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Rezension: Das feministische Mach-Mit-Buch

Rezension: Das feministische Mach-Mit-Buch published on 1 Kommentar zu Rezension: Das feministische Mach-Mit-Buch

von Laura

„Bist du eine Feministin? Findest du, dass alle Menschen – egal welchen Geschlechts – gleich sind? ‚Na klar, logisch!‘ Juhu! Du bist eine Feministin.“

In ihrem feministischen Mach-Mit-Buch lädt die britische Illustratorin und Comic-Zeichnerin Gemma Correll unter dem Motto „Malt mit! Lacht mit! Macht mit!“ dazu ein, feministische T-Shirts zu designen, einen eigenen feministischen Buchclub zu gründen oder kämpferische Buttons zu entwerfen. Correll ist vielleicht einigen von uns auch durch die populären Illustrationen ihrer zwei Möpse Mr. Pickles und Bella bekannt, die sie unter anderem auf Instagram oder Facebook mit einer großen Followerschaft teilt.

https://www.instagram.com/p/BZEZbc7Dn8F/?hl=de&taken-by=gemmacorrell

Das Buch behandelt eine Vielzahl von Themen, wie zum Beispiel die Repräsentation von Frauen im Film, (Bechdel-Test) und in den Chefetagen, Feministische Klassiker, Musik und Sex. Außerdem gibt Correll den Leserinnen ein „Erste-Hilfe-Set gegen nervige Anmache“ mit an die Hand und dekonstruiert auf spielerische Weise die Doppelzüngigkeit einschlägiger Frauenmagazine. Es handelt sich also um einen graphisch aufbereiteten unterhaltsamen Rundumschlag.

An einigen Stellen stellt sich die Frage, ob die hinter den Illustrationen liegenden Debatten zum Beispiel zu #freethenipple nicht im Vorfeld bekannt sein müssen, um den Witz zu verstehen. So erscheint hier Vorwissen nötig zu sein oder die Motivation, Hintergrundinfos zum jeweiligen Thema zu recherchieren.

Auch die „Sammelkarten feministischer Superfrauen“ sind eigentlich eine schöne Idee, irritieren aber in ihrer Umsetzung. Ganz unkritisch werden hier alle genannten Personen mit der gleichen Hautfarbe gezeichnet, also eigentlich keiner, was aber dazu führt, dass Audre Lorde und Laverne Cox genau so weiß erscheinen wie Betty Friedan und Stevie Schmiedel. Das spiegelt den Stil der Autorin wider, trotzdem finde ich die Umsetzung im Sinne der Repräsentation an dieser Stelle nicht gelungen.

Wie auch bereits im Eingangszitat zu erkennen ist, wird Feminismus im Buch stark ans Frausein geknüpft. Zwar werden kurz verschiedene Geschlechtsidentitäten benannt, aber ohne Vorwissen verliert sich dieser Aspekt und bleibt letzten Endes doch dem Mann-Frau-Schema verhaftet. Auch das Thema Intersektionalität, also Mehrfachdiskriminierung, wird nur gestreift.

Auch wenn ich selber mit solchen Büchern nicht viel anfangen kann, finde ich die Idee gut (ich mag aber auch keine Ausmalbücher und die sind unter Erwachsenen der Renner). Jeder Versuch feministischeThemen einem breiteren Publikum näher zu bringen, ist zu begrüßen. Doch wer da letztlich beim „Mach mit Buch“ mitmachen soll, wer die Zielgruppe ist, ist mir auch nach der Lektüre schleierhaft.

Ich kann es mir als lustige, günstige und nicht allzu oberflächliche Geste zum Geburtstag oder Weihnachten vorstellen.Vielleicht auch für Jugendliche, denen man bei einzelnen Themen aber wahrscheinlich noch etwas Support geben muss (sofern sie gewillt sind über Sexspielzeug zu sprechen). Laut Stevie Schmiedel von Pink Stinks fällt das Buch in die Kategorie „feministischer Spielkram“ der „ein grandioses Marketinginstrument“ ist, „um fortschrittliche Gedanken unter die Menschen zu bringen“. Feminismus wird hier hauptsächlich als Spaß verkauft. Das mag eine subversive Strategie sein, politische Arbeit als Livestyle zu verkaufen oder aber auch ein weiterer Schritt zur Banalisierung als Lifestyle. Wie fortschrittlich die hier transportierten Gedanken sind, stelle ich in Frage. Insgesamt sind die behandelten Themen allesamt sehr weiß und heteronormativ – nur die Herangehensweise ist innovativ. Als kreatives Do-it-yourself Buch bricht es nicht nur das Konzept feministischer Texte auf, sondern konstituiert Feminismus grundsätzlich als aktivierend und aktivistisch. Trotzdem kann es für (interessierte!) Feminismus-Neulinge ein bequemer und mit einigen Ausnahmen unkomplizierter Einstieg ins Thema sein.

Das feministische Mach-Mit-Buch
Gemma Correll
Übersetzerin: Ruth Keen
Verlag Antje Kunstmann
12 Euro
64 Seiten
Rezensionsexemplar

1 Kommentar

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