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Girls, Bromance und der Circuit of Culture – Filmwissenschaftler John Alberti im Interview mit Anna Seidel

Girls, Bromance und der Circuit of Culture – Filmwissenschaftler John Alberti im Interview mit Anna Seidel published on Keine Kommentare zu Girls, Bromance und der Circuit of Culture – Filmwissenschaftler John Alberti im Interview mit Anna Seidel

von Anna Seidel

Pünktlich zum Frauenfilmfestival in Dortmund kreisen unsere Gedanken vor allem um die Ladies im Film- und Fernsehbusiness. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Anna Seidel (WWU Münster) forscht immer mal wieder dazu. Im Sommer erscheint zum Beispiel ihr Aufsatz zu Popfeminismus und Fernsehen und gerade arbeitet sie gemeinsam mit Anne Lippke an einem Aufsatz zu Lena Dunhams Produktionen Tiny Furniture und Girls. In diesem Zusammenhang ist sie auch auf John Alberti gestoßen, einen Professor für Cinema Studies an der Northern Kentucky University. Lest, wie die beiden über Film, Fernsehen und Feminismus reden:

John, in Forschung und Lehre widmen Sie sich vor allen Dingen popkulturellen Phänomenen, wie Games und Filmen, was ich gut finde – ich mache es auch so. Wenn Sie nun jemand fragt, warum Sie gegenwärtige Phänomene, wie die Simpsons und Facebook erforschen, anstatt eher klassische, wie den Kaufmann von Venedig oder frühe Briefromane, was antworten Sie?

Ich habe darauf zwei Antworten. Zum einen sehe ich dieses ‚anstatt’ nicht. Ich denke nicht, dass Popkulturforschung ausschließt, sich mit älterer, eher kanonischer Literatur auseinanderzusetzten, oder umgekehrt. Ich habe über die Simpsons und Facebook geschrieben und ich habe über Mark Twain und Henry James geschrieben. Ich sehe all diese Gegenstände als komplexe kulturelle Texte. Zum anderen waren – und das hängt mit dem ersten Teil meiner Antwort zusammen – Texte wie Der Kaufmann von Venedig oder ein Briefroman aus dem 18. Jahrhundert Teil der ‚Popkultur’ ihrer Zeit. Der Begriff und die Idee von ‚Popkultur’ entwickelt sich erst im späten 19. Jahrhundert, als unsere derzeitigen Modelle von ‚high’, ‚middle’ und ‚low’ culture als Teil eines bourgeoisen Gedanken etabliert wurden. Es ist also ein wenig anachronistisch, den Kaufmann von Venedig als popkulturell zu beschreiben. Allerdings kann man ja schon sagen, dass Shakespeare mit einer gewissen Pop-Sensibilität geschrieben hat. Er schrieb für alle möglichen Bildungsschichten und hatte ein viel breiteres Publikum, als es die Schreiber_innen der Simpsons bedienen.

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Bild: routledge.com

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Rezension: Eden

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von pepe

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Gleich vorweg: der Film ist eine LP. Nicht nur wegen des starken Soundtracks, sondern auch wegen seiner epischen Länge. Über mehr als zehn Jahre begleiten wir den jungen Pariser Paul durch Nachtleben und Alltagssorgen. Diese Länge und die gelegentlichen Längen erscheinen bewusst gewählt, denn Pauls Leben dreht sich im Kreis wie die House Platten, die er mixt. Während von Platte, auf Cd und schließlich auf Mp3 gewechselt wird und während seine Exfreundinnen Familien gründen und sein genialischer Freund sich das Leben nimmt, suchen Paul und sein Co-Dj (siehe Abb.) den richtigen Übergang nur von französischem Vocal House zu chicagoer Deep House. Das Ganze ist nicht nur eine Hommage an die generationsprägende Musik der Paradise Garage und den auch im Film und Soundtrack omnipräsenten Daft Punk, sondern eben auch über den Umgang mit den eigenen Ikonen. Wie lange kann Paul wie ein Dorian Gray ewig jung bleiben, wenn es im Leben alles andere als Rund läuft. Diese dem Leben (u.a. des Bruders Sven) abgeschaute Geschichte wurde von der Regiesseurin Mia Hansen-Løve als Männergeschichte inszeniert. Frauen sind wechselnde Freundinnen oder sorgen als verwöhnte Soul Diva für gesangliche Wärme. Eine Rollenverteilung, die viel zu lange in vielen Musikszenen vorherrschte. Die etwas verklärte Djane in einer der letzten Einstellungen, mag hier anzeigen, dass sich auch in diesem Sinne die Zeiten ändern (sollten).

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Ein Eindruck: Always together

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von Lilli Boheme

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Bild: idfa.nl

In dem Dokumentarfilm Always together erzählt die tschechische Regisseurin Eva Tomanova die Geschichte einer 11-köpfigen Familie aus dem Böhmerwald, die sich bewusst von der Außenwelt abkapselt, um ein Leben frei von Konsum zu führen. In Anwesenheit der Regisseurin feierte der Film gestern seine Deutschlandpremiere im Dortmunder U, Zentrum für Kunst und Kreativität. Vor dem Film verlor Tomanova nicht viele Worte – nur, dass das deutsche Publikum ihren Film wohl am besten verstehen würde, was zu einem verwunderten Raunen im Kinosaal führte.

Idyllisch deutet die Regisseurin uns das unkoventionelle Leben der Großfamilie an – in einem selbstgebauten Trailerpark scheinen sie alles zu haben, was sie brauchen. Ein Gefühl von Freiheit macht sich breit, wenn die Kinder durch den Wald klettern, die talentierten Söhne ein Konzert unter freiem Himmel geben und Zeit scheinbar keine Rolle spielt. Normen und Werte der westlichen Welt sind an diesem Ort nicht präsent – keine Spielzeugberge, keine Smartphones, kein Überfluss. Aber auf den zweiten Blick wird schnell deutlich, dass das, was die Familie braucht und erhält, Petr entscheidet – das Familienoberhaupt.

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Rezension: Juno

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Schwanger sein, aber nicht Mutter? Ja, weil sie es kann!

von Käthe

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Bild: maaretta.files.wordpress.com

Es ist ein warmer Herbst irgendwo im nordöstlichen Amerika. Juno stapft mit einem Kanister O-Saft durch die Straßen. Sie hat eine Ahnung und versucht diese regelrecht aus sich heraus zu spülen. Aber es hilft nicht. Auch nach wildem Schütteln bleibt das kleine blaue Plus in der Anzeige des Schwangerschaftstests. Juno ist Teenager und schwanger!

So beginnt die liebevoll erzählte Geschichte von Jason Reitman. In warmen Orange- und Gelbtönen entwickeln sich die tagebuchartig erzählten Ereignisse von Juno, die einfach mal aus Langeweile Sex mit ihrem besten Freund Bleeker hatte und nun mit den Konsequenzen zurechtkommen muss. Die wunderbare Ellen Page spielt Juno immer mit einem Hauch Ironie und trockenem Humor, aber auch mit einer stetigen Zerrissenheit zwischen den scheinbar richtigen Entscheidungen.

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Rezension: Stella

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von Lilli Boheme

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Bild: mynewsdesk.com

Die Geschichte wird aus der Sicht der jungen Stella erzählt – ein unerwartet interessanter Blickwinkel mit ebenso überraschender schauspielerischer Leistung.

Stella, die zu Beginn des Films durch ihre Mistkäfersammlung introvertiert erscheint, zeigt im Laufe des Films, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat. Entschlossen geht sie trotz Erpressungsversuchen gegen die Essstörung ihrer Schwester vor, stellt sich ihrem Schwarm und durchlebt tapfer familiäre Konflikte.

Der Film behandelt dabei Themenkomplexe, wie Mädchen-sein und Frau-werden, aber auch Elternschaft. Durch ihre große Schwester, die mitten in der Pubertät sehr leistungsorientiert Eiskunstlauf betreibt und dadurch eine Essstörung entwickelt, muss sich Stella mit ihrem eigenen Körper, Weiblichkeit und Normalität auseinandersetzen. Beachtlich ist dabei, dass Stellas Körper eigentlich nie direkt Mittelpunkt der Auseinandersetzung ist. Nur kurze Szenen deuten daraufhin, dass sie ihrer Schwester nacheifern möchte, aber im nächsten Augenblick diesen Wunsch durch ein konträres Handeln gleich wieder verwirft. Überhaupt schafft der Film in vielen Wendungen die komplexe, aber innige Beziehung der Schwestern auszudrücken.

‚Stella‘ ist intensiv, spannend wie ein Thriller, hinterlässt Spuren. Die Botschaft scheint klar, ebenso wie es bei dem Film schwer wegzusehen ist und Stella nie wegsieht, so sollte keiner bei Essstörungen wegschauen.

Schweden/Deutschland 2015, 95′

Regie: Sanna Lenken
Stella könnt ihr in den folgenden Kinos sehen:
Metropolis, Bochum
Sweetsixteen, Dortmund
Cinema, Wuppertal

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