Skip to content

Alle Blogartikel in chronologischer Reihenfolge.

Nutze die Suchfunktion und die Schlagwortwolke auf der rechten Seite, um Beiträge zu bestimmten Themen zu finden.

Fantifa – feministische Perspektiven auf Antifaschismus

Fantifa – feministische Perspektiven auf Antifaschismus published on 1 Kommentar zu Fantifa – feministische Perspektiven auf Antifaschismus

Ein Gastbeitrag von Thea Jacobs

Eine Veranstaltung im Rahmen der Konferenz „Wir müssen mal reden… Antifaschistische Jugendkonferenz“, organisiert von der SJD – Die Falken und der Grünen Jugend

10407051_566530350157644_2523213170301720631_n

Sie lachen, als ich sie frage, wie sie zu dem Thema gekommen sind, ob sie selber schon Sexismus in der Antifa erlebt haben. Ja, na klar haben sie das. An einer bestimmten Situation könne sie es nicht festmachen, es gebe kein Erlebnis, das den Anstoß gegeben hat, aber Sexismus in antifaschistischen Kontexten ist Kathi immer wieder aufgefallen.
Vielleicht war die Situation mit der Polizistin, die auf einer Demo von einem Typen aufs übelste sexistisch beleidigt wurde und sich niemand außer Kathi daran störte, der Auslöser sich mit Alternativen zu beschäftigen.

Die Fantifa-Bewegung ist in den 1990er Jahren aufgekommen. Damals haben sich die ersten feministischen Gruppen in der Antifa gegründet, um einen Raum für antifaschistisches Engagement abseits der männlich dominierten und sexistischen Strukturen zu schaffen. Hier werden Feminismus und Antifaschismus zusammengedacht, um eine alternative antifaschistische Praxis zu entwickeln. Die Fantifa-Gruppen funktionieren dabei auch wie eine Art Schutzraum, in dem Menschen sich frei austauschen können, ohne Mackertum, dominantes Redeverhalten oder sexistische Kommentare.

Kathi kennt von Anifa-Demos im Ruhrgebiet „Macker, die auf Demos gehen und Nazis aufs Maul geben“. Deren antifaschistische Kritik beschränke sich auf „Nazis sind scheiße“. Auch dafür sei die Konferenz wichtig, die SJD – Die Falken und die Grüne Jugend gemeinsam organisieren. Unter dem Titel „Wir müssen mal reden… Antifaschistische Jugendkonferenz“ soll eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Antifaschismus stattfinden. Die reine Konfrontationsebene sei keine sinnvolle antifaschistische Kritik, denn Gewalt, hinter der keine Kritik steckt, sei letztendlich auch faschistisch, meint Kathi. Die Konferenz will Alternativen finden.

Auch Marius, der auf der Konferenz zusammen mit Kathi den Fantifa-Workshop leiten wird, berichtet von seinen Erfahrungen. Die auf Demos sehr martialisch auftretenden Menschen seien überwiegend Männer. Antifa bedeute Kampf für diese und funktioniere nach dem einfachen Schema ‚Wir gegen die‘. Archaische Geschlechterstereotype vom „starken Kämpfer-Mann“ würden auf Demos besonders stark reproduziert, beobachtet Marius. Natürlich würden längst nicht alle Männer „rummackern“, aber das Verhalten der wenigen dominiere die gesamte Demo, wirft Kathi ein.
Tatsächlich seien viele Frauen in der antifaschistischen Szene aktiv, berichten beide. Doch häufig würden Menschen durch die geschilderten Erlebnisse entmutigt, sich stärker einzubringen.

Kritik an der bestehenden antifaschistischen Praxis zu äußern sei schwierig, meint Marius. Antifaschistisch engagierte Menschen reagierten teils ablehnend weil sie sich selbst als anders, als kritisch und als ‚die Guten‘ sähen. Sexismus werde nicht als Problem wahrgenommen. Stattdessen würde Kritik aus den eigenen Reihen teilweise als „Nestbeschmutzung“ erlebt.
Doch gerade weil Sexismus und männliche Dominanz nicht als Problem erkannt würden, ist es für Kathi und Marius wichtig, sich mit dem Thema zu befassen. „Die schon in den neunziger Jahren von Fantifa-Gruppen geäußerte Kritik ist auch heute noch aktuell“, sagt Marius.

In ihrem Workshop beschäftigen sich Kathi und Marius zuerst mit der Entstehung und dem Selbstverständnis von Fantifa-Gruppen und wollen dann Möglichkeiten diskutieren, wie feministische Perspektiven in antifaschistische Gesellschaftskritik und Praxis einfließen können.

Der Workshop findet im Rahmen der Konferenz „Wir müssen mal reden… Antifaschistische Jugendkonferenz“ statt.
Datum: 06.12.2014
Zeit: 10-18 Uhr

Anmeldung bitte an: afa-juko(ät)web.de

weitere Informationen:
Facebook
http://falkenww.wordpress.com/antifa/

Facebookby feather

Filmrezension: Zwei Tage, eine Nacht

Filmrezension: Zwei Tage, eine Nacht published on Keine Kommentare zu Filmrezension: Zwei Tage, eine Nacht

 

von Frau Fuchs

zweitage_plakat

Die meisten Filme haben eine Farbe, versetzen einen in eine Stimmung, berühren einen mit unterschiedlicher Intensität. Die meisten Filme nutzen alle latenten Wege um die Zuschauer*innen zu binden. Anzusprechen. Die Augen werden verführt.

Weiche Handlungen, seichte Brise, sind zumeist bunt, getränkt in Farben des Sommers. Harte, nüchterne Geschichten werden oft in Erdtönen oder in kalten und kontrastierenden Farben abgefilmt.

Hier sind es die Farben Orange, Sand – die gesamte Palette zwischen Warmgelb und Ocker.

Es ist Sommer irgendwo in einer französischen oder belgischen Stadt. Dort lebt eine Familie: Ein Mann und eine Frau mit zwei kleinen Kindern. Ein Junge und ein Mädchen. Es ist kein Film mit weicher Handlung, kein seichter Stoff wie es der Anblick wehender weißer Bettlaken an der Wäscheleine im hübschen Garten vermittelt. Es ist ein nüchterner Film, ohne musikalische Rahmung, ein realistischer kurzweiliger Spaziergang durch die alltagsweltlichen Gefilde einer europäischen Mittelstandsfamilie. Jedoch hat er weiche Nuancen, ganz unkonventionell und reduziert wird die Geschichte an einem heißen Sommerwochenende im Leben jener Familie illustriert.

Das Paar liebt sich. Zärtlich. Innig. Die Kinder werden geliebt. Und beide Aspekte kommen im Kontext der ökonomisch belasteten Lebenssituation zu kurz.Continue reading Filmrezension: Zwei Tage, eine Nacht

Arzt*besuch

Arzt*besuch published on 4 Kommentare zu Arzt*besuch

von Malina

Gestern hatte ich einen Termin beim Hautarzt*. Eigentlich war alles ganz harmlos. Es handelte es sich um eine einfache Vorsorgeuntersuchung. Ich erklärte an der Rezeption, dass dies mein erstes Mal ist und wurde daraufhin gebeten noch ein paar Minuten im Wartezimmer Platz zu nehmen. Nachdem ich aufgerufen wurde, ging ich ins Behandlungszimmer. Dort sah ich, wie die medizinische Fachangestellte Papier auf dem Boden ausbreitet. Ich frage sie, wofür das Papier benötigt wird. „Damit sie nicht mit nackten Füßen auf dem kalten Boden stehen müssen“, antwortete sie.

Erst in diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich mich gedanklich auf diesen Arzt*besuch gar nicht vorbereitet hatte und nicht wusste, was mich dort erwartete. Die Schwester verließ das Zimmer und nach kurzer Zeit kommt ein junger Arzt* rein. Er begrüßte mich knapp und gab mir die Anweisung mich bis auf BH und Unterhose auszuziehen. Ich wunderte mich. Selbst bei den Frauenärzt*innen musste ich mich nicht ganz frei machen. Der Arzt* wartete. Ich zog mich bis auf die Unterwäsche aus und fühlte mich unwohl. Der Arzt* hielt eine Art starke Taschenlampe, mit der er mich anleuchtete, während er mich von oben bis unten eindringlich anschaute. Obwohl es sein Job ist, war es mir unangenehm. Sobald er meine Tätowierungen auf den Oberschenkeln sah, fing er an mir Fragen dazu zu stellen, die ich aber nicht beantworten wollte. Ich ging davon aus, er wollte Small Talk halten, aber ich hatte keine Lust einem wildfremden Menschen so etwas Intimes, wie meine Tätowierungen zu erläutern.

In dem Augenblick als er an Oberkörper angelangt war, bat er mich den BH auszuziehen. Ich tat es, aber fühlte mich immer unwohler, da ich nur noch in Unterhose vor ihm stand. Als Nächstes sollte ich mir meine Brüste hochhalten. Ich machte es – weil ich nicht wusste, was ich sagen soll. Mir wurde flau im Magen. Ich stand in einem kleinen Zimmer, alleine mit diesem jungen Arzt*. Nur in Unterhose und sollte meine Brüste hochhalte. Diese Pose erinnerte mich stark an Bilder aus irgendwelchen schmuddeligen Erotikmagazinen.

Nachdem ich meinen BH wieder anziehen dufte, sollte ich mich auf die Liege legen. Ich tue es. Der Arzt saß auf einem Stuhl vor mir und leuchtete unterschiedliche Regionen meines Körpers mit dieser Taschenlampe an. Plötzlich zog er meine Unterhose hoch und guckte rein. Dabei sagte er nichts. Unangenehm… Hätte er nicht einfach vorher fragen können, ob das für mich in Ordnung ist?

Ich soll mich umdrehen und auf den Bauch legen. In dieser Position wiederholte sich das Prozedere. Wieder zog er meine Unterhose hoch und schaute rein. Ich fragte mich, wie viel er durch diesen kurzen Blick in meine Unterhose über die Hautkrebsgefahr in dieser Körperregion sagen kann.

Er ist fertig und ich konnte mich anziehen. Er schüttelte mir die Hand und sagte, dass ich in zwei Jahren die Untersuchung wiederholen soll. Dieses Mal sei alles ok. Der Arzt* verlässt den Raum.
Obwohl ich annehmen muss, dass alles seine Richtigkeit hatte, fühlte ich mich danach noch lange sehr unwohl. Hätte er mich vorher über die Untersuchung und was genau gemacht wird aufklären müssen? Ich frage mich: hätte ich etwas sagen oder machen sollen? Eigentlich ist doch gar nichts passiert – jedoch fühlt es sich für mich so an.

Facebookby feather

Über Superheldinnen, Stereotype und die Zukunft

Über Superheldinnen, Stereotype und die Zukunft published on Keine Kommentare zu Über Superheldinnen, Stereotype und die Zukunft

Ein Gastbeitrag von Ronja Mercedes Nabert

Frauen dürfen heute fast alles: arbeiten, abtreiben, studieren; wählen und gewählt werden. Eine immer breitere Akzeptanz finden auch Hosen, Miniröcke und Kopftücher. Nur dass Frauen in Comicadaptionen die Welt retten, ist noch nicht so gerne gesehen. Parodistisch und halbnackt wird ein solches Handeln schon mal geduldet, doch hinter vorgehaltener Hand hat man auch dann nur ein Naserümpfen für diesen Sittenverfall übrig. Zumindest in Hollywood. Vor einigen Tagen nun gab Marvel bekannt, dass für den Sommer 2018 ein Kinostart geplant ist. „Captain Marvel“ soll über die Leinwand laufen. Der Produktionsfirma wurde dieser große Schritt sehr oft angeraten und doch wurden Pläne in diese Richtung in den vergangenen neun Jahren immer wieder verworfen. Captain Marvel ist dieses Mal eine Frau. Die Protagonistin ist eine Frau! Ein guter Anlass, um sich mit den verschiedenen Formen der Marginalisierung von Superheldinnen auseinander zu setzen.

httpde.wikipedia.orgwikiDateiBatgirl_cosplay_01.jpg
Quelle: Wikipedia

Continue reading Über Superheldinnen, Stereotype und die Zukunft

Auf den Spuren der Bochumer Frauengeschichte

Auf den Spuren der Bochumer Frauengeschichte published on Keine Kommentare zu Auf den Spuren der Bochumer Frauengeschichte

Ein Gastbeitrag von Lene Hartlinger

Ich treffe die Leiterin des Bochumer Frauenstadtrundgangs Linda Unger an einem warmen Sonntagnachmittag im Cafe. Eben hat sie eine Gruppe interessierter Menschen durch Bochum geführt und ihnen „die Stadt der Frauen“ gezeigt.

Bochum, eine Stadt der Frauen?

Wenn mensch den Spuren folgt, die Linda Unger in ihrem Rundgang so eindrücklich aufzeigt, findet man sie: die Frauen, die mit ihrer Kraft, ihrem Engagement und viel Mut die Gesellschaft ihrer Zeit prägten. Der Bochumer Frauenstadtrundgang bietet nicht nur Gelegenheit vieles über die Lebensgeschichten der historischen Frauenpersönlichkeiten zu erfahren, sondern eröffnet den Besucher*innen auch die Möglichkeit etwas über sich selbst zu erfahren. Denn wie bemerkte die österreichische Historikerin Gerda Lerner so passend: „Jede Frau ändert sich, wenn sie erfährt, dass sie eine Geschichte hat“.

Unbenannt
Quelle: Auszeiten-Frauenarchiv

 

Lene Hartlinger: Vielen Dank, dass du dir heute Zeit für uns genommen hast. Erzähl uns doch erst mal etwas über den Bochumer Frauenstadtrundgang.

Linda Unger: Während des Frauenstadtrundgang wollen wir an verschiedene Frauen aus der Geschichte Bochums erinnern. Also im Prinzip ein Frauengeschichtsrundgang. Hauptsächlich geht es um Frauen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Es sind aber auch welche aus dem 18. Jahrhundert und dem Mittelalter dabei. Während des Rundgangs erfährt mensch, was die Frauen so bewirkt haben. In Bochum, aber auch an anderen Orten. Manchmal wurden sie in Bochum geboren und sind dann aber ganz woanders hingegangen. Die Frauen haben aber hier, wie dort immer eine ganze Menge guter und wichtiger Dinge getan.

 

Wie ist die Idee zum Rundgang entstanden?

Beim feministischen Archiv ausZeiten in Bochum hatten die Mitarbeiter*innen schon lange die Idee einen Rundgang anzubieten. Da im Archiv sonst immer so viel zu tun war, sind sie einfach nicht dazu gekommen. Als ich 2007 ein Praktikum im Archiv gemacht habe, wurde mir dann diese schöne Aufgabe übertragen. Ich konnte auf alle möglichen Materialien zugreifen, die es bei ausZeiten gibt. Das Archiv steckt ja voller (Frauen-)Geschichte(n).

Zuerst habe ich Texte geschrieben für ein Frauenstadtmagazin „Women in the City“ – dort gab es jeden Monat eine Historienseite. Ich habe verschiedene Beiträge verfasst und die Texte wurden teilweise in den Rundgang eingearbeitet. Außerdem mussten wir uns noch Orte überlegen, die inhaltlich zu den Frauen passten und so lagen, dass alle in einem zweistündigen zu bewältigen waren. In Kooperation mit der VHS haben wir dann im Frühling 2008 die ersten Rundgänge angeboten. 

Continue reading Auf den Spuren der Bochumer Frauengeschichte

Primary Sidebar

Schrift anpassen
Hohe Kontraste
Zur Werkzeugleiste springen