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Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin

Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin published on 1 Kommentar zu Gedanken einer Tyrannin oder auch einer Gender-Studies-Studentin

von Kira Rollsing

Ich sitze in der ersten Sitzung des Seminars „Einführung in die Geschlechterforschung“ bei Frau Prof. Sabisch. Das Seminar zu Beginn des Studiums, das mitunter sämtliche Masterstudierende in den Gender Studies belegen. Im Volksmund ist der Studiengang auch als „Pseudowissenschaft“ bekannt. Ungefähr 40 Menschen sitzen im Raum, die komischerweise auch aus anderen Instituten kommen. (Wer macht das freiwillig?!) Erstaunlich viele Männer sind zu sehen. Circa 12. Trotzdem sind die Frauen in der Überzahl. Gierig starren sie die Männer an, fantasieren mit welchen Ideen sie die Männerwelt vernichten könnten. Sie fokussieren diese 12 Männer, stellvertretend für alle Männer auf der Erde, wie eine Beute und denken darüber nach, wie sie ihr Leben noch schwerer machen könnten. Und endlich gibt es dieses Fach, Gender Studies, das sie bei ihrem Vorhaben unterstützt. Die Professorin, oder auch „Pseudoforschungsfaulenzer[in]“ genannt, steht vorne. Sie begrüßt die neu gewonnenen „Stuhlgangswissenschaftler[innen]“, den Nachschub an Tyranninnen. Ihre Hosentaschen sind voller Steuergelder.

So zumindest, scheint sich das ein großer Teil Deutschlands vorzustellen. Die stellt sich allerdings durch die „böseste Frage aller Fragen“ heraus: „Wer bezeichnet sich als Feminist oder als Feministin?“ Ungefähr ein Drittel der Studierenden zeigt auf. Männer und Frauen gleichermaßen. Das ist nicht sonderlich viel. Und auch meine Hand bleibt unten. Warum?

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Die Gefühle der Frauen: Die Nibelungen, Schauspielhaus Bochum

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von Frau Fuchs

„Es wuchs in Burgonden ein schönes Mägdelein,

Wie in allen Landen nichts schöners mochte sein.

Kriemhild war  sie geheißen und war ein schönes Weib,

Um das viel Degen mussten verlieren Leben und Leib.“

(Das Nibelungenlied, Wie Kriemhilden träumte; Übers. Karl Simrock, 4. Auflage, 1844)

Wir sitzen versunken – tief – im Publikumsgraben, sind umgeben von Licht und Bühne und schwarzen Lamellen an den Seiten, die den Raum verschmälern. Geteilt werden wir, die Masse im Dunkel, durch einen langen vertikal zum Bühnenschiff angeordneten Steg, der eine schicksalhafte Erzählfunktion einnimmt. Auf ihm getragen, schwimmend auf einem Meer an Zuschauern, erscheinen und verschwinden die zwölf Darsteller*innen.

Dunkel und hell zugleich ist’s.

Und wir einer brennenden, tobenden Kriemhild (Jana Schulz) ganz nah, die den Mord an ihrem Geliebten, Siegfried (Felix Rech), rächen will. Gebündelte Energie aus den verschiedensten Richtungen: zwei kraftvolle Hauptdarstellerinnen und dann diese unfassbar echte Figur des Hagens (Werner Wölbern). Insgesamt spannt uns das großartige Ensemble des Bochumer Schauspielhauses fest ein in die tragische Erzählung über die königliche Familie der Nibelungen, die letzten Endes im Höllenschlund zu ertrinken droht. In der Theaterinszenierung nach Friedrich Hebbel (Mitte des 19. Jh.) wird ein besonderer Blick auf die zwei leidenschaftlich agierenden Frauencharaktere geworfen: Auf der einen Seite die nach außen stark wirkende, aber in Wirklichkeit unermesslich verletzte Kriemhild, die für ihre eigene Vorstellung von Gerechtigkeit kämpft und auf der anderen Seite die mutige, männermordende Brunhild (Minna Wündrich mit imposanter Stimme), die angeblich stärkste Frau der Welt, der im Verlauf des Vorstellungsabends immer mehr ihrer Erhabenheit gestohlen wird und sie letztendlich wie eine zerbrochene Vase in Scherben am Boden liegt. Doch ist keine von ihnen die Böse, nein, beide erfahren sich in der Rolle des Opfers. Diese Gemeinsamkeit ermöglicht neben der großen allumgebenden Kabale aber auch Loyalität zwischen den beiden Frauen, die durch die Heirat Brunhilds mit König Gunter (Kriemhilds Bruder) nun einer Familie angehören.

Mir kann keiner etwas anhaben.

Hier ploppt die verstaubte Idee eines naturalisierten Zusammenhaltes zwischen Frauen als unterdrückte Gruppe des gleichen Geschlechtes auf. Beide tragen ihr gebrochenes Herz vor sich her, dadurch scheinen sie sich näher. Und auch auf die vermeintliche Selbstüberschätzung, die sich bei beiden in der Annahme der Unverwundbarkeit zeigt, folgt der Fall. Offenkundig ist dies die Krankheit, an der alle Figuren des Stückes leiden: Hochmut. Siegfried sei da das populärste Beispiel…

Emotionalität versus psychologische Ränkespiele.

Was mit dem Ende der Geschichte beginnt, verfolgt von einer fesselnden Neugierde der blickenden Augen aus dem Zuschauermeer, dieser Kniff des Regisseurs Roger Vontobel zahlt sich aus. Wie kam es zu einer solchen Misere? Jedoch sollte man keine Stückaufarbeitung bezüglich verfestigter Geschlechterrollen erwarten: So wiederholen sich immer währende stereotype Bilder vom Scheitern der Frau an ihrer übertriebenen Emotionalität und vom Mann, dem es als Einziger in dieser Welt gelingen kann, intrigant erfolgreich zu operieren ohne dabei entlarvt oder ferner noch sanktioniert oder herabgewürdigt zu werden. Altbewährter Stoff wird zu altbewährten Formen verarbeitet. Wer darüber hinwegsehen kann, wird einen kathartisch vereinnahmenden und reichhaltigen Theaterabend erleben dürfen, getragen von einer originär wilden und sagenhaften Erzählung, wie einem ebenso heldenhaften Aufgebot an Schauspieler*innen.

nibelungen_1950(Foto Quelle: Schauspielhaus Bochum)

Nächste Vorstellungen
23.05., 18-23:00 Uhr, Schauspielhaus Bochum

24.05., 16-21:00 Uhr, Schauspielhaus Bochum.

http://www.schauspielhausbochum.de/spielplan/die-nibelungen/

Utopien sind gut

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Maxi Braun (Erstveröffentlichung trailer-ruhr.de 07. Mai 2015)

Laurie Pennys feministisches Manifest „Unsagbare Dinge“ fordert mehr Gerechtigkeit für alle Geschlechter

Wer die aktuelle Debatte und die medialen Hass- und Liebeserklärungen zum aktuellen Stand des Feminismus verfolgt, muss erkennen: der Feminismus ist tot.
Die Frauenbewegungen verhalten sich in den letzten Jahren wie der Rest der zunehmend globalisierten Welt: heterogen, pluralistisch und manchmal auch widersprüchlich.

Da es den Feminismus als einheitliche Strömung nicht mehr gibt, wird nach neuen Modellen gefahndet. Die ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ widmete ihre Ausgabe vom 28.4.2015 einer durchaus selbstkritischen Reflextion des eigenen Umgangs mit Frauen(themen), die Nummer 17 der Wochenzeitung „Der Freitag“ unterstreicht mit dem Titelthema „Mir nach, Leute! Der Feminismus ist eine Erfolgsstory. Manche wollen das nicht begreifen“ die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Feminismus und auch trailer-ruhr lieferte im März mit dem Monatsthema FRAUENMENSCHEN eine Bestandsaufnahme.

In diese Richtung geht auch Laurie Penny mit ihrem Manifest „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“. Die noch nicht einmal 30-jährige Autorin, Bloggerin und Journalistin schreit uns auf knapp 280 Seiten ein wütendes Pamphlet entgegen, in dem sie persönliche Erfahrungen, politische Entwicklungen, akademisches Wissen und die daraus gezogenen Schlüsse zu größtenteils Polemik verdichtet.

Schon zu Beginn stellt die gebürtige Britin klar: „Dieses Buch hilft euch nicht dabei, einen Mann zu finden, eure Frisur zu richten oder euren Job zu behalten. Dieses Buch handelt von Liebe, Sex, Schönheit und Ekel, Macht, Leidenschaft und Technik.“ Ebenso schnell wird deutlich, dass sich Pennys Kritik nicht pauschal an die üblichen Verdächtigen wie die Medien, den Staat, die Pornoindustrie oder gar an die Männer richtet. Ihr Buch ist im klassischen Sinne kein feministisches Werk, denn Ziel ihrer stilistisch eigenwilligen und von revolutionärem Pathos durchwirkten Attacken ist nicht der Antifeminismus, sondern das kapitalistische System.

Anders als FEMEN oder Alice Schwarzer lehnt sie Prostitution oder Pornografie nicht kategorisch ab. Untypisch ist auch, dass sich Penny als Romantikerin sieht und ein ganzes Kapitel der Liebe und zwischenmenschlichen Beziehungsformen widmet. Als digital native liefert sie zudem ungewöhnliche Einblicke in den Komplex „Sexistische Gewalt im Internet“.

Die Männer oder die „verlorenen Jungs“, denen sie ebenfalls ein eigenes Kapitel zugesteht, definiert sie gleichsam als Verlierer einer paternalistischen Herrschaftsform, die alle Geschlechter unterdrückt. Die nur scheinbar über Frauen herrschenden Männer sind auch nicht die Urheber dieser Gesellschaftsordnung. Durch den ihnen zugestandenen Einfluss werden sie davon abgehalten, Machtverhältnisse, die auch sie selbst an ihrer Entfaltung hindern, kritisch zu hinterfragen. Gleiches gelte verstärkt für alle, die von der heterosexuellen cisgender-Norm abweichen.

Feminismus als Instrument

Dreh- und Angelpunkt ist aber auch für Penny das Frauenbild, das Instrument zur Umsetzung revolutionärer Visionen bleibt der Feminismus. Die großen Fortschritte, die FrauenrechtlerInnen auf dem Terrain von Recht und Selbstbestimmung in den letzten Jahrzehnten erwirkt haben, bewertet sie kritisch. Die Verheißung der Gleichberechtigung richte sich vornehmlich an die Karrierefrau, die sowohl ihr intellektuelles, als auch ihr erotisches Kapital fortwährend im Sinne des Neoliberalismus maximiert und nun alles sein und haben kann: 60-Stunden-Woche, Kinder, Haushalt, Beziehung und anschließendes Burnout.

Für Penny ist diese fortwährend schöne und erfolgreiche Frau „ausnahmslos weiß und fast völlig fiktional.“ Sie verlangt stattdessen eine Stimme für alle Frauen, die von diesem Ideal abweichen, denn generell gelte für Frauen noch immer „Wir haben Objekte des Verlangens zu sein, nicht verlangende Subjekte“. Sexismus ist ihrer Meinung nach immer dann präsent, wenn nur ein Geschlecht betroffen ist. Das zeigt sich ihrer Meinung nach auch bei den medialen Identifikationsangeboten. „Gute kleine Jungs sollen davon träumen, die Welt zu verändern. Gute kleine Mädchen sollen davon träumen, sich zu verändern“.

Mehr Phantasie bitte!   

Anders als WELT-Autorin Ronja von Rönne, die Anfang April 2015 unter dem Titel „Warum mich der Feminismus anekelt“ perfekt vorführte, wie man als Wohlstandstöchterchen hedonistisch soziale Gerechtigkeit am eigenen, und nur am eigenen Erfahrungshorizont abmisst, ist sich Penny ihrer privilegierten Stellung durchaus bewusst. Ihr Anspruch ist kein geringerer, als eine bessere Welt für alle sozial Benachteiligten, wenn schon nicht zu schaffen, dann doch wenigstens gedanklich zu antizipieren.

Früher nannte man diese Denkweise übrigens Utopie oder in ihrer unpolitischen Variation die Phantasie von einer besseren Welt. Eine Qualität, an der es der EU-Politik zwischen Ukraine-Konflikt, IS-Terror und Griechenlandkrise – kurz angesichts der vielgestaltigen Anforderungen der Postmoderne – zu fehlen scheint.

Wer „Unsagbare Dinge“ zur Hand nimmt, darf weder eine stringente, noch eine ausnahmslos sachliche Argumentation, einfache Antworten oder klare Handlungsanweisungen erwarten. Der Stil schwankt zwischen poetisch-plakativen Zeilen wie „Der Neoliberalismus kolonialisiert unsere Träume“ und Statements wie „die ideale Frau ist fickbar. Fickt aber nie selber“, die beide im Gedächtnis bleiben.

Neben intimen, autobiografischen Einblicken spricht „Unsagbare Dinge“ gesellschaftliche Probleme aus, die all jene angehen, die sich eine gerechtere Gesellschaft für Frauen und Männer wünschen und das gegenwärtige System nicht als der Weisheit letzter Schluss und schon gar nicht als geeignet für die Anforderungen unserer Zeit empfinden. Am harten Realismus orientiert sich aber Pennys letzter Appell: Vor uns liegt ein langer Weg, der weh tun wird. Fangt an.

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Laurie Penny
„Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“
aus dem Englischen von Anne Emmert
Edition Nautilus, 2015

Die fabelhafte Welt der Caroline

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von Frau Fuchs

Caroline Königs, diesen Namen sollte man sich merken. Denn die Dinge, die die junge Künstlerin entwickelt, sind nahezu genial. Caro schreibt Theaterstücke. Wie kommt man denn dazu?

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Foto: Feminismus im Pott

Das ist so eine Begeisterung, die sie seit jeher gehabt hätte, erzählt sie mit glänzenden Augen. „Theater ist so vielschichtiger als Literatur, es kommen halt alle Ebenen zusammen: Der Körper, die Musik und alles zusammen, nicht einfach nur der Text. […] Das ist immer sehr wundervoll.“
Zuerst dachte sie daran, den Beruf der Schauspielerin zu ergreifen, bis sie im Laufe ihrer zahlreichen Bühnenerfahrungen ihre Leidenschaft im Schreiben von Theaterstücken entdeckte. Natürlich braucht es dazu ein gewisses Know-How und durch ihr Studium der Theaterwissenschaften an der RUB, welches sie aufnahm, lernte sie auch das grundlegende Handwerkszeug dieses Feldes kennen.
Jedoch bringt ein Studium reichlich wenig bei der Fähigkeit kreativ tätig zu werden. Es liefert eben nur Instrumente dafür sich künstlerisch auszudrücken. Caro hat ihr Handwerk gefunden. Gekonnt bedient sie sich der Elemente des Theaters um ihre Fantasiewelten ins Hier und Jetzt zu holen. Dabei lässt sie ihre Expertise anklingen ohne den Kontakt zu einem sehr heterogenen Publikum zu verlieren. So schafft sie es mit ihren Erzählungen auf der Bühne gleich eine ganze Bandbreite an Zuschauer*innen für sich einzuspannen.
Theater, das ist ihr Terrain, da ist sie in ihrem Element. In einer sonst eher ruhigen angenehmen Person verbergen sich Ideen wie glitzernde Kostbarkeiten, die auf einen zweiten Blick in grotesken und rebellischen Farbnuancen vor dem roten Vorhang changieren. Ein wahrer Rohdiamant, diese Dame.Continue reading Die fabelhafte Welt der Caroline

Süßer kleiner Scheißdrache

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Von Chiara Fabri

Anfang des Jahres 2015 las ich in einem Artikel in der mobil, dem Magazin der Deutschen Bahn. Titel „Lesen früh fördern“. Der von einem ehrenamtlichen Großprojekt berichtet(e), bei dem Erwachsene in ihrer Freizeit in Schulen und Kindergärten zu Besuch kommen und dort den Kindern ein oder mehrere Zeit- oder Schulstunden vorlesen. Super Projekt. Irgendwann einmal werde ich hoffentlich auch die Zeit dafür verschenken können, Kindern und mir beim Vorlesen eine Freude zu machen und auf beiden Seiten zu lernen. Doch. Aber. Und dennoch. Muss ich. Leider. Dort stand eingangs:

„‘Bin ich wach oder träume ich?‘ dachte Felix, als er eines Morgens aufwachte und in seinem Zimmer ein Drache saß“, ließt C[…] V[…], „ein ganz kleiner Drache, so groß wie ein Kätzchen.“ Sie hält ein Bild des Drachens in die Höhe. „Der ist süß, oder?“, fragte sie in die Runde. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2a der […]schule in […] nicken. „Jaaaaaaa!“, ertönt es mehrstimmig.“

 
Und so lernen sie im Kollektiv, dass ein Drache, der, klein wie ein Kätzchen, süß ist. Welcher Vergleichswert wird den Kindern ohne Ausscheren geradezu vorgebetet? Dass, was klein ist, süß ist. Dass, was die Höhe eines Kätzchens – keiner Katze, keinem Kater, eines Kätzchens – hat, süß ist. Hier wird ein Adjektiv 1 zu 1 übertragen. Ein Drache in dieser kleinen Größe ist süß.
Ist das kleine Drachilein das?

Ich denke, so ein kleiner Drache kann scheißegefährlich sein. Es kann übel aus den Ohren und dem Arsch riechen, unter den Schuppen kann sich giftiger Schleim bilden, der bei Berührung und leichtem Druck dickflüssig hervorquillt. Dieser Schleim löst Quaddeln auf der Menschenhaut aus oder juckende Reizung oder Übelkeit oder Taubheit. Oder der Drache speit Feuer. Ich meine, Feuer ist immer gleich heiß. Also in seiner Mindesthitze. Nach oben offen heiß. Ich meine, es gibt kein süßes kleines Feuer. Feuer ist nie süß und auch die Romantik im Feuer ist ein kategorisches Ignorieren von Gefahr.
Also. Warum werden die Kinder suggestiv gefragt? Warum wird nicht offen gefragt?
Weil die fragende Person es nicht kann. Weil die Zeit im Konzept nicht reicht. Weil die Phantasie der Kinder nicht einzuschätzen und unter Umständen nicht aufzuhalten oder (bitte nie) zu lenken ist. Weil nicht eingeplant ist, sich in der Frage zu verlieren,

was der Drache ist,

dahingehend, was ein Drache ist,
dahingehend, was ein Drache kann,
dahingehend, ob es Drachen gibt.
(Da ist ja sogar noch eine wichtige Frage zuvor noch offengeblieben, nämlich, ob das Kind in der Geschichte wacht oder träumt – Oder etwas dazwischen? – Kann man wachträumen? – Oder traumwachen? – muss man schlafen, um zu träumen? – Sieht man im Schlaf?).

Die Kinder lernen: Was klein ist, ist süß.
Und reagieren kollektiv mit Jaaaaaa.
Da ist kein Platz für eine andere Meinung.
Wer so eine hat oder bei wem diese gerade zu keimen beginnt, aber noch nicht in vier Buchstaben gießen kann, hat eben zu schweigen. Was Nein ist, hat zu schweigen. Du siehst es anders? Schweig. Du hörst doch das viele Ja. Das ist laut, dem wird zugehört. Das war schneller. Punkt. Ein kleiner Drache ist süß. Punkt.
Klein ist süß. Pung…t

Und diese klitzikleine Minifrage Ist dieser Drache nicht…? ist gar massig nicht größer. Sie ist süß und ungefährlich, weil sie so klein ist, diese kleine Frage. Ist doch nur eine kleine Frage und die Kinder, allesamt so klein, und antworten doch so süß. So süß im Chorleini.

Ich hatte einen rosa kleinen Plüschdrachen. So groß wie ein sitzendes Katzenvieh. Es gab noch einen gelben selben Drachen. Meiner bekam irgendwann rote Ruschwangen wie ein Clown. Später ärgerte ich mich über meinen Einfall, der Drache bräuchte unbedingt geschminkte Wangen; so wie die Klassenlehrerin der Parallelklasse. Süß fand ich den nie. Ich mochte ihn. Er war harmlos. Nett. Er tat gute Dinge. Das war außergewöhnlich für einen Drachen. Das machte ihn besonders. Freundlich.

Mir fällt auf, dieser Text ist klein; im Verhältnis zu den übrigen, die ich bisher verfasste.

 

 

scheissdrache rossmann

(Süßer kleiner Scheißdrache auf Taschentuchpackung)

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