unerschrocken – Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen

von Laura

© Laura

„Mir reicht’s! Ich mache jetzt, was ich will!“

Kürzlich haben wir euch Gute-Nacht-Geschichten über interessante Frauenbiographien vorgestellt, letzte Woche dann eine Sammlung weitgehend vergessener Schwarzer Menschen in Europa. Weiter geht es nun mit einer Graphic Novel beeindruckender Frauen, die sich zu unterschiedlichen Zeiten behauptet haben. Der ein oder andere Name kommt mir recht bekannt vor oder erinnert mich daran, welches Buch noch unbedingt gelesen werden wollte (Brontë-Schwestern).

Aber wer sind bitte Agnodike, Wu Zetian und Lozen?
„Na, die Schwester von soundso oder die Frau von eben demjenigen der!“, heißt es meistens.

© Laura

In ihrem Buch „Unerschrocken“ räumt die französische Illustratorin und Cartoonistin Pénélope Bagieu 15 mutigen Frauen einen eigenen Platz in der Geschichte ein. Charmant bringt sie uns die so unterschiedlichen Leben in Form von kurzen Bildergeschichten näher.

Und mal wieder frage ich mich, warum wir über diese Frauen nichts in der Schule lernen? Wie spannend und inspirierend wäre das bitte?

Vielleicht zu inspirierend? Denn sonst könnten wir uns ein Beispiel an der ersten (und einzigen) chinesischen Kaiserin Wu Zetian nehmen, die sich aus ihrer Rolle als Konkubine befreite, um später ihre eigene Dynastie zu gründen. Wu Zetian war klug und na ja, brutal – wie so einige ihrer männlichen Kollegen (es ist eben vornehmlich die Macht, die korrumpiert). Im Gegensatz zu diesen war ihre kurze Herrschaft aber ein voller Erfolg: ein florierendes und später dann friedliches Kaiserreich.

Oder wir trotzen allen Schönheitskonventionen, wie die französische Bar(t)besitzerin Clémentine Delait, die ihren Bartwuchs nicht mehr verstecke, sondern im 19. Jahrhundert ein Geschäft darauf aufbaute: eine erfolgreiche Wirtschaft mit dem Namen „Le Café de La Femme à Barbe“ (Café der Dame mit dem Bart).

© Laura

Vielleicht würden dann aber auch noch mehr Frauen ihre Stimme gegen eine korrupte und grausame Politik erheben, wie die dominikanischen Mirabal-Schwestern Maria, Patria und Antonia. Im Kampf gegen Despoten Trujillo setzen sie ihr Leben aufs Spiel. Ihnen zu ehren führten Aktivistinnen der Latin American and Caribbean Feminist Encuentros in den 1980er Jahren den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ein. Im Jahr 1999 griffen ihn die Vereinten Nationen offiziell auf.
Wissen ist Macht – und eine Waffe im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit.

Das macht diese Bücher so wichtig: sie tragen dazu bei, Frauen zurück in die Geschichte zu schreiben und uns von ihrem Mut, Geist und Witz zu erzählen. Und es gibt Grund, sich zu freuen: die zweite Ausgabe ist in Frankreich bereits erschienen!

© Laura

Allerdings muss ich bei aller Euphorie auch Anna Mayrhausen (Missy Magazine 5/17) recht geben. Sie beklagt, Bagieu bediene sich in der Darstellung ihrer Protagonistinnen kultureller Stereotype, wie im Fall der Tänzerin und späteren Aktivistin Josephine Baker, die sie weiterhin im Bananenrock zeigt. Ich teile ihre Kritik und finde es schade, wie hier Ästhetik über das Selbstverständnis der Akteurin überwiegt.

Pénélope Bagieu
Unerschrocken: Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen
Übersetzerinnen: Heike Drescher und Claudia Sandberg
144 Seiten, farbig, 19 x 26 cm, Hardcover mit Prägung
EUR 24,00
Reprodukt
[Rezensionsexemplar]

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