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„Some like it equal“ | Panel-Diskussion zum Thema Gendergerechtigkeit in der Filmbranche

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von Leena

Im Rahmen des INTERNATIONALEN FRAUENFILMFESTIVALS diskutierten Grit Lemke, Autorin und Kuratorin des DOK Leipzig, Katja Rivas Pinzon, Kamerafrau und Mit-Initiatorin der Webseite Cinetmatographersxx Germany, und Simone Stewens, Geschäftsführerin der ifs Köln, unter Moderation von Silke Johanna Räbiger die Fortschritte und Strategien der Gendergerechtigkeit in der Filmbranche.

"Some Like it Equal" – Panel-Diskussion zum Thema Gendergerechtigkeit in der Filmbranche

Gepostet von Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln am Sonntag, 29. April 2018

Wenn es um weibliche Rollenvorbilder in den Medien geht, beißt sich auch aktuell noch  die Katze in den Schwanz: Es fehlen in allen Bereichen die Frauen, die Vorbilder sein können, um Mädchen zu ermutigen, sich traditionell männlich dominierte Berufsgruppen zu erschließen. Die stille Buddy-Quote der Männer und das allgegenwärtige Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – auch dies noch immer vornehmlich eine Hürde eher für Frauen als für Männer – tun ihr Übriges, um heranwachsende Vorbilder wiederum zu begrenzen.

Pro Quote steht zur Quote

Schon 2013 gründete sich aus diesem Grund Pro Quote Regie, damals aus zwölf Regisseurinnen, um die Beschäftigungszahlen weiblicher Filmschaffender zu verbessern. Im vergangenen Jahr, nach sichtbaren Erfolgen im Kulturbetrieb und der Politik, formierte sich der Verein um zu ProQuote Film, in dem nun neun Bereiche der Filmindustrie zusammengefasst sind und ihre gemeinschaftlichen Forderungen an die Branche stellen. Wie Frau Lemke erörterte, gehören dazu neben einer klaren 50:50-Quote der Beschäftigung unter anderem auch gleiche Bezahlung, mehr Genderkompetenz in Ausbildung und Förderung sowie eine Korrektur des Filmkanons mit Blick auf weibliche Filmschaffende in der Geschichte.

Auch in Zukunft will PQF sich für Frauen in der Filmbranche stark machen, etwa indem eine Stiftung zu Förderung von Filmkunst ins Leben gerufen werden soll, um weibliches Filmschaffen sichtbar zu machen. Auch eine Erweiterung um die Bereiche der Filmvermittlung, also Kino und Verleih, und der Filmwissenschaft wird angestrebt.

Frauen hinter der Kamera sichtbar machen

Der Bereich der Kameraarbeit ist durch seine technische Seite besonders von Geschlechterungerechtigkeit betroffen. Katja Rivas Pinzon nannte einen extremen Gender Pay Gap bei Kamerafrauen: So betrug im Durchschnitt die Gage von Kamerafrauen nur 23% der Gage der Männer. Außerdem kämen nur die Hälfte der ausgebildeten Frauen überhaupt im Beruf an – die Hürden der Selbständigkeit treffen auch hier Frauen stärker, da sich Familienplanung damit für sie schwerer darstellt. Frauen seien auch mehr an Projekten mit niedrigem Budget beschäftigt, womit sich Pay Gap und die Sichtbarkeit weiblicher Kameraarbeit gegenseitig beeinflussten.

Um zumindest die Wahrnehmung von Kamerafrauen innerhalb der Branche, aber auch in der Nachwuchsförderung zu steigern, wurde die Webseite Cinematographers XX Germany ins Leben gerufen. Dort können für paritätisch besetzte Produktionen Kamerafrauen gesichtet und kontaktiert werden; Frau Rivas Pinzon betonte aber auch die Netzwerkfunktion der Seite und sprach über die Möglichkeit, im Rahmen von Girl’s Day oder anderen Schulprojekten Mädchen zu zeigen, dass ihnen auch eine Karriere in diesem techniklastigen Beruf offensteht.

"Some Like it Equal" – Panel-Diskussion zum Thema Gendergerechtigkeit in der Filmbranche mit Katja Rivas Pinzon…

Gepostet von Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln am Sonntag, 29. April 2018

Diversity und Genderkompetenz ausbilden

Schließlich stellte die Geschäftsführerin der ifs Köln, Simone Stewens, das Positionspapier zur Gendergerechtigkeit der deutschen Filmhochschulen vor. Darin stellen sich die beteiligten Hochschulen unter den vier Gesichtspunkten Wissen, Macht, Empowerment und Selbstverpflichtung die Aufgabe, sowohl im Angebot für Studenten wie in der Weiterbildung und Sensibilisierung der Lehrenden das Thema Diversity und Gendergerechtigkeit zu fördern.

Wissen steht hier für verstärkt gender- und diversity-sensible Lehre und Forschung. Mit der Erkenntnis, dass Hochschulen „Horte weißer Eliten“ sind, wurde für die kommenden Jahre eine Doppelkonferenz der europäischen Filmhochschulen in Amsterdam und Köln geplant: In Amsterdam Anfang 2019 soll es um Awareness und die Ermittlung des Status Quo gehen, in Köln später im selben Jahr um Change, also die abzuleitenden Handlungsoptionen.

Unter dem Gesichtspunkt Macht wird besonders das Genderungleichgewicht der Lehrenden angesprochen, obwohl wissenschaftliche Mitarbeit annähernd paritätisch besetzt wird. Auch besondere Förderung weiblicher Bewerberinnen in traditionell männlich besetzten Studiengängen ist ein Ziel der Umstrukturierung.

Die Unterstützung des jeweils unterrepräsentierten Geschlechts, derzeit zumeist Frauen, verläuft unter dem Stichwort Empowerment und beinhaltet das hochschulübergreifende Mentoring-Programm Into The Wild – an dem auch Katja Rivas Pinzon beteiligt ist – sowie Coaching und andere Formate.

Für die Zukunft sieht das Positionspapier vor allem die Selbstverpflichtung notwendig, sich in allen Bereichen Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel zu setzen. Dazu gehört die paritätische Verteilung von Chancen, Förderungen und Positionen, die Ausbildung von Genderkompetenz in allen Bereichen der Filmbranche, verbesserte Infrastruktur für berufstätige Eltern und null Toleranz gegenüber sexueller Gewalt und Diskriminierung.

Fazit: Wir fangen gerade erst an

Die außerordentlich strukturierte und zielgerichtete Arbeit der Vereine und Institute, die in der Plenumsdiskussion vorgestellt wurde, macht Hoffnung. Es bleiben noch viele Bereiche, die eine solch gezielte Überarbeitung benötigen: Aus dem Publikum kamen Anmerkungen zum Beispiel zur merklichen Differenz zwischen den Geschlechtern, was die Beträge der Fördergelder angeht. So erhalten zwar anteilig inzwischen mehr Frauen Fördergelder – aber insgesamt einen niedrigeren Betrag als von Männern vorgestellte Projekte. Dies liegt unter anderem daran, dass Autorinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen häufiger bei kleineren Produktionsfirmen vorstellig werden, aber auch daran, dass sie von vorneherein niedrigere Beträge beantragen. Hier sollen Coachings- und Weiterbildungsmaßnahmen wie im Hochschulpapier angesprochen für Ausgleich sorgen.

Auch die Rollenbilder, die durch die Medien in den Haushalten ankommen, stellen noch immer ein Problem für die Gendergerechtigkeit dar. Etwa, dass Wissenschaftssendungen im Kinderfernsehen stets männliche Moderatoren beschäftigen, oder dass auch von Frauen geführte Projekte sich mehr mit männlichen Protagonisten befassen, kurz: Dass Männer im Bewegtbild noch immer in der Überzahl und in der traditionellen Rolle des Aktiven, Zupackenden, Erfolgreichen dargestellt werden.

Die Plenumsdiskussion, in der sowohl die Frauen im Plenum wie im Publikum viel Einigkeit und Solidarität demonstrierten, zeigte die bereits erreichten Erfolge auf, machte aber ebenso deutlich, wo die Problematik weiterbesteht. Das ehemalige Reizwort „Quote“ sorgt vielleicht nicht mehr so sehr für Aufstöhnen und Augenrollen wie früher einmal, aber so lange noch immer von Verantwortlichen und Nachwuchs beiderlei Geschlechts die Frage gestellt wird: „Brauchen wir das wirklich?“, ist die Arbeit nicht getan.

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