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Über Superheldinnen, Stereotype und die Zukunft

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Ein Gastbeitrag von Ronja Mercedes Nabert

Frauen dürfen heute fast alles: arbeiten, abtreiben, studieren; wählen und gewählt werden. Eine immer breitere Akzeptanz finden auch Hosen, Miniröcke und Kopftücher. Nur dass Frauen in Comicadaptionen die Welt retten, ist noch nicht so gerne gesehen. Parodistisch und halbnackt wird ein solches Handeln schon mal geduldet, doch hinter vorgehaltener Hand hat man auch dann nur ein Naserümpfen für diesen Sittenverfall übrig. Zumindest in Hollywood. Vor einigen Tagen nun gab Marvel bekannt, dass für den Sommer 2018 ein Kinostart geplant ist. „Captain Marvel“ soll über die Leinwand laufen. Der Produktionsfirma wurde dieser große Schritt sehr oft angeraten und doch wurden Pläne in diese Richtung in den vergangenen neun Jahren immer wieder verworfen. Captain Marvel ist dieses Mal eine Frau. Die Protagonistin ist eine Frau! Ein guter Anlass, um sich mit den verschiedenen Formen der Marginalisierung von Superheldinnen auseinander zu setzen.

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Quelle: Wikipedia

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Feminismus kommt nicht in die Tüte!

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von Lilli Boheme

Call us ugly to sell us shit_Anonym_2014
Anonym (2014)

„Zeig mir mal, wie ein Mädchen rennt!“ fordert die Frau hinter der Kamera von der Jugendlichen, die im Scheinwerferlicht steht. Sie fängt an zu tippeln, schwingt ihre Arme albern und grinst affektiert. Nur das Gackern fehlt… Niemand kauft ihr ab, dass sie sich so auch nur einen Zentimeter ohne zu fallen von der Stelle bewegen könnte. Die anderen Jugendlichen, die in den nächsten Szenen zu sehen sind, bewegen sich nicht effektiver. Sie scheinen sich lächerlich, zu machen – über Mädchen, über rennende Mädchen und die jungen Frauen letztlich auch über sich selbst. Aber dann kommt der Clou – die jungen Frauen und Männer werden durch präpubertäre Mädchen ausgetauscht. Sie bekommen die gleichen Anweisungen und siehe da, unterlegt mit pathetischer Musik rennen die Mädchen mit verbissenem Blick los und scheinen fast aus dem Bild zu stürmen. Die Zuschauer*in wird gefragt, seit wann die Beschreibung etwas „als Mädchen zu tun?“ eine Beleidigung sei. Ein weiterer Satz wird eingeblendet und weist darauf hin, dass in der Pubertät das Selbstvertrauen von Mädchen stark sinkt. Always will das ändern. Always, die Slipeinlagen-Hersteller*in, die in ihrer Werbung blaue Flüssigkeit anstatt Blut verwendet, möchte ernsthaft den Mädchen und Frauen dabei helfen, ihr Selbstbewusstsein nicht zu verlieren bzw. es zurückzugewinnen? Wie sollen Mädchen und Frauen ein positives Selbstwert- und Körpergefühl entwickeln, wenn Menstruationsblut selbst für eine Slipeinlagen-Werbung zu eklig ist? Die Marke always wird übrigens von dem amerikanischen Unternehmen P&G vertrieben, zu dem unter anderem Kosmetikartikel, wie Gilette Venus („Die Göttin in dir“), Pantene („Entschuldige dich nicht, sondern Glänze & sei stark“) und Maxfactor („Pionier der Schönheitsindustrie“) gehören. Marken mitsamt ihren Produkten ein feministisch-emanzipatorisches Image zu geben, scheint im Trend zu liegen. Auch Dove setzt diese Strategie ein, um eine Fülle von Kosmetikprodukten an die Frau zu bringen. Vielleicht hat Dove diese Strategie sogar begründet – brüsten sich die Markenbetreiber*innen  doch schon seit längerer Zeit damit, mit „normalen Frauen“ Werbung zu machen. Auch hier ein kleiner Markencheck: Dove gehört zum niederländisch-britischen Konzern Unilever, der desweiteren auch Axe (sexistische Werbekampagnen) und du darfst (abnehmen) herstellt.

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Als „Die ZEIT“ den Sexismus ins Zeitalter der digitalisierten Pubertät hinüberrettete

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 ein ideologiekritisches Essay

(Triggerwarnung: verschiedene Formen von Gewaltsexualität)

Ein Gastbeitrag von Jana Klein

Unter dem Titel „Cybermobbing: Lauras Entblößung“  ist Anfang Juli in der ZEIT ein langer Artikel zum Jugend-Phänomen des „Sexting“ erschienen. Obwohl sich der Artikel darin wähnt, die Perspektive und die Leiden eines Mädchens zu schildern, dessen intime Filmaufnahmen durch einen Jungen in ihrer Schule verbreitet worden sind, reproduziert er eine sexistische Rezeption von geschlechtsbezogener Gewalt. Die einzige Perspektive, die der Artikel dadurch effektiv vertritt, ist die Täterperspektive. Im folgenden soll der beispielhaft für den jüngsten Diskurs um „Sexting“ stehende Artikel einer Kritik unterzogen und dargestellt werden, wie Erwachsene dafür Sorge tragen, dass sich ihre sexuellen Hierarchien in der Welt der Pubertierenden wiederholen.

 Eine 14jährige, von der Autorin Jana Simon „Laura“ genannt, hatte von einem ihr unbekannten Jungen über das Internet eine Videoaufnahme zugeschickt bekommen, auf der er masturbiert. Auf die Aufforderung, ein ähnliches Video zurückzusenden, filmt sich Laura 20 Sekunden bei derselben Tätigkeit und schickt sie dem Jungen zu. „Knapp zwei Wochen später kennt ihre Klasse das Video, einen Tag darauf die Parallelklasse, schließlich die ganze Schule einer norddeutschen Großstadt“.

Was folgt, nennen vermeintliche Expert_innen seit einigen Jahren „Mobbing“: Niemand möchte mehr mit Laura zu tun haben, sie wird abfotographiert, angerempelt, eine Mitschülerin eröffnet eine Hass-Gruppe auf WhatsApp. Die Autorin interviewt Mitschülerinnen: „Wie kann man so was machen? Freiwillig!?“, „Laura sei widerlich, eine Schande, ein Stück Dreck“. Als ihre Mutter erfährt, dass schon wieder jemand ein Foto von ihr weiterverbreitet hat, habe sie ihr gesagt: „Weißt du nicht, was du uns damit antust? Bin ich die Mutter der Nutte der Stadt?!“. Laura und einige Mitschülerinnen von ihr führen Gespräche mit einer Sozialarbeiterin, eine Anwältin wird in die Schule eingeladen. Laura muss sich vor unzähligen Autoritäten entblößen und rechtfertigen, Konsequenzen für die Täter gibt es keine. Sie wechselt die Klasse, in der es dann ganz langsam wieder besser wird.Continue reading Als „Die ZEIT“ den Sexismus ins Zeitalter der digitalisierten Pubertät hinüberrettete

Facebooks Genderpolitik: Zuckerbrot und Peitsche?

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Ein Gastbeitrag von Galumpine

Während Facebooks neue Geschlechtseinträge in Deutschland erst diesen Monat eingeführt wurden, ist dies in den Vereinigten Staaten schon im Februar passiert. Dort waren am Mittwoch verschiedene Trans*-Aktivist*innen zu Gast in der Konzernzentrale, um gegen den Klarnamenzwang zu protestieren, den der Social-Media-Konzern in den USA nun strenger umsetzt. Der Liberalisierung der Genderbezeichnungen folgte ein umso strengeres Bestehen auf der Authentizität der Persönlichen Daten, das vor allem finanziell motiviert zu sein scheint.

In den vergangenen Wochen ging eine Löschwelle durch die USA. Vermeintliche Fakes wuren gelöscht, Profile von Drag Queens in deren bürgerliche Namen umbenannt. Eine Praxis, die an konservative Politiker*innen erinnert, die ihre Abneigung gegen die ESC-Gewinnerin Conchita Wurst zum Ausdruck brachten, indem sie konsequent deren bürgerlichen Namen benutzten. Hierzulande scheiterten Google und Facebook bisher an der Durchsetzung der Klarnamenpflicht, offiziell verlangt Facebook den bürgerlichen Namen, zu massenhaften Löschungen kam es bisher aber nicht. Google schaffte den Zwang im Juli sogar ab und erlaubt Pseudonyme bei Google-Konten ab sofort explizit.

#MyNameIsRoma

Die Drag-Queen Sister Roma aus San Francisco war vor kurzem Betroffene einer solchen Löschaktion und startete eine Twitterkampagne unter dem Hashtag #MyNameIsRoma. Sie gehört zum Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz, die in nonnenhaften Trachten für die Rechte von LGBT* und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten eintreten. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Ableger, darunter in Köln und nicht selten sieht man die Schwestern etwa bei queeren Parties Kondome verteilen. Der Kunstbegriff entstand bei der Ordensgründung in den Vereinigten Staaten. Er kann wahlweise mit „immerwährende Duldung oder „ewige Ausschweifung“ übersetzt werden.

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Eine bequeme Wahrheit

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Ein Gastbeitrag von Anna Schiff
(Erstveröffentlichung: ‚Wir Frauen‘ 3/2014)

Manchmal landen auf dem Redakteur*innen-Schreibtisch Bücher, bei denen mensch sich schon vor dem Lesen heimlich fragt, ob es wirklich sein musste, dass dafür ein Baum stirbt. „Tussikratie“ ist eines dieser Bücher. Aber Diskurse über Feminismus beobachten sich ja nicht von alleine, da muss sich die Feministin schon mal in den Morast begeben.

Zu meiner Überraschung konnte ich bereits im ersten Kapitel etwas Neues über mich herausfinden: Ich bin eine Tussi. Das war mir bis zum Lesen des, nennen wir es ruhig Erguss, von Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling nicht klar. Zumindest nicht so eindeutig. Zwar wurde ich durchaus schon in meinem Leben (gerade in der Pubertät) als Tussi beschimpft, aber da bezog es sich auf die mir attestierte weibliche Obsession bezüglich meines Äußeren. Jetzt aber kann ich aus vollem Herzen zustimmen. Aber nicht nur ich – die ganze Wir Frauen-Redaktion und wahrscheinlich auch Sie, liebe Leser*in, – alles Tussis:

„Die Tussi selbst ist solidarisch. Vor allem mit Frauen. Sie hat einen großen Freundinnenkreis und versucht, ein speziell weibliches Netzwerk aufzubauen. Sie hat sich auch um ein Stipendium extra für Frauen beworben […]. Unter Frauen fühlt sie sich sicherer als unter Männern, sie findet Bestätigung bei ihren Geschlechtsgenossinnen, und es ist ihr wichtig, dass die Frauen keinen Keil zwischen sich treiben lassen.“

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